Phasenweise war es überschwänglich. Wie keine zweite Blockchain-Firma war Melonport in den letzten zwei Jahren in der Schweiz gefeiert worden. Podien hier, Awards da: Mitgründerin Mona El Isa trat im Monatsrhythmus auf Schweizer Bühnen auf. Melonport – das war ein Vorzeige-Startup.

­Eines, das in der so schwer fassbaren Blockchain-Welt mit echten Angestellten tatsächlich etwas erschuf: Eine Plattform für Fondsmanager. Damit diese günstiger und einfacher als heute einen eigenen Fonds aufsetzen können.

In diesen Tagen wird das Startup aus dem Crypto Valley in Zug aufgelöst. Das bestätigt Firmenchefin El Isa: «Melonport ist in Liquidation. Die entsprechenden ­Papiere sind abgeschickt.» In der Branche hat der Vorgang am einen oder andern Ort für Erstaunen gesorgt. Er passt so gar nicht zur Vorstellung eines erfolgreichen Start­ups, das vor zwei Jahren von Investoren 3 Millionen Franken eingesammelt hat.

Melon ist live

Doch hinter der Liquidation steckt kein Schiffbruch. Im Gegenteil. Letzte Woche ging die erste Version der neuen Fonds-Plattform Melon live, die Melonport entwickelt hat. Zur Auflösung der Firma erklärt die Gründerin: «Wir lösen schlicht unser Versprechen ein und geben die Kontrolle über das ab, was wir geschaffen haben.»

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Was sie damit anspricht, ist so etwas wie das Credo so mancher Blockchain-Projekte: Etwas erschaffen, das am Ende nicht mehr von einer Zentrale gesteuert wird, sondern von zahlreichen Stake­holdern gleichzeitig.

An die Stelle von ­Melonport tritt nun als Führungsorgan ein global zusammengestelltes Gremium aus Sachverständigen und künftigen Nutzern des Protokolls. Damit soll das Produkt robuster werden und zu besseren Resultaten für die Nutzer führen.

Das Ziel sind günstigere Fonds

Das Produkt im Fall von Melonport ist eine Software. Sie erlaubt künftigen Asset Managern überall auf der Welt mit wenigen Klicks einen Fonds fürs globale Publikum zu eröffnen. Das Spezielle an der Software ist die Transparenz für die Anleger.

Der Code ist open source und somit öffentlich, und die Transaktionen sind auf der Blockchain einsehbar. Zudem legt der Fondsmanager am Anfang verbindlich fest, innerhalb welcher Grenzen er die Gelder zu investieren gedenkt.

Die Blockchain-Technologie garantiert, dass diese Vorgaben später nicht einseitig geändert werden können. Das alles führt zu klaren Aufträgen, automatisierter Abwicklung und unmittelbarem Audit, was die Kosten für Portfoliomanager und Kunde gleichermassen senken soll.

Diese Software, eigentlich ein Pro­tokoll, muss in den nächsten Jahren weiterent­wickelt werden. «Das ist eine Zehn-Jahres-Reise», sagt El Isa. Aber darüber entscheiden wird nicht mehr Melonport, sondern eben der Rat. Aktuell sind acht Leute in diesem sogenannten Melon Council. Aus dem bisherigen Melonport-Team ist mit Jenna Zenk nur eine Person dabei.

Vorsicht mit Millionenbeträgen

Dieses Gremium befindet über neue Mitglieder, stimmt über Software-Upgrades ab und entscheidet, wer die Weiterentwicklung des Protokolls übernehmen soll. Gute Chancen für diesen Job hat natürlich die bisherige Crew von Melonport. Sie kennt die Software am besten, und noch gibt es keine Konkurrenz.

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Aber das dürfte sich irgendwann ändern. «Wenn der Council mit uns unzufrieden ist, ­werden sie uns den Auftrag zur Weiter­entwicklung des Protokolls nicht mehr geben. So einfach ist das», sagt El Isa.

Wie andere Blockchain-Anwendungen, die zurzeit im Finanzbereich live ­gehen, ist auch Melon noch nicht wirklich massentauglich. Die Infrastruktur ist nicht fertiggebaut, es fehlt an Erfahrungen. Deshalb sagt El Isa: «Die Technologie ist noch jung und muss sich erst beweisen. Niemand sollte schon heute einen Multi-Millionen-Dollar-Fonds auf unserer Plattform lancieren.»

Natürlich bewegt sich das Mana­gement von Fonds rechtlich nicht im luftleeren Raum. Praktisch kann zwar jeder irgendwo auf der Welt innerhalb von ­Minuten einen Melon-Fonds aufsetzen und Gelder von Anlegern einsammeln, aber theoretisch gilt es in vielen Ländern spezifische Vorschriften zu beachten.

Nächstes Blockchain-Startup

Hier setzt El Isa mit einem neuen Start­up an. «Mit Madeeba gründen wir eine neue Firma, die eine App bauen wird, die auf dem Protokoll aufbaut. Sie wird das Fondsmanagement deutlich ver­­einfa­chen», erklärt sie. Die App wird sich eben auch um das Regulatorische kümmern und den Nutzer entsprechend anleiten.

Zum Start ist das Anlage-Universum für angehende Fondsmanager und Investoren beschränkt. Aktien, Rohstoffkontrakte und klassische Anlagen sind noch kaum tokenisiert. Und so stehen für einen Melon-Fonds aktuell vor allem klassische Kryptowährungen wie Ether oder die Token von Blockchain-Projekten zur Auswahl.

Bis sich Melon innerhalb der Krypto­welt etabliert, dürften Jahre vergehen. Und bis das klassische Asset Management substanzielle Beträge über ein Protokoll wie Melon abwickelt, dauert es womöglich mehr als eine Dekade.

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Ein Spaziergang ist das für niemanden. Auch nicht für Startups, die es für kurze Zeit ins Rampenlicht schaffen. Oder wie El Isa sagt: «Die letzten zwei Jahre waren je nach Woche Himmel und Hölle zugleich.»