Crypto-Finance-Chef Jan Brzezek sitzt bereits im neuen Büro und geniesst die Aussicht. Der Rest der inzwischen 80-köpfigen Belegschaft zügelt mit dem Ende der Homeoffice-Pflicht von der Genferstrasse in den 24.  Stock des Zürcher Prime Towers.

Obwohl sich die Zahl der Mitarbeitenden schon 2021 verdoppelt hat, wird weiter fleissig rekrutiert. Die 105 angemieteten Arbeitsplätze sollten bald vergeben sein. Crypto Finance ist eine der Firmen, die ihre Büros in das Wahrzeichen des modernen Zürich verlegen, im aufstrebenden Züri-West, gleich neben dem Bahnhof Hardbrücke.Genau zehn Jahre ist es her, dass das 126 Meter hohe ikonische Gebäude – damals noch das höchste der Schweiz – bezogen wurde.

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In einem 36-stöckigen Objekt ist immer Bewegung unter den Mietern, jetzt, da Zehn-Jahres-Verträge ausliefen, ein wenig mehr. Prominenter neuer Mieter ist der deutsche Onlinehändler Zalando mit Büros im 7. und im 23. Stock. Arbeitet Brzezeks Crypto Finance an der Zukunft der Geldanlage, beschäftigen sich die Zalando-Mitarbeiter im Prime Tower mit der Garderobe der Zukunft, die zur Anprobe natürlich virtuell betreten wird. 150 Zalando-Mitarbeiter werden ab dem Frühjahr nach und nach im «Hightech-Hub» untergebracht.

Ende 2022 zieht der Versicherungskonzern HDI in die 21. Etage und wird dort rund 1200 Quadratmeter belegen. «Hybrides Arbeiten, mal mobil, mal von zu Hause, mal im Prime Tower», werde so laut HDI-Schweiz-CEO Marc Luginbühl möglich.

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Platz für die Newcomer macht zu grossen Teilen die Finanzindustrie. Die Deutsche Bank strich weltweit 20 000 Stellen und kommt dann auch im Prime Tower mit drei statt fünf Etagen aus. Die ZKB gab ihre Büroflächen bereits 2020 auf. Der in eine Krise geratene Vermögensverwalter GAM reduzierte seine Präsenz im Glasturm im Vorjahr von zwei Stockwerken auf ein Geschoss.

Für Zalando hat auch der Eigentümer Swiss Prime Site (SPS) selbst Platz gemacht. Die Hälfte eines Stockwerks wurde zuvor von SPS genutzt. In der Covid-Krise wurde Homeoffice salonfähig. In der Theorie sinkt damit der Bedarf an Büros. Auf dem Prime-Tower-Areal bestätigt sich so eine Entwicklung nicht. «Die Büroflächen sind gefragt, von einer Flächenreduktion spüren wir überhaupt nichts», sagt SPS-Sprecher Mladen Tomic. Jedoch seien zunehmend weniger fixe Arbeitsplätze und mehr Begegnungszonen und Workareas gefragt. «Das ist auch, was Zalando im Prime Tower verwirklichen will», sagt Tomic.

Laut Tomic sei das gesamte Prime-Tower-Areal voll vermietet. 35 Mieter gibt es dort, 26 sind es allein im Prime Tower. EY ist im Nebengebäude und der grösste Mieter. Von sinkenden Preisen sei trotz Pandemie keine Spur zu sehen. Im Gegenteil: «Bei der Erneuerungsrunde haben wir festgestellt, dass wir die Preise anheben können», sagt Tomic. Man müsse keine Zugeständnisse machen. Wer hoch hinaus will, zahlt mehr. Die Quadratmeterpreise steigen mit jeder Etage.

Laut Tomic sind das Prime-Tower-Areal und Jelmoli die zwei wertvollsten Objekte im 12,5 Milliarden schweren SPS-Immobilienportfolio. Der faire Wert des Areals liegt bei über einer Milliarde Franken. Bei SPS scheint das Geschäft auch unabhängig vom Prime Tower zu laufen: Im Vorjahr wurden 170 000 Quadratmeter neu oder wieder vermietet, mehr als das Vierfache der Fläche des Prime Towers.