Warren Buffett hat ohne Zweifel ein Händchen für die richtigen Börsenanlagen. «Ich wusste immer, dass ich reich würde. Ich glaube nicht, dass ich jemals ­eine Sekunde daran zweifelte», so Buffett. Seine ersten drei Aktien kaufte er mit elf Jahren. Heute ist er mit einem Vermögen von rund 50 Milliarden Dollar einer der reichsten Menschen der Welt. Neben den drei Aktien, die er 1941 für sich kaufte, erwarb er auch drei Titel derselben Firma für seine Schwester. Sie war damit die erste Trittbrettfahrerin, die von seinem Riecher profitierte. Wer frühzeitig auf Buffetts Börsenzug aufsprang, hat heute Millionen. Aus 10 000 Dollar machte er in den letzten 30 Jahren über 2,5 Millionen. Allein im letzten Jahrzehnt schaffte er es, sein Anlagekapital mehr als zu verdoppeln. Das ist umso eindrücklicher, als der S&P 500, der Index der 500 grössten US-Firmen, in derselben Zeit überhaupt keine Rendite einbrachte. Am einfachsten ist es, Buffetts Fährte zu folgen, indem Anleger Aktien seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway kaufen. Buffett ist aber schon über 80, und dass in absehbarer Zeit ein Nachfolger übernimmt, wird immer wahrscheinlicher. Ob dieser Berkshire Hathaway zu weiteren Höhenflügen zu inspirieren vermag, darf zumindest in Frage gestellt werden. Eine Analyse von Buffetts Portfolio und seiner Rezepte lohnt sich. Um die besten Anlageideen herauszufiltern, ist der Blick auf das fokussiert, was auch Privatanleger kaufen können. Die Güterbahnfirma BNSF Railway Company, in die Buffett über 30 Milliarden Dollar steckte, gehört nicht dazu, denn deren Aktien werden nicht an der Börse gehandelt. Zudem ist das Portfolio im Kontext von Buffetts Anlagestrategie zu analysieren. Er investiert mit einem sehr langfristigen Anlagehorizont in Unternehmen, die weniger kosten, als sie wert sind. Oft ist dies in Krisenzeiten der Fall, wenn fast niemand Lust auf Aktienkäufe hat. So kaufte er in der Baisse von 2000 bis 2003 viel zu, ebenso während der Finanzkrise. Um zu beurteilen, ob die Börsenkurse eher tief oder eher hoch sind, benutzt Buffett einen Indikator, den er als den einzigen für ihn wichtigen bezeichnet: Er setzt die Börsenkapitalisierung aller US-Firmen ins Verhältnis zum Bruttosozialprodukt (BSP) der USA (siehe «Leicht überbewertet» auf Seite 74). Wenn die Marktkapitalisierung bei weniger als 80 Prozent des BSP liegt, gelten Aktien als günstig. Bei Werten von über 90 Prozent sind sie eher teuer – was derzeit der Fall ist. Allerdings kann eine bereits hohe Bewertung auch noch viel höher klettern, wie die Hausse, die bis 2000 dauerte, zeigte. Obwohl die Kurse schon leicht überbewertet sind, findet Buffett noch Aktien, die weniger kosten, als sie wert sind. Um das ­beurteilen zu können, steigt er nur dort ein, wo er das Business versteht. Zudem sollte das Geschäftsfeld der Firma sehr gut positioniert sein – so gut, dass «auch ein absoluter Vollidiot sie leiten kann, denn eines Tages wird genau das passieren», so Buffett. Braunes Brausewasser verkaufen kann demnach auch «ein absoluter Vollidiot». Fast ein Viertel von Buffetts Aktiendepot steckt nämlich im Konsumgüterkonzern Coca-Cola. Schon seit Jahren ist er dort Aktionär, jüngst verdoppelte er sein Engagement sogar. Er kaufte 200  000 zusätzliche Titel zu einem Durchschnitts­preis von 56 Dollar – heute stehen sie rund zwölf Prozent höher. Einen Dollar für 50 Cent. Lohnt sich das Trittbrettfahren bei Coca-Cola nach dem Kursanstieg noch? Das hängt davon ab, wie gross die Differenz zwischen dem Wert und dem Kurs einer Aktie ist. Von Buffett ist dazu folgender Hinweis überliefert: «Die Frage, wie man reich wird, ist leicht zu beantworten. Kaufe einen Dollar, aber bezahle nicht mehr als 50 Cent dafür.» Wenn eine Firma also nach seinen Berechnungen doppelt so viel wert ist wie ihr Kurs, dann steigt der Grossinvestor