Es war ein aussergewöhnliches Jahr in vielerlei Hinsicht. Anleger konnten sich über Wertzuwächse freuen, die kaum jemand Anfang 2019 für möglich gehalten hätte.

Doch nach der Euphorie kommt die Ungewissheit. Wieviel Luft nach oben ist noch vorhanden bevor die Anlegerherde die Flucht ergreift? Eine vorschnelle Umschichtung in Cash könnte mehr schaden als nützen, denn bisher stehen die Zeichen noch nicht auf Rezession.

Im Gegenteil: Die geldpolitischen Lockerungsmassnahmen der Notenbanken bügelten die kürzliche Wachstumsdelle aus und legten den Grundstein für einen neuerlichen Aufschwung.

Automatisches Markt-Timing inklusive

Die Rally an den Aktienmärkten dürfte gemäss Meinung von Fisch Asset Management durchaus noch eine ganze Weile weitergehen. Anleger tun allerdings gut daran, sich auf häufigere und heftigere Stimmungsschwankungen und damit eine deutlich erhöhte Volatilität einzustellen.

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In diesem Szenario sind Wandelanleihen interessant. Als Mischung aus Aktien und Anleihen erfordert die Auseinandersetzung mit den Eigenheiten und Charakteristika ein wenig Zeit. Diese ist jedoch gut angelegt.

Plakativ könnte man Wandelanleihen mit einem Maultier vergleichen, denn die Mischung aus Pferd und Esel ist ebenso ein Hybrid, der die besten Eigenschaften zweier Welten vereint.

Volatilität wird abgefedert

So ist das Maultier kein scheues Fluchttier wie das Pferd. Auch Wandelanleihen sind im Vergleich mit Aktien deutlich weniger «schreckhaft», denn sie verlieren in Verlustphasen nur rund die Hälfte gegenüber Aktien.

Genauer gesagt konnten globale Wandelanleihen (gemessen am Thomson Reuters Global Vanilla CB Index) in den letzten 25 Jahren in Monaten negativer Performance den Rückgang auf 49 Prozent der Abwärtsentwicklung globaler Aktien (MSCI World) begrenzen.

Dies ist dem sogenannten «automatischen Markttiming» zu verdanken. Dabei werden Wandelanleihen (Wandler) im Laufe einer Verlustphase immer anleihenähnlicher, je weiter sie sich dem «Bondfloor» nähern, der dem Rückzahlungswert der Anleihe plus ausstehenden Zinszahlungen entspricht.

Asymmetrisches Kursverhalten

Im Aufwärtstrend verhält sich die Wandelanleihe entsprechend umgekehrt: sie wird aktienähnlicher, je weiter sie sich vom Bondfloor entfernt. So konnte der Index im gleichen 25-Jahreszeitraum im Schnitt jeweils 65 Prozent der Aktiengewinne verbuchen.

Dieses asymmetrische Kursverhalten erlaubt es Wandlern, von steigenden Aktienmärkten zu profitieren, Rückschläge abzufedern und eine höhere Stabilität im Vergleich zu reinen Aktienportfolios zu bieten. Diese «Trittsicherheit» – um beim Maultiervergleich zu bleiben – ist ihr Alleinstellungsmerkmal im Anlageuniversum.

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Die Asymmetrie schlägt sich erwartungsgemäss auch in einer deutlich niedrigeren Volatilität nieder. Über 25 Jahre wiesen Wandelanleihen Schwankungen in Höhe von 9.6 Prozent pro Jahr auf gegenüber 14.7 Prozent bei Aktien.

Rennen gegen Aktienanlagen

Der Preis für diese «Gutmütigkeit» von Wandelanleihen ist jedoch eben nicht in einer niedrigeren Performance zu suchen. Denn Wandelanleihen konnten in derselben Periode im Gegenteil sogar mit 7,2 Prozent gegen 7,0 Prozent pro Jahr Aktien leicht schlagen (per 31. Dezember 2019, jeweils in Dollar).

Es wäre jedoch zu kurz gegriffen, Wandelanleihen nur als sinnvolle Ergänzung oder Ersatz für Aktienanlagen anzusehen. Im weiterhin anhaltenden Niedrigzinsumfeld sind gerade Anleiheninvestoren auf der Suche nach zusätzlichen Renditequellen.

Hier stellt die Anlageklasse eine interessante Möglichkeit dar, das klassische Anleihenportfolio zu ergänzen, denn es kommt ein weiterer Vorteil von Wandelanleihen zum Tragen: ihre geringe Anfälligkeit für steigende Zinsen trotz der Anleihenkomponente.

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Beimischung zum Anleihenportfolio im Niedrigzinsumfeld

Historische Analysen zeigen: in den zwölf Phasen steigender US-Staatsanleihenrenditen seit 1998 verzeichneten Wandler in jeder einzelnen Phase positive Renditen.

Denn zum einen reagieren sie nur geringfügig auf Zinsänderungen aufgrund der kürzeren Duration im Vergleich zu normalen Unternehmensanleihen, zum anderen gehen Phasen steigender Zinsen oftmals mit weiter ansteigenden Aktienkursen einher.  

Auf anspruchsvollem Terrain kommt es auf Besonnenheit und Trittsicherheit an – so wie das Maultier in anspruchsvollem Gelände überlegen bleibt, so punktet die Wandelanleihe in diesem Marktumfeld mit den gleichen Attributen.

Es lohnt sich somit die Welt der Hybriden anzuschauen, die das Beste aus zwei Welten verbinden.

 

*Stephanie Zwick ist bei Fisch Asset Management in Zürich tätig und leitet das Convertible Bond Team. Ausserdem verwaltet sie den FISCH Convertible Global Opportunistic Fund und weitere globale Wandelanleihen-Mandate.

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