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Geldberatung
Geldberatung: Soll ich jetzt Euro kaufen?

 

Der Euro gilt schon seit geraumer Zeit als unterbewertet. Der Brexit hat den Druck auf die Währung noch weiter erhöht. Sollen Anleger nun Euro kaufen?

Kommentar  
Von Florian Schubiger
am 01.07.2016

Experten beantworten Ihre Fragen

Im Bereich Invest bekommen Sie regelmässig Informationen rund um Anlagethemen. Doch oft stellen sich konkrete Fragen aufgrund der individuellen Vermögenssituation, die im Rahmen der normalen redaktionellen Berichterstattung nicht erschöpfend beantwortet werden können. Etwa bei Immobilien- und Steuerfragen gibt es immer wieder kantonale Unterschiede, die ins Gewicht fallen.

Deshalb stellen wir unseren Abonnentinnen und Abonnenten ab sofort einen neuen Service zur Verfügung und werden Ihre Fragen rund um die Vermögensanlage inklusive Immobilien und steuerlichen Aspekten von einem Expertenteam in kurzer Frist beantworten – konkret, produkteunabhängig, diskret und kompetent.

Weitere Informationen zur Geldberatung gibt es unter www.handelszeitung.ch/geldberatung.

Eine Auswahl der Fragen inklusive der entsprechenden Antworten stellen wir Ihnen wöchentlich vor.

Frage: Ich hätte eine Frage zum aktuellen Thema Brexit. Ich überlege mir, ob ich Euro kaufen soll. Halten Sie den Zeitpunkt für günstig?

Antwort: Der Devisenmarkt ist einer der effizientesten Märkte überhaupt. Alle öffentlich zugänglichen Informationen werden bei der Kursbildung sofort berücksichtigt. Kommt hinzu, dass Notenbanken ohne Vorankündigung in den Devisenmarkt eingreifen. Ein Beispiel dafür waren Einführung und Auflösung des Mindestkurses gegenüber dem Euro der SNB. Aus diesem Grund ist es kaum möglich, eine Prognose zu einer Währung abzugeben. Nach dem Brexit dürfte die SNB am Devisenmarkt ebenfalls interveniert haben. Der Euro wäre ohne die SNB somit tendenziell günstiger.

Trotzdem kann man davon ausgehen, dass der Euro schon seit einiger Zeit unterbewertet ist. Die Psychologie spricht heute aber gegen den Euro. Trotzdem gleichen sich falsche Bewertungen bei Währungen langfristig aus. Langfristig kann es aber natürlich auch sein, dass sich die Ausgangslage beim Euro ändert beziehungsweise weiter verschlechtert und dass ein tieferer Kurs dann plötzlich auch volkswirtschaftlich gerechtfertigt ist. Kurzfristig kann der Kurs des Euro daher nicht prognostiziert werden.

Risiko bei Geldanlagen reduzieren

Kehrt die Sicherheit bezüglich des Euro irgendwann zurück, wird er wahrscheinlich deutlich steigen. Zurzeit herrscht aber eine grosse Unsicherheit, die sich in den starken Schwankungen widerspiegelt. Je nach Ausgangslage ist es daher ratsam, einen Teil der Euros zu wechseln und damit das Risiko bei Ihren Geldanlagen zu reduzieren. Ein gestaffelter Wechsel ist bei grösseren Beträgen ratsam. Der Entscheid hängt natürlich auch mit Ihrer Gesamtvermögenssituation zusammen.

Zudem stellt sich die Frage, ob Sie die Euro irgendwann benötigen oder ob es sich um eine reine Geldanlage handelt. Fragen Sie bei Ihrer Bank nach dem Kurs. Bei grösseren Beträgen kann der sogenannte Spread (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) teilweise verhandelt werden. Die Gebühren beim Devisenwechsel sind für Privatanleger immer noch sehr hoch.

In Ihrer Situation ist es allenfalls empfehlenswert, sich umfassenden Rat zu holen. Achten Sie darauf, dass Ihr Berater Sie wirklich berät und nicht Produkte verkauft, die ihm hohe Provisionen versprechen. Es kann sich lohnen, sich von einem Honorarberater beraten zu lassen. Der verrechnet seinen Stundenaufwand und kann Sie so neutral beraten.

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