Was ist nach dem Absturz der Aktienmärkte zu tun? Nachdem die Spi­täler Gefahr laufen, von Covid-19 überrannt zu werden, die meisten Unternehmen geschlossen sind und das Militär auch in der Schweiz mobilisiert wurde, ist es leicht, sich Anlageentscheidungen von der schieren Angst diktieren zu lassen.

Tun Sie das nicht. Erinnern Sie sich stattdessen an den berühmten Rat von Warren Buffett: «Sei ängstlich, wenn andere gierig sind. Und gierig, wenn andere ängstlich sind.»

Die Extremreaktionen von Unternehmen, Regierungen, überstaatlichen und Nichtregierungsorganisationen sowie von Schulen haben die wirtschaftlichen Aktivitäten in der Schweiz und anderswo zum Erliegen gebracht. Wenn dies lange anhält, wird es zu einer vermutlich ­heftigen Rezession kommen.

Eine positivere Zukunft

Für die Aktienmärkte sehe ich zwei mögliche Entwicklungen: Falls Covid-19 mit der normalen Grippesaison zurückgeht, vermutlich im Laufe des nächsten Monats, werden sich die Aktien zu neuen Höhen aufschwingen – schneller, als sich irgendjemand vorstellen kann.

Falls Covid-19 länger bleibt und die Unterbrechung anhält, werden wir eine Rezession bekommen und die Aktien erholen sich später. Egal, was passiert – der Rat von Buffett trifft zu.

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Kenneth Lawrence Fisher (born November 29, 1950)

Ken Fisher ist Investment Analyst in Kalifornien und Chairman von Fisher Investments Europe. 

Quelle: Jannis Chavakis/ 13Photo

Der untere Teil einer Baisse sieht aus wie ein V und die Aktien sind nach 6, 12 und 18 Monaten überraschend wieder höher. Vergessen Sie es, den Tiefpunkt bestimmen zu wollen. Blicken Sie jetzt lieber auf diese positivere Zukunft.

Heute konzentrieren sich die Schlagzeilen auf den Tribut, den die Krankheit fordert, und auf Aussagen von Gesundheitsorganisationen. Ich bin kein Arzt, aber nachdem ich Fachleute befragt habe, bin ich überzeugt, dass die Einschätzungen in den Schlagzeilen vermutlich übertrieben sind.

Wahrscheinlich wird Corona die Sterblichkeit der Älteren senken

Ein Grund: Bei den meisten Betroffenen sorgt ­Covid-19 lediglich für eine grippeartige Erkrankung. Überraschenderweise dürfte es für die am stärksten ­bedrohten Gruppen – Ältere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem – die Gesamtsterblichkeit verringern. Warum?

Wegen eines Phänomens namens Peltzman-­Effekt. Wenn Menschen ein Risiko wahrnehmen, treffen sie Vorsichtsmassnahmen und verringern damit auch ähnliche Risiken. Covid-19 stellt für ältere und ­immungeschwächte Personen ein lebensbedrohliches Risiko dar.

Das, was sie zur Begrenzung des Covid-19-­Risikos unternehmen, wird die Todesfälle durch ähnlich übertragene Krankheiten wie Grippe und Lungenentzündung, aufgrund deren sehr viel mehr Menschen sterben, reduzieren.

Der Peltzman-Effekt wird in Modellen kaum erfasst. In der Schweiz gibt es Tausende Covid-19-Fälle und ­einige hundert Tote. Das ist tragisch. Im Jahr 2017 starben jedoch über 4600 Schweizerinnen und Schweizer an Atemwegsinfektionen, meist an Grippe und an nicht mit Grippe zusammenhängender Lungenentzündung.

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Die Bemühungen zur Verlangsamung von Covid-19 werden dazu beitragen, das zu minimieren – ein unterschätzter Silberstreifen. Bei einer Sterbequote bei Covid-19, die in der westlichen Welt schliesslich unter 1 Prozent liegen dürfte, bedeutet das insgesamt weniger Tote.

Heimliche Übertragungen sind verantwortlich

Der menschliche Tribut, wenn auch tragisch, bedroht die Aktienmärkte nicht. Ihr oberstes Risiko: Störungen durch die Reaktion der Gesellschaft. Würden diese Massnahmen erheblich helfen, wären die wirtschaftlichen Kosten ein günstiger Preis dafür.

