Neben liquiden Mitteln gelten Obligationen gemeinhin als sichere Anlagen. Als risikoarme Anlagestrategie gilt in der Regel immer noch: ein geringer Anteil an Aktien und ein hoher Obli-Anteil. Sowohl bei Pensionskassen wie auch bei Versicherungen gehen die gesetzlichen Anlagebestimmungen weiterhin von dieser Definition aus.

Besonders gesucht sind Anleihen von Staaten mit hoher Bonität wie Deutschland, den USA oder England und der Schweiz. Entsprechend tief sind dort die Renditen. Wie kürzlich am erwähnten Anlass in der Villa Tobler von den einstigen deutschen Notenbank-Koryphäen zu erfahren war, dürfte sich daran so rasch auch nichts ändern. Bruno Pfister, CEO von Swiss Life, erwartet ebenfalls keine baldige Trendwende. «Wir gehen davon aus, dass weitere fünf bis sieben Jahre lang Niedrigzinsen nötig sind», sagte er in einem Zeitungsinterview.

Wie Anleger mit hohen Beständen an Liquidität laufen somit auch diejenigen mit einem hohen Obligationen-Anteil Gefahr, durch die Teuerung einen schleichenden Vermögensverlust zu erleiden. Während etwa die Inflation in Deutschland auf 2,3 Prozent geklettert ist, liegt die Rendite deutscher Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit bloss bei 1,7 Prozent und bei jenen mit zwei Jahren Laufzeit nahe null. Die reale Rendite nach Teuerung fällt negativ aus. Ebenso in den USA und noch stärker in England, wo bei zehnjährigen Staatsbonds die reale Rendite inzwischen minus 1,3 Prozent erreicht.

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Je grösser somit der Anteil weitgehend renditeloser liquider Mittel und Anleihen ist, umso höher muss die Rendite auf den andern Anlagen ausfallen, damit das angesparte Vorsorgevermögen nur schon real erhalten wird. Die Portfoliomanager der Neuen Aargauer Bank haben errechnet, dass dazu nach Abzug der Kosten bei einer Inflation von 1,5 Prozent rund 3,2 Prozent Rendite erzielt werden müssen. Wirft somit die Hälfte des Vermögens keine Rendite ab, müssen auf der andern Hälfte 6,4 Prozent erzielt werden.

Vermögensverwalter Alex Hinder rät, die Anlageklassen breiter zu diversifizieren, um dieser Renditefalle zu entgehen. Bei vielen Anlegern spielt in der Bewirtschaftung ihres Vermögens noch immer die Wahl der einzelnen Aktie oder Obligation die wichtigste Rolle. Doch Hinder weiss: «Die Basis zum langfristigen Anlageerfolg wird in erster Linie mit der Strategie und der Vermögensaufteilung gelegt.» Neben Aktien können alternative Anlagen wie Edelmetalle und Immobilien zum realen Vermögenserhalt beitragen.

Eine solche Diversifikation lohnt sich, wie die Bank Pictet zeigt. Wurde seit 1990 nur in Aktien und Anleihen investiert, wie beim Index 93, so fiel die Performance weit schlechter aus als beim Index 2005, wo auch alternative Anlagen wie Immobilien oder Rohstoffe eingesetzt werden. Mit einem Aktienanteil von 25 statt 60 Prozent verlief die Wertentwicklung zudem leicht besser und viel stabiler.

Anleger kaufen sichere Staatsanleihen wie jene Englands – und nehmen damit real negative Renditen in Kauf: Buckingham Palace in London.

Tipp: Die richtige Vermögensaufteilung ist der grösste Erfolgsfaktor für die Vorsorge.