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Freie Sicht
Die doppelte Strom-Moral

Energieintensiver Betrief auf Subventionsjagd: Arbeiter bei Stahl Gerlafingen.Keystone

Viele Befürworter der Energiestrategie 2050 aus der Wirtschaft haben dubiose Motive.

Kommentar  
Von Urs Paul Engeler
am 03.05.2017

Für das Büro­kratiemonster «Energiestra­tegie 2050», das die meisten Ziele der ­abgelehnten Initiative «Grüne Wirtschaft» verfolgt, wirbt auch ein sogenanntes Wirtschaftskomitee. Als «sogenannt» darf die Gruppe bezeichnet werden, weil sich erstens darin in grosser Zahl Politiker und Verbandsfunktionäre tummeln und weil zweitens die Motive der tatsächlich Wirtschaftenden zweifelhaft sind.

Diese Kritik gilt nicht einmal den vielen bäuerlichen und gewerblichen Subven­tionsjägern, die sich aus dem Topf der erhöhten Energieabgaben bedienen wollen. Gemeint sind Unternehmer, die erstens politisch gefragtes Grünzeug daherreden, zweitens selbst massenhaft Energie verbrauchen, und sich drittens den Grosskonsum noch verbilligen lassen.

Zum Beispiel Daniel Aebli, Chef von Stahl Gerlafingen (vormals von Roll): Er wirbt für eine Reduktion des Energie­verbrauchs und für höhere Abgaben, weil «energieintensive Betriebe weiter ent­lastet werden». Was heisst das? Das Stahlwerk, das kürzlich die Lehrlings­abteilung liquidiert hat, kauft nicht nur den Strom auf dem internationalen freien Markt für rund 2 Rappen pro Kilowattstunde ein (Private zahlen fünf- bis sechsmal mehr), sondern lässt sich als «energieintensiv» den dauernd erhöhten Netzzuschlag vom Bund zurückerstatten. Eine «Dreckstromabgabe», sagte er einmal, würde nämlich das Werk lahmlegen. Wer nicht zahlen muss, plädiert billig für höhere Preise – und lässt die dreckige Stromfresserei in der linken WoZ überdies als «feinste grüne Wirtschaft» feiern.

Zum Beispiel Marc Lüdi, Geschäfts­führer von Sager in Dürrenäsch AG: Er tritt als Ja-Sager auf zur teuren staat­lichen Energielenkung, weil mit seinen Sager-Dämmstoffen «unsere Ressourcen» ­geschont würden. Merkwürdig nur, dass die ökologisch angeblich so segens­reiche Sager sich selbst als «energie­intensiv» bezeichnet und sich so, wie alle anderen Grossverbraucher, den Netzzuschlag, der auf 2,3 Rappen pro ­Kilowattstunde erhöht werden soll, ­zurückzahlen lässt.

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