Wer hätte das gedacht: Carsten Maschmeyer, Gründer, Mehrheitsaktionär und Vorstandsvorsitzender des Finanzdienstleisters AWD, hat seinen Firmenanteil von 51 auf 31 Prozent zurückgefahren. Der 45-Jährige verkaufte 7,6 Millionen Aktien für je 31 Euro an mehr als 50 Institutionelle und kassierte dafür 235 Millionen Euro. Die Grossinvestoren hätten Maschmeyer, so tönt es aus der AWD-Zentrale, regelrecht bedrängt, damit er ihnen Aktien verkaufe. Und der Vorstandschef hat verkauft – nicht mit einem sonst üblichen Zuschlag, nein, zwei Euro unter dem damaligen Börsenkurs. «Familie Maschmeyer verzichtet ganz bewusst auf den üblichen hohen Preisaufschlag», wird in einer Pressemitteilung gesäuselt.

Hut ab vor Maschmeyers Grosszügigkeit, die ihn zwei Dutzend Millionen Franken gekostet hat. Doch weshalb um alles in der Welt hat er überhaupt verkauft? Um den Free Float der AWD-Papiere zu heben, wie offiziell verlautet? Das ist wahrlich selbstlos. Und dennoch, mich verwirrt der Teilausstieg. Carsten Maschmeyer hat jahrelang in eigener Sache die Werbetrommel gerührt, den Aktien hohe Attraktivität und Kurspotenzial bescheinigt. Geholfen hat es wenig: Ende 2000, gleich nach dem Börsengang, notierten AWD knapp 70 Euro, heute werden sie noch zur Hälfte gehandelt, obwohl sich seither der Ebit verdreizehnfacht hat. Ergo sollten die Valoren so attraktiv sein wie noch nie, zumal jüngst Rekordresultate sowie eine kräftige Erhöhung der Dividende gemeldet wurden. Oder erachtet Maschmeyer die Aktien gar nicht mehr für unterbewertet, weil im Geschäft mit dem Verkauf von Finanzprodukten der Peak erreicht ist? Lassen Sie die AWD-Titel links liegen.

Wenn es an den Börsen nicht allzu toll läuft und die Zinsen auf tiefem Niveau liegen, erinnern sich die Anleger der Reize von Aktien mit hoher Dividendenrendite. Und an solchen herrscht kein Mangel; drei Dutzend Titel locken mit drei Prozent und mehr. Doch bedenken Sie: Diese Renditen basieren auf bereits bezahlten Dividenden. Stellen Sie deshalb bei Ihrer Auswahl auf den Geschäftsgang und die zu erwartende Ausschüttung ab. Dazu gesellt sich das Kursrisiko; die fabelhafteste Rendite ist für die Katz, wenn die Aktie abschmiert. Die Auslese von Valoren mit Spitzenrenditen ist also gar nicht so einfach.

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Immer wieder wollen denn auch Leser wissen, auf welche Titel sie setzen sollen. Ihre Ansprüche: hohe Rendite, überdurchschnittliches Kurspotenzial, attraktive Branche, geringes Risiko. Nur zählt die Eier legende Wollmilchsau auch an der Börse zu den Fabelwesen. Gerade Papiere mit Spitzenrenditen sind oft keine Kursheuler.

Zudem bergen alle Aktien ein Risiko, wenn auch in unterschiedlichem Mass. Immerhin, ein Teil dieser Zutaten ist bei manchen Kantonalbanken zu finden. Deren Papiere sind zwar nicht völlig risikofrei, wie das Debakel bei den Kantonalbanken in Solothurn und Bern gezeigt hat. Doch der Kanton als kapitalkräftiger Götti ist ein nicht zu unterschätzender Punkt.

Mir gefällt vor allem die Luzerner Kantonalbank. Das Geldhaus ist solide finanziert und hat die Kreditrisiken im Griff, die Erträge stimmen, die Aussichten sind rosig. Auch die Kursentwicklung stimmt froh; die Aktien haben über die letzten drei Jahre 70 Prozent zugelegt. Und eine Dividendenrendite von drei Prozent rundet das erfreuliche Bild ab. Wer risikofreudiger ist, streicht mit den Aktien der Walliser Kantonalbank sogar 3,4 Prozent Rendite ein. Doch obwohl die Walliser sich in den letzten Jahren stark verbessert haben, stehen sie noch nicht derart solide da wie die Luzerner.

Was ist nur mit Georg Fischer los? Die Aktien sind innert Tagen um 18 Prozent explodiert