sicher ein. Ist die Aktie von Coca-Cola wirklich 112 Dollar wert, das Doppelte seines Einstiegskurses? Dazu müsste der Wert des Limonadegiganten auf rund 300 Milliarden Dollar steigen, was rund ein Drittel mehr wäre, als Google wert ist, und etwa gleich viel wie Apple. Zur Sicherheit sollten Anleger mit einem Kurspotenzial von nicht mehr als 25 Prozent gegenüber Buffetts Einstiegskurs rechnen. Für Coca-Cola würde das bedeuten, dass immerhin noch mehr als zehn Prozent Gewinn drinliegen. Laut der 25-Prozent-Regel ist die zweitgrösste Position in Buffetts Portfolio schon ausgereizt: Bei der US-Bank Wells Fargo kaufte er sich 2006 ein und baute sein Engagement in der Folge aus bis auf eine Beteiligung von 8,5 Milliarden Dollar. In den letzten Monaten kaufte er für 670 Millionen zu, zu einem Durchschnitts­preis von 26 Dollar pro Aktie. Da die Titel derzeit bereits 23 Prozent höher bewertet sind, ist die Sicherheitsmarge schon fast aufgebraucht. Kommt hinzu, dass Buffett im zweiten Quartal 2010 damit begann, seine Anlagen im Sektor der Finanzwerte abzubauen, was ebenfalls gegen eine Trittbrettfahrt bei Wells Fargo spricht. Auf Sektorebene baute er 2010 sein ­Aktienengagement bei Industriewerten von 16 auf 3 Prozent massiv ab. Das muss aber nicht heissen, dass er den Sektor für überbewertet hält, sondern kann damit zusammenhängen, dass er sich im selben Zeitraum mit über 30 Milliarden Dollar in die Güterbahngesellschaft BNSF Railway Company einkaufte. Allein damit würde er stark von einem Anziehen der Industrie­konjunktur profitieren. Etwa 40 Prozent von Buffetts Aktienportfolio sind in Konsumgüteraktien investiert. Neben Coca-Cola gehört auch Johnson & Johnson dazu, ein Engagement, das er in den vergangenen Monaten ausbaute. Rund 2,5 Milliarden Dollar investierte er bis Ende September 2010 zusätzlich in den Pharma- und Kosmetikkonzern. Im Schnitt bezahlte er für die zusätzlichen Titel 59.52 Dollar, heute ­notieren sie nur leicht darüber. Ansonsten hat er in seinem Portfolio wenig verändert. Wenn es Änderungen gab, dann betraf es eher den Verkauf von Anteilen wie beim Konsumgüterhersteller Procter & Gamble oder bei der Finanzanalysefirma Moody’s. Für Trittbrettfahrer ist die Aktie von Johnson & Johnson die interessanteste. Sie findet sich auch im Portfolio von George Soros. Allerdings ist er nur mit 260 000 Dollar investiert, was im Vergleich zum Wert seines Aktienportfolios von rund sieben Milliarden äusserst bescheiden ist. Soros pflegt aber ohnehin einen ganz anderen Anlagestil als Buffett. Goldaffine Börsenstars. Buffett ist nur in wenigen verschiedenen Aktien positioniert und macht das auch zu einer Regel für Anleger: «Konzentrieren Sie Ihre Investments, denn wenn Sie über einen Harem mit 40 Frauen verfügen, lernen Sie auch keine richtig kennen.» Soros hält derzeit dagegen Anlagen in über 700 verschiedenen Positionen – und auch nicht unbedingt über längere Zeiträume wie Buffett, ist also eher der Typ des aktiven Investors. Nicht nur bezüglich Anlagen sind die beiden sehr unterschiedlich, sondern auch in ihrem Lebensstil. Buffetts Frau, die er vor fünf Jahren heiratete, ist rund ein Jahrzehnt jünger als er. Soros’ Freundinnen sind dagegen oft 40 Jahre jünger. Während Soros gerne auf grossem Fuss lebt, wohnt Buffett in einem Haus in der Nähe von Omaha, das er 1958 für 31  500 Dollar gekauft und das heute einen geschätzten Wert von 700 000 Dollar hat. Bei allen Unterschieden haben Soros und Buffett aber doch auch mindestens zwei Gemeinsamkeiten: Erstens sind beide im August 1930 geboren (Soros am 12., Buffett am 30.). Zweitens haben beide extrem erfolgreich an der Börse investiert. Der Quantum Fund von Soros hält sogar einen Performance-Weltrekord: Wer dort im Jahr 1969 mit 1000 Dollar einstieg, besass 2000 bereits vier Millionen Dollar. Die grösste Position in Soros’ Depot ist derzeit Gold. 600 Millionen Dollar ­investierte er in einen Gold-ETF, einen ­börsenkotierten Indexfonds. Eine Posi­tion, die er seit 2009 hält, aber in jüngster Zeit eher etwas abbaut. Seine zweitgrösste Position ist der Agrochemiekonzern Monsanto, ein Konkurrent der Schweizer Syngenta. Seit Anfang 2009 kauft er Aktien bei fallenden Kursen hinzu. Bei einem Kurs von 83 Dollar pro ­Aktie fing er an zu kaufen, zuletzt zu 55 Dollar. Inzwischen hält er Titel im Wert von über 300 Millionen Dollar, für die er im Durchschnitt 70 Dollar bezahlte. Aktuell ist er rund acht Prozent im Plus mit Monsanto. Eine weitere grosse Position in Soros’ Depot ist der israelische Generikahersteller Teva. Über die letzten Monate kaufte er Titel für 120 Millionen Dollar, zu einem Kurs von rund 52 Dollar pro Aktie. Derzeit notieren die Papiere nur leicht darüber, was Teva, neben Monsanto und Gold, für Trittbrettfahrer interessant macht. Noch interessanter wird Gold, seit Hedge-Fund-Manager John Paulson gel­bes Edelmetall für vier Milliarden Dollar kaufte. Damit ist Gold der grösste Posten in seinem Portfolio, das insgesamt fast 30 Milliarden Dollar schwer ist. Paulson erlangte Berühmtheit, weil er frühzeitig auf einen Immobiliencrash in den USA wettete und damit Milliarden verdiente. Neben Gold ist Paulson vor allem in Banktitel investiert. Er hält Aktien von Citi­group und Bank of America im Wert von zusammen rund 3,4 Milliarden Dollar. ­Allerdings baute er dieses Engagement in den letzten Monaten etwas ab. Buffett, Soros und Paulson sind derzeit die zwar bekanntesten, aber nicht unbedingt erfolgreichsten Börsenstars der letzten zehn Jahre. Der Hedge-Fund-Manager David Tepper etwa erreichte übers letzte Jahrzehnt eine Rendite von 1000 Prozent, deutlich mehr als seine bekann­teren Kollegen. Tepper führt ein Aktienportfolio im Wert von drei Milliarden Dollar, dazu einen noch deutlich grösseren Betrag in anderen Anlagevehikeln. Titel der Bank of America sind derzeit die grösste Position in Teppers Portfolio. Rund 300 Millionen Dollar investierte er in das Finanzhaus. Von den Titeln ist er aber wie Paulson nicht mehr so überzeugt und baute die Position jüngst ab. Stattdessen baute er sein Engagement bei der Pharmafirma Pfizer aus und kaufte neu Technologie­titel wie Cisco und Hewlett-Packard. Die Position bei Pfizer erhöhte Tepper während des letzten Jahres. Zunächst hatte er Titel für rund 18 Dollar erworben und kaufte dann bei fallenden Kursen dazu. Im Schnitt bezahlte er rund 17 Dollar und hält heute eine Position im Wert von 284 Millionen. Derzeit notieren die Pfizer-Aktien bei gut 18 Dollar. Viel Gewinn hat er mit der Position also (noch) nicht erzielt. Auch Hewlett-Packard ist interessant für Trittbrettfahrer. Dort stieg Tepper mit 150 Millionen Dollar ein: Er bezahlte für die Titel etwa zehn Prozent weniger, als sie heute an der Börse notieren. Am interessantesten ist aber seine Anlage bei Cisco, wo er 130 Millionen Dollar investierte, zu Kursen, die leicht höher waren, als die Aktie derzeit an der Börse notiert. Wie Tepper hat sich auch Seth Klarman mit einer sagenhaften Performance zum Milliardär gemacht. Nebenbei hat er ein Buch geschrieben, das Kultstatus geniesst. «Margin of Safety», so der Titel, kam 1991 auf den Markt, zu einem Preis von 25 Dollar. Das Werk ist schon lange vergriffen, gebrauchte Exemplare werden bei eBay inzwischen für über 1000 Dollar gehandelt. Der (Sammler-)Wert des Buches hat sich also vervierzigfacht – seine Anlagen hat Klarman indes noch besser gemanagt und sie mehr als versechzigfacht. Kein Wunder, ist in den USA nur schon der Besitz seines Buches der Karriere an der Wall Street förderlich. Mit Vorsicht zum Erfolg. Klarmans Karriere ist auf jeden Fall denkwürdig. Direkt nach seinem MBA in Harvard vertraute ihm eine wohlhabende Familie 27 Millionen Dollar an. Das war 1983. Inzwischen managt er gegen 30 Milliarden Dollar mit seiner Firma Baupost. Von Klarman gibt es kaum Fotos. Als es einem Fotografen gelang, ihn abzulichten, kaufte seine Firma sogleich die ­Negative auf. Scheu ist Klarman nicht nur in Bezug auf Medien, sondern auch in seiner Risikobereitschaft an der Börse. 