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Startup
Technik gegen Blasenleiden

Gerd Ries, Corinna Hengsberger, Irmgard Scheidel, Jean-Jacques Becciolini

Das Startup Tecuro aus Luzern hat ein Produkt entwickelt, das Blasenentzündungen verhindern soll. Ungewöhnlich für die Startup-Szene: Alle Gründungsmitglieder sind älter als 50.

Kommentar  
Von Sira Huwiler
am 22.06.2016

Die Business-Idee

Tecuro ist eine Technologie- und Produktentwicklungsfirma aus Luzern. Vier Ü50-Gründer haben das erste Vlies entwickelt, das weiblichen Harnwegsinfektionen vorbeugen soll. «Unsere Medtech-Lösung ist revolutionär», sagt CEO und Diplom-­Ingenieur (ETH) Jean-Jacques Becciolini. «Unser Pad ist die erste externe und präventive Therapie.» Das weiche U-Med-Vlies setzt, mit natürlichem Wirkstoff versetzt, nicht erst an, wenn die Blasenentzündung schon da ist. Es soll der Hauptursache vorbeugen: Als klebendes feuchtes, ovales Pad auf der Slipeinlage verhindert es, dass Bakterien aus dem Darm in die Harnröhre eindringen und Entzündungen verursachen. «In einer Welt, in der Antibiotika-­Resistenz ein ernstzunehmendes Problem ist, setzen wir auf Prävention, damit es gar nicht erst zur Infektion kommt.»

Die Gründer

Becciolini hatte 2004 bereits Swiss Medical Solution (SMS) gegründet und sich mit Urologie beschäftigt. Nach dem Verkauf der SMS untersuchte er 2010 die Ursachen von Harnwegsinfektionen – und kam so auf die neue Geschäftsidee. Der ­Tecuro-CEO holte sich mit Technology-­Officer Corinna Hengsberger, Marketing-Officer Irmgard Scheidel und Medical-­Officer Gerd Ries drei echte Profis aus dem Damenhygiene-Sektor mit ins Boot. Alle haben Erfahrungen und Kontakte bei Gesundheitsweltkonzernen wie Johnson & Johnson gesammelt. Nach Monaten der Produktentwicklung entstand das patentgeschützte U-Med-Pad. «Als Ergänzung zur Slipeinlage ist es für die tägliche Anwendung gedacht», erklärt Hengsberger, die die Entwicklung leitet. 14 Pads pro Packung sollen für eine Woche reichen. Der Verkaufspreis liegt bei etwa 1 Franken pro Pad. Die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen, zurzeit steht eine klinische Studie an.

Der Markt

«Harnwegsinfektionen sind nach Entzündungen der Atemwege die häufigsten bakteriellen Infektionen», sagt Becciolini. «Deshalb hat unser Produkt weltweites ­Potenzial.» Alleine in Europa und Nordamerika leiden rund 46 Millionen Frauen jährlich an einer Blasenentzündung – viele davon auch mehrmals. Und Studien zeigen: Harnwegsinfektionen machen rund 11 Prozent der Fehlzeiten von Frauen im Beruf aus. «Die starken Schmerzen und die ständige Ausschau nach einer Toilette belasten auch die Psyche der Betroffenen enorm», sagt Becciolini.  

Das Kapital

2013 wurde Tecuro gegründet. Bisher haben 38 Investoren insgesamt 2 Millionen Franken in das Startup gesteckt. «Wir sind zufrieden», sagt Becciolini. «Wir bekommen aus Fachkreisen nur Zustimmung.» Derzeit sucht das Team nach weiteren Investoren. Die erhofften 300 000 bis 400 000 Franken bis Ende des Jahres sollen der ­Suche nach Industriepartnern dienen, die das Produkt international bekannt machen. Tecuro hatte im Businessplan von Beginn an kein eigenes Labor und keine ­eigene Produktion vorgesehen. Sie bauen auf externe Expertise: «So erweitern wir ­unser Know-how, bleiben flexibel und sparen enorme Kosten.» Ein Industriepartner ist die Voraussetzung für Gewinn.

Die Chance

«Wir rechnen nach sieben Jahren auf dem Markt, bei einer Marktdurchdringung von 10 Prozent, alleine in Europa und den USA mit einem jährlichen Umsatzpotenzial von 400 Millionen Euro», sagt Becciolini. «Unsere Technologie ist weltweit einmalig und bisher konkurrenzlos – das macht uns zuversichtlich.» Und die Gründer haben auch schon weitere Technologien in der Pipeline: «Diese gilt es in einem späteren Schritt zu vermarkten.» «Unsere Medtech-Lösung ist revolutionär. Es ist die erste externe und präventive Therapie.»
 

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