Immer wieder muss es Alex Friedman ­erklären: warum er seinen Fondsmanager Tim Haywood entliess und Fonds in Milliardenhöhe schliesst. Haywood habe es versäumt, bei ­einigen Investitionen eine ausreichende Due Diligence durchzuführen und Dokumente nachzuliefern. Auch habe er seinen persönlichen E-Mail-Account für die Arbeit benutzt. Anderseits liess GAM verlauten, man zweifle nicht an der Ehrlichkeit von Haywood.

Ja, was denn nun? In der englischen Presse kamen gleich mehrere Analysten zum Schluss, GAM habe überreagiert. Oder steckt doch mehr dahinter?

Unsicherheit ist Gift für den Aktienmarkt – der Kurs ist seit Ende Juli um ein Viertel ­gefallen. Auch weil die Fondsschliessungen heftige Folgen für die Einnahmen haben werden – rund 45 Millionen fallen weg.

Reihe von Pannen

Das Debakel kommt zu einem Zeitpunkt, da die Kritik an CEO Alex Friedman generell zugenommen hat. So überraschte GAM im Juli mit einer Wertberichtigung von 59 Millionen Franken bei der erst vor zwei Jahren gekauften Tochter Cantab – die Ertragsziele konnten nicht erreicht werden.

Tim Haywood

Tim Haywood: Der Fondsmanager soll gegen interne Vorschriften verstossen haben.

Quelle: ZVG

«Wie viele Fehler in Folge darf sich ein CEO eigentlich erlauben?», fragt Hedge-Fund-Manager Rudolf Bohli, der als GAM-Aktionär vor zwei Jahren Änderungen im Verwaltungsrat durchsetzen wollte. Kritikpunkt war auch das Vergütungssystem. So hatte Friedman seinen Lohn um 20 Prozent auf 6,1 Millionen aufstocken lassen, obwohl die Ergebnisse rückläufig waren. Der Druck an der Generalversammlung führte 2017 dazu, dass GAM das Vergütungskonzept änderte.

Friedmann gilt als angeschossen

Die Frage ist, wie lange die gros­sen Investoren Friedman weiter die Stange halten. Ein Viertel der Aktien ist im Besitz von drei grossen institutionellen Investoren, wobei die englische Silchester mit 15 Prozent der grösste ist.

Ein GAM-Mitarbeiter im Hauptsitz im Zürcher Prime Tower.

Ein GAM-Mitarbeiter im Hauptsitz im Zürcher Prime Tower.

Quelle: Keystone

Silchester gilt als Old-School-Value-Investor, als bedächtiger Aktionär mit langfristigem Horizont. Dem dürfte die friedmansche Hektik kaum passen. «No comment», heisst es auf Anfrage. Wegen des Kurssturzes ist GAM zum Spe­kulationsobjekt verkommen, steigt doch die Gefahr einer feindlichen Übernahme.

In Londoner Finanzkreisen gilt Friedman als arg angeschossen, ja als «Dead Man Walking». Laut GAM haben Gespräche mit den grössten Investoren stattgefunden, zu Ergebnissen wird keine Stellung bezogen. Noch hat sich auch der VR zurückgehalten. Im jüngsten Communiqué beeilte sich Friedman zu betonen, dass sich «der gesamte VR und die Geschäftsleitung einig» bei der Suspendierung Haywoods gewesen seien. Die Frage von BILANZ über seine berufliche Zukunft liess Friedman un­beantwortet.

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