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Bits & Coins
Schweizer schürfen in Alpen nach Bitcoin-Konkurrenz

 

Im Glarnerland entsteht eine Serverfarm zur Sicherung des Weltcomputers Ethereum.

Kommentar  
Von Marc Badertscher
am 15.04.2016

Hinten im Glarnerland bei Linthal laufen schon seit mehr als einem Jahr die Computer einer Serverfarm heiss. Sie helfen, das Netzwerk der Digitalwährung Bitcoin zu sichern. Nun expandieren die bisherigen Betreiber dieser sogenannten Bitcoin-Mine. Die Firma CryptoCash wendet sich nun gemeinsam mit Bitcoin Suisse AG der Bitcoin-Konkurrenz Ether zu, der Währung des Weltcomputers Ethereum.

Künftig werden in Linthal in einer alten Halle zahlreiche Computer auch das Ethereum-Netzwerk stützen. Das machen die Betreiber natürlich aus handfesten monetären Gründen: Es lohnt sich. Denn für das Schützen des Netzwerks werden die Betreiber mit Ether entschädigt.

Grosse Nachfrage

Zahlreiche Kunden aus dem In- und Ausland möchten die Infrastruktur in Linthal nutzen und wollen deshalb ihre eigenen Computer direkt vor Ort an die Serverfarm anschliessen. Einer der Gründe für das Dislozieren der eigenen Computer: Diese Spezialcomputer verbrauchen viel Strom. Und dieser ist in Linthal dank Wasserkraft und Spezialverträgen im Vergleich relativ günstig.

Bitcoin Suisse und CryptoCash wollen nun das vorhandene Know-How auch anderen Kreisen zugänglich machen und lancieren deshalb einen sogenannten Mining Pool. Alpereum heisst das Projekt.

Bei einem Mining Pool werden die Kapazitäten von zahlreichen überall auf der Welt verstreuten Computern quasi gebündelt und so zur Sicherung einer Digitalwährung wie eben Bitcoin oder Ether genutzt. Für diese Dienstleistung am Netzwerk erhält der Mining Pool natürlich ebenfalls frisch ausgegebene Bitcoins oder Ether. Diese Entschädigung wird dann anteilsmässig auf alle verteilt, die sich am Mining Pool beteiligen. Alpereum wird zunächst Pool-Mining für Ether anbieten, ab Sommer auch für Bitcoin.

Bitcoin-Halving im Juli

Vorderhand ist das sogenannte Mining von Ether profitabel. Doch die Vordenker von Ethereum sind zur Zeit daran, einen neuen Konsensus-Mechanismus zu entwickeln. Dabei geht es um die Frage, wie die zahlreichen Computer im Ethereum-Netzwerk gemeinsam bestimmen, was der aktuelle Zustand des Weltcomputers ist. Es geht um die entscheidende Frage, welche Programme in welcher Reihenfolge in diesem dezentralen Computernetz ausgeführt werden.

Ethereum-Vordenker Vitalik Buterin erwägt zusammen mit Entwickler Vlad Zamfir zumindest einen teilweisen Wechsel beim Konsens-Mechanismus vom sogenannten Proof-of-Work zum effizienteren Proof-of-Stake. Die unliebsame Folge wäre, dass bisherige Serverfarmen nicht mehr gleich rentabel betrieben werden könnten. Ob der Wechsel auf Proof-of-Stake allerdings überhaupt gelingt, ist noch ungewiss.

So oder so dürfte die Mine und auch der Mining-Pool Alpereum weiter online bleiben. Die Betreiber rüsten auf jeden Fall ihre Bitcoin-Computer auf die nächste Generation auf. Damit soll alles bereit sein für das sogenannte Halving vom Juni. Zu diesem Zeitpunkt wird die Entschädigung für das Sichern des Bitcoin-Netzwerks halbiert. Das geschieht alle vier Jahre automatisch. Wer nach einem Halving nicht über die neuste, leistungsfähige Hardware verfügt, dürfte mit dem Mining Verluste einfahren. Offenbar sorgt man in Linthal vor.

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