Es scheint jedoch zu viel «Community-Verbreitung» zu geben, um Covid-19 überhaupt einzudämmen. Jüngste Forschungen zeigen den grossen Einfluss symptomfreier Überträger bei normalen und notwendigen Tätigkeiten, die Verbreitung in Büros, Lebensmittelgeschäften, Banken, an Orten, die wir immer noch täglich aufsuchen.

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Amerikanische Forscher machen solche «heimlichen» Übertragungen für den Grossteil der Ausbreitung verantwortlich.

Schulschliessungen hindern Eltern am Arbeiten

Eine ernsthafte Eindämmung ist damit unwahrscheinlich. Erzwungene Eindämmungsbemühungen ­haben enorme negative Auswirkungen, auf welche die Aktien heftig – und richtig – reagiert haben.

Bärenmärkte beginnen üblicherweise langsam, wenn den Anlegern nach und nach eine Rezession dämmert. Dieses Mal ­beschwor die gesellschaftliche Reaktion innerhalb von Tagen eine solche herauf und zwang die Märkte, die ­Rezession plötzlich einzupreisen.

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Die Stornierung von Reisen, Veranstaltungen und geschäftlichen Aktivitäten sät Panik mit einer starken Abwärtsbewegung. In den meisten Kategorien sinken die Ausgaben in umgekehrten Multi­plikatoreffekten. Schulschliessungen halten viele berufstätige Eltern vom Arbeiten ab.

Die nächsten Wochen sind ein Test für uns, aber eine rosigere Zukunft kommt. Verkehrterweise könnten diese Störungen Leben riskieren, für die sonst kein Risiko bestünde. Die Quarantäne bedeutet weniger einsatzbereite Feuerwehrleute, Polizisten und Menschen in der Gesundheitspflege.

Sie bedeutet auch die Schliessung von Schulen und von Kinderhorten, wenn einige der Angestellten mit den Kindern zu Hause bleiben müssen. Dadurch könnte bei alltäglichen Notfällen die Sterblichkeit zunehmen und unserem Reaktionssystem Stress aufbürden.

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Wir haben uns immer wieder erholt

Einige ­Spitäler verschieben bereits Operationen. Auch die Hauptziele der Bekämpfung von Covid-19 sind von diesen Parallelgefahren bedroht.

Nichts ist sicher, aber die Chancen stehen gut, dass Covid-19 parallel mit der Grippesaison abflaut. Der ­chinesische Epidemiologe Zhong Nanshan, der die ­Reaktion auf den Sars-Ausbruch von 2003 leitete, glaubt, dass dies der Fall sein wird.

Wenn es zutrifft und die ­Störungen des Geschäftslebens aufhören, werden die Aktienmärkte wieder steigen – sehr hoch und sehr schnell. Wenn das Virus und die Schliessungen anhalten, ist von einer Rezession auszugehen.

Sollte das geschehen, denken Sie daran: Auch wenn staatliche Reaktionen auf eine Krankheit noch nie eine Rezession und einen fallenden Markt ausgelöst haben, hatten wir schon viele tiefe Abschwünge. Wir haben uns immer wieder erholt.

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Das letzte Mal und jedes Mal davor. Die wirtschaftliche Erholung setzt schneller ein, als die meisten erwarten. Die Aktien steigen vorher und preisen das Wachstum ein, bevor es jemand sieht. Es mag in Einzelheiten Unterschiede geben, aber das Zitat von Buffett gilt.

Aktien bewegen sich weiter nach oben

Die nächsten Wochen sind ein Test für uns alle. Aber eine rosigere Zukunft ist nicht weit entfernt. Die Welt wird sich anpassen und gedeihen.

Auch wenn die Ur­sache für die Marktunterbrechung höchst ungewöhnlich ist, dürfte der Markt das tun, was er immer tut: die Wirtschaft führen und die bessere Zukunft vorhersehen, lange bevor es die Schlagzeilen tun.

Von Ausnahmen ­abgesehen, bewegen sich die Aktien weiter und nach oben, bevor die Wirtschaftsdaten eine Rezession bestätigen.

Diese Panik begann ohne Vorwarnung. Sie wird vermutlich ebenso enden und ein tiefes V bilden. Ja, es ist eine besorgniserregende Zeit. Das heisst, es ist an der Zeit, gierig zu sein.

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