Kürzlich hatte ich eine Diskussion mit einem Bekannten über das Wohnen im Alter. «Altersheime sind ein Auslaufmodell», meinte er, «da müsste es doch etwas anderes geben: Generationenwohnen, Hausgemeinschaften oder Alters-WGs.»

Er hat recht, es braucht weitere Wohnangebote, die ein gutes Älterwerden erleichtern. Aber die von ihm genannten Wohn- und Lebensformen wie Alters-WGs richten sich in erster Linie an selbstständige und mobile Menschen. Personen in einer fragilen Lebensphase finden dort nur begrenzt Unterstützung.

Zwar können solche Wohnformen dazu beitragen, den Heimeintritt zu verzögern, doch wenn chronische Krankheiten eine längerfristige Pflege und Betreuung erfordern, ist das private Umfeld oft überfordert. Kommt dazu, dass psychisch auffällige, kranke und finanziell schwache Personen von solchen Wohnangeboten nur selten profitieren.

Keine persönliche Entscheidung

Ein Platz in einem Heim kann für alle Beteiligten eine Erleichterung darstellen, insbesondere wenn die Institution zum Lebensstil der betroffenen Person passt und wenn sie dort vertraute Menschen vorfindet. Doch was viele nicht wissen: In den wenigsten Kantonen ist der Heimeintritt eine rein persönliche Entscheidung.

Voraussetzungen für einen Heimeintritt sind eine genügend hohe Pflegestufe oder andere Faktoren, die das selbstständige Wohnen verunmöglichen. Als einzige Wohnform, die substanziell von den Ergänzungsleistungen (EL) finanziert wird, müssen oft auch ressourcenschwache Personen ins Heim ziehen, um Unterstützung zu erhalten.

Antonia Jann

Anonia Jann ist Geschäftsführerin der Age-Stiftung, die innovative Projekte zum Thema Wohnen und Älterwerden fördert.

Quelle: ZVG
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Eingebunden sein in eine Gemeinschaft

Während die Pflege (teilweise) durch die Krankenkasse abgegolten wird, sind die Leistungen für die Betreuung finanziell nicht geregelt. Mit der hängigen Motion für die Ausweitung der EL auf das betreute Wohnen soll sich dies in nächster Zeit ändern. Wenn das Leben zu Hause beschwerlich wird, kann der Einzug in eine Siedlung, wo keine baulichen Hindernisse vorhanden sind und wo fixe Ansprechpersonen zur Verfügung stehen, die Situation verbessern.

Dieses Eingebundensein in eine Gemeinschaft ist nicht nur wohltuend und förderlich für die Gesundheit und das Selbstbild, sondern auch finanziell entlastend, weil dadurch informelle Hilfe zwischen den Nachbarn und freiwilliges Engagement ins System kommen.

Zu hoffen ist auch, dass sich die Angebote für das Wohnen zu Hause verbessern. Im vertrauten Wohnumfeld lebt die grosse Mehrheit der alten Menschen, und dort wird auch viel Hilfe von Angehörigen oder Nachbarn geleistet. Diese Situation der alten Menschen zu Hause und ihrer Angehörigen muss besser gestützt werden, damit die Akteure nicht überlastet werden. Es braucht eine systematische Information über vorhandene Angebote, es braucht Anreize für eine bessere Kooperation der professionellen Akteure, und es braucht auch neue zugehende Dienste, die zwar etwas kosten, die aber aus volkswirtschaftlicher Sicht dennoch sinnvoll sind.

Im bestehenden System rentieren Heime mit Pflegeplätzen am besten. Kein Wunder, denn dort bezahlen die verschiedenen Kostenträger – Privatpersonen, Krankenkassen und die öffentliche Hand – die vorgegebenen Tarife. Dass die öffentliche Hand die schwächsten der alten Menschen finanziell unterstützt, ist anständig und selbstverständlich. Dass diese Unterstützung aber nur im Heim erfolgt und nicht auch in anderen Wohnsituationen möglich ist, ist gerontologisch nicht sinnvoll.

Und dass immer mehr Heime von internationalen Finanzgesellschaften betrieben werden, die von dieser Situation profitieren und den Gewinn maximieren, erfüllt mich mit einer gewissen Besorgnis. Es ist also schon so, wie mein Kollege meinte: Wir sollten den Fokus nicht nur auf Heime richten.

«Dass immer mehr Heime von internationalen Finanzgesellschaften betrieben werden, erfüllt mich mit Besorgnis.»

Im bestehenden System rentieren Heime mit Pflegeplätzen am besten. Kein Wunder, denn dort bezahlen die verschiedenen Kostenträger – Privatpersonen, Krankenkassen und die öffentliche Hand – die vorgegebenen Tarife. Dass die öffentliche Hand die schwächsten der alten Menschen finanziell unterstützt, ist anständig und selbstverständlich. Dass diese Unterstützung aber nur im Heim erfolgt und nicht auch in anderen Wohnsituationen möglich ist, ist gerontologisch nicht sinnvoll.

Und dass immer mehr Heime von internationalen Finanzgesellschaften betrieben werden, die von dieser Situation profitieren und den Gewinn maximieren, erfüllt mich mit einer gewissen Besorgnis. Es ist also schon so, wie mein Kollege meinte: Wir sollten den Fokus nicht nur auf Heime richten.