2005 und 2006 hielt er rund die Hälfte seines Portfolios in Bargeld. In jüngster Zeit bezahlte er seinen Kunden sogar teilweise ihr Geld ­zurück, weil er zu wenige gute Anlagemöglichkeiten sah. Dennoch verdiente seine Baupost-Gruppe von Januar 2009 bis Mitte 2010 über sechs Milliarden Dollar für die Kundschaft – netto, wohlverstanden. Nur rund fünf Prozent seines gesamten Portfolios, 1,3 Milliarden Dollar, hat Seth Klarman in Aktien investiert. Noch immer hält er viel Bargeld, Obligationen und andere Anlagevehikel. Seine grösste Aktienposition ist ViaSat, eine Firma, die ­Produkte für Satellitenkommunikation anbietet. Über 400 Millionen Dollar sind in das Unternehmen investiert. Seit 2008 kaufte Klarman immer wieder Titel hinzu, zu ­immer höheren Kursen, zuletzt im zweiten Quartal 2010 zu rund 35 Dollar. Gegenwärtig notieren die Titel bei 44 Dollar. Wie mit ViaSat ist er auch mit seinen weiteren grossen Positionen im Portfolio schon gewaltig im Plus, etwa mit den ­Medienunternehmen News Corp und ­Liberty Media und der Biotechfirma Theravance. Dagegen hat sich seine ­Investition in die Firma Multimedia Games bisher nicht bezahlt gemacht. Er ist dort mit 9,6 Millionen Dollar beteiligt und ist damit grösster Einzelaktionär im Unternehmen, das Bingo und andere elektronische Spiele anbietet. Klarman hat die ­Aktien zu durchschnittlich neun Dollar gekauft, derzeit notieren sie unter sechs Dollar. Ein interessanter Titel in seinem Portfolio ist Enzon Pharma. Dort stieg er mit über 100 Millionen Dollar ein. Zum letzten Mal kaufte er zu knapp elf Dollar, derzeit notieren die Titel bei gut elf Dollar. 80 Prozent Finanztitel. Ein weiterer Börsenstar ist Bruce Berkowitz. In den vergangenen zehn Jahren schaffte er für die Kunden seiner Fairholme Funds ­eine Verdreifachung des Kapitals. Er verwaltet ein Aktienportfolio von rund zehn Milliarden Dollar. Seine grösste Position ist die Versicherungs­gesellschaft AIG, wo er mit 1,2 Milliarden Dollar investiert ist. Die Titel kaufte er für 33 Dollar im Schnitt, derzeit stehen sie rund 10 Dollar höher. Auch bei der Citi­group ist er mit rund einer Milliarde Dollar dabei. Die Titel kosteten ihn im Schnitt vier Dollar. Heute stehen sie rund 20 Prozent höher. Ungefähr 80 Prozent von Berkowitz’ Aktienportfolio sind in Finanztitel investiert. Interessantester Titel ist dabei der spanische Banco Santander. Er kaufte für rund 30 Millionen Dollar Aktien, zu einem ähnlich hohen Kurs, zu dem die Aktie heute gehandelt wird. Er sagt, dass er gerne mehr Aktien der Bank gekauft hätte, ­allerdings aus regulatorischen Gründen nicht mehr habe erwerben dürfen. Neben dem Banco Santander sind in seinem Porftolio auch die Aktien von General Growth Properties interessant für Trittbrettfahrer. Erst kürzlich hat Berkowitz ein grosses Aktienpaket der Firma erworben, nur leicht unter dem Kurs, zu dem die Titel heute notieren. Natürlich können auch all die Börsenstars mal danebenliegen mit ihren Investments. Darüber müssen sich Trittbrett­fahrer im Klaren sein. In den Portfolios der Stars nach Anlageideen zu forschen, lohnt sich trotzdem. Deshalb gibt es auch bereits einige professionelle Datenanbieter wie GuruFocus.com, die sich auf die Beobachtung der Börsenstars spezialisiert haben. Sicher ist, dass es dümmere Gründe gibt, eine Aktie zu kaufen, als den, weil sie ein Börsenstar gekauft hat. «Der dümmste Grund, eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt», so Buffett.
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