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Bitcoin
Die Risiken und Nebenwirkungen des Bitcoin

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Der Kurs der Kryptowährung Bitcoin ähnelt einer Achterbahn. Quelle: Keystone

Experten sagen Bitcoin noch weit höhere Kurse voraus. Bei genauem Hinsehen zeigt sich aber: Die Grenzen sind nicht weit.

Von Georg Pröbstl
am 18.02.2018

Schon zwei Treffer ins Schwarze! Mit ihrer Einschätzung zu Bitcoin lag die Redaktion von stocksDIGITAL bereits zweimal goldrichtig. Mitte November hatten wir die Kryptowährung für risikofreudige Anleger zum Kauf empfohlen. Grund dafür war die angekündigte Einführung von Bitcoin-Futures an der US-Terminbörse im Dezember.

Tatsächlich ging es nach Empfehlung in nur vier Wochen von 7500 Dollar je Geldeinheit wie im Lift auf rund 20000 Dollar nach oben. Das war ein Plus von fast 200 Prozent in nur einem Monat! Dann allerdings rieten wir Mitte Dezember zum Ausstieg. Dieser Höhenflug der künstlichen Computerwährung war doch zu steil und wie die Erfahrung zeigt, kommt es nach solchen rasanten Zuwächsen nicht selten zum Absturz.

Die hohe Volatilität ist nichts für schwache Nerven

Und der kam! Schon  Ende 2017 hatte Bitcoin zum Allzeithoch zwei Wochen zuvor 20 Prozent verloren und im Januar stürzte die Währung ab, wie Ikarus bei seinem Flug in Richtung Sonne. Anfang Februar war die künstliche Währung schon unter das Niveau vom November gefallen, notiert derzeit aber wieder knapp unter 10000 Dollar. Die hohe Volatilität ist nichts für schwache Nerven.

Deshalb fragen sich jetzt nur risikofreudige Anleger: Kann man wieder einsteigen? Immerhin könnte der Sprung über die psychologische Marke schon kurzfristig einen neuen Schub auslösen und Ronnie Moas, Gründer und Direktor des Finanzhauses Standpoint Research und Bitcoin-Experte prognostiziert nach wie vor weit höhere Kurse.

Viele Spekulanten schwören auf die Kryptowährung

Vor einem Jahr hatte der Finanzexperte schon einen Höhenflug der Kryptowährung vorausgesagt und sein Ziel für dieses Jahr lag vor wenigen Wochen bei 28000 Dollar. Moas hält aber für die nächsten Monate weitere Anhebungen dieses Ziels für möglich. Aber das ist noch gar nichts. Denn noch Mitte Dezember nannte der Bitcoin-Analyst als späteres langfristiges Kursziel einen Wert von 300000 bis 400000 Dollar je Einheit.

Ist das möglich? Viele Spekulanten schwören auf die Kryptowährung, weil sie von weiter steigender Nachfrage ausgehen aber das bei begrenztem Angebot. Tatsächlich liegt die durch den zugrundeliegenden Algorithums bedingte Obergrenze für das künstliche Geld bei 21 Millionen Stück. Diese Zahl an Bitcoins könnte etwa im Jahr 2100 erreicht sein. Die Schaffung neuer Bitcoins, das sogenannte Mining, wird aber mit zunehmender Zahl immer aufwendiger, die Anforderungen an die Computer steigen. Das zeigt die Entwicklung: Gab es bei unserer Empfehlung von Bitcoin im November etwa 16,7 Millionen Stück, so sind es derzeit mit 16,9 Millionen Einheiten nicht viel mehr.

Die Welt gerät aus den Fugen

Und im Zusammenhang mit dem Mining und den genannten Kurszielen treten Probleme auf, die an Moas-Kursperspektiven zweifeln lassen. Beim aktuellen Kurs von 9853 Dollar haben alle derzeit geschürften Bitcoins eine gesamte Marktkapitalisierung von 166,4 Milliarden Dollar. Bei einem Kurs von 300000 oder 400000 Dollar und der maximal erreichbaren Auflage von 21 Millionen Stück läge die Marktkapitalisierung dagegen bei unvorstellbaren 6300 bis 8400 Milliarden Dollar – also zwischen 6,3 und 8,4 Billionen Dollar! Das wäre in etwa das Zehnfache des jährlichen  Bruttoinlandsprodukts der Schweiz, das Doppelte des Bruttoinlandsprodukts von Deutschland oder fast die Hälfte der Wirtschaftsleistung der USA in einem Jahr!

Der Marktwert der Bitcoins wäre dann aber nicht nur relativ zur Wirtschaftsleistung der allermeisten Länder immens, sondern auch zum Börsenwert der Unternehmen. Denn die Marktkapitalisierung der 20 Mitglieder im SMI liegt aktuell bei rund 1200 Milliarden Dollar und die 30 Giganten im Dow Jones kommen auch nur auf einen Wert von 6500 Milliarden Dollar. Bitcoin hätte bei Erreichen von Moas-Zielen das gleiche Marktgewicht, wie alle Mitglieder im weltweiten Leitindex zusammen.

Der Energieverbrauch für Bitcoins ist enorm

Der Kryptowährung bläst jetzt aber ohnehin starker Wind ins Gesicht. Denn um weitere Bitcoins in Rechenzentren zu generieren ist Strom nötig und der Energieverbrauch dafür ist inzwischen schon enorm. So soll der Stromverbrauch der Bitcoin-Produzenten mit Sitz in Island in diesem Jahr schon höher sein, als der Stromverbrauch aller privaten Haushalte auf der Insel.

Aber nicht nur die Produktion weiterer Geldeinheiten ist kostspielig, auch die Transaktionen selbst gehen ins Geld und werden unter Umweltaspekten zunehmend kritisch betrachtet. So nennt Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglieder der Deutschen Bundesbank einen Energieverbrauch von 427 Kilowattstunden für die Abwicklung von nur einer Transaktion im Bitcoin-Netzwerk. Wie der Notenbanker sagt, ist das mehr, als der Stromverbrauch eines Vierköpfigen Privathaushalts im Monat und 515000 Mal so viel wie der Energieverbrauch einer normalen Überweisung einer Bank.

Der Handel soll transparenter werden

Scheint die künftige Entwicklung von Bitcoin damit schon von technischer Seite schwierig, so drängen inzwischen auch immer mehr Regierungen auf eine Regulierung des Krypto-Sektors. Und das kann den Kurs schlagartig in den Keller stürzen. So lastete im Januar die Androhung eines Verbots des Handels von Kryptowährungen in Südkorea auf dem Kurs. In dem Land wird Schätzungen zufolge rund ein Viertel des weltweiten Handels mit Kryptowährungen abgewickelt. Das Verbot scheint jetzt vorerst zwar vom Tisch zu sein, doch transparenter soll der Handel werden. Immerhin wird das Kryptogeld mit Themen wie Steuerhinterziehung und kriminellen Transaktionen in Verbindung gebracht. 

Bitcoin & Co sind ein heisses Ding. Würde Analyst Moas mit seinen Kursprognosen recht behalten, würde das den gesamten Finanzmarkt aus den Fugen heben. Risikofreudige und kurzfristig orientierte Anleger spekulieren dennoch auf einen schnellen Sprung der Kryptowährung über die 10000-Dollar-Hürde.

Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region ( DeutschlandÖsterreichSchweiz) spezialisiert. Performance des Musterdepots 1 Jahr: +26,1 Prozent (DAX: +12,7 Prozent), 3 Jahre: +71,5 Prozent (DAX: +22,4 Prozent). Seit Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +301,7 Prozent (Dax: +83,3 Prozent).

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