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Digital Switzerland
So entscheiden Robo-Advisor über Ihr Geld

 

Digitale Vermögensverwalter stehen vor dem Durchbruch, in der Schweiz verbessern sich die Bedingungen für derartige Vorhaben. Eine Studie zeigt, wie Robo-Adivsor dem Anleger nützlich sind.

Kommentar  
Von Karen Merkel
am 01.12.2016

Digitalen Vermögensverwaltern wird eine glänzende Zukunft vorausgesagt. Lange war das Angebot in diesem Bereich begrenzt, das ändert sich. Den ersten Robo-Advisor in der Schweiz brachte 2013 True Wealth an den Markt, zu den Schöpfern zählt Digitec-Gründer Oliver Herren. Dieses Jahr debütierte unter anderem Decartes-Finance in Zug und mit dem niederländischen Dienst Pritle erreichte der erste ausländische Robo-Advisor den Schweizer Markt.

Eine der jüngsten Initiativen lancierten Ex-Banker der Credit Suisse: Der frühere Marketingchef Bastian Lossen tat sich mit Giles Keating zusammen, der mehr als 30 Jahre lang das CS-Research leitete. Gemeinsam mit dem früheren Hypovereinsbanker Felix Röscheisen gründeten sie den Robo-Advisor Werthstein. Das digitale Tool mit dem noblen Namen startet zunächst in Deutschland und soll später auch in der Schweiz etabliert werden.

Geringe Gebühren dank digitaler Vielfalt

Für Kunden hat diese digitale Vielfalt Vorteile, denn die Gebühren sind bei Robo-Advisorn im Schnitt deutlich niedriger. Bei einer Anlagesumme von 250'000 Franken zahlen Kunden laut einer aktuellen Untersuchung von Moneyland bei einem klassischen Vermögensverwalter bis zu 2 Prozent, also 5000 Franken. True Wealth dagegen berechnet unabhängig von der Zusammensetzung des Portfolios 0,5 Prozent der Anlagesumme. Im internationalen Bereich sind die Gebühren teils noch deutlich niedriger.

Mit den günstigeren Gebühren wird die Vermögensverwaltung demokratisiert, sagt Salome Preiswerk, Co-Gründerin des Robo-Advisors Whitebox, gegenüber dem Fachportal «Brokervergleich». «Leistungen, die vorher nur sehr wohlhabenden und institutionellen Kunden vorbehalten waren, sind jetzt für alle zugänglich.» Kunden können mit Hilfe der automatisierten Kalkulation bereits Summen ab 10'000 Franken verwalten lassen.

Auch Robo-Advisor müssen ihr Geld Wert sein

Allerdings weisen Branchenexperten darauf hin, dass sich auch die geringeren Gebühren für den Kunden rentieren müssen. Letzten Endes sind auch die Kosten für einen Robo-Advisor nur legitim, wenn der Kunde ihre Leistung nicht selbst erbringen kann. Niklas Vogt vom Vergleichsportal robo-adviser.de hat deutsche und Schweizer Robo-Adviser unter die Lupe genommen und stellt fest: «Für mich macht ein Robo-Advisor nur Sinne, wenn er aktiv umschichtet, das kann ein kleiner Privatanleger nämlich nicht leisten.»

Die Portfolios von digitalen Vermögensverwaltungen bestehen im Normalfall aus ETFs, bilden also diverse Aktienindizes ab und entwickeln sich parallel zu diesen. Ein Grossteil der Robo-Advisor verfährt in vier Schritten: Sie erfragen Risikoneigung und Anlagedauer der Anleger. Auf dieser Grundlage bilden sie ein Portfolio mit verschiedenen ETFs. Je länger die Anlagedauer und je höher die Risikobereitschaft, desto höher wird der Anteil an Aktien gestuft. Nach diesem Schema wird eingekauft, einmal jährlich wird die Zusammensetzung neu tariert.

«Aktive Robo-Advisor werden sich durchsetzen»

Aktive Robo-Advisor wie True Wealth  und Decartes-Finance gehen aber darüber hinaus: Sie können jederzeit auf die Marktlage reagieren und das Portfolio anpassen. Nur Robo-Advisor dieser Art böten dem Anleger einen wahren Zusatznutzen, sagt Vogt. «Ein normales ETF-Portfolio kann jeder Privatanleger selbst zusammenstellen.» Er geht davon aus, dass in den kommenden Jahren der Wettbewerb entscheiden wird. «Der Markt wird sich bereinigen und vor allem aktive Robo-Advisor werden sich durchsetzen.»

Für Robo-Advisor besteht ausserdem die Herausforderung, dass sie sich in einem kapitalintensiven Geschäft beim Anleger bewähren müssen. Hier fällt auch ins Gewicht, dass sie auf ein breites Publikum zielen. Vom privaten Kleinanleger in Masse wahrgenommen zu werden, das wird allerdings schnell teuer.

Fintechs orientieren sich weg vom Endkunden

Darum verlagern sich viele Schweizer Fintechs auf die Banken als Kunden. «Bei der ersten Gründungswelle verfolgten viele Schweizer Fintechs die Idee, sich an Endkonsumenten zu wenden. Dann haben sie realisiert, dass das ohne erheblichen Marketingaufwand nicht funktioniert», sagte Fintech-Experte Christian König kürzlich im Interview mit handelszeitung.ch. «Jetzt setzen Fintechs in der Schweiz zunehmend auf Business-to-Business-Modelle – zielen also eher auf Banken und nicht Konsumenten als Kunden ab.»

Diese Entwicklung zeichnet sich auch in der digitalen Vermögensverwaltung ab, viele von ihnen gehen Kooperationen mit Banken ein. So haben die 7000 Kundenberater der UBS in den USA den Robo-Advisor SigFig zur Seite gestellt bekommen. Die UBS hat im Zuge der Kooperation Geld gegeben, dafür soll SigFig digitale Dienstleistungen für UBS-Kunden entwickeln.  Auch die Postfinance hat einen digitalen Partner an Bord geholt: In Zusammenarbeit mit der grössten Schweizer Online-Bank Swissquote, die auf ein harziges Jahr zurückblickt, ermöglicht die Postfinance  seit Mai rund 60'000 Kunden vereinfachtes, digitales Trading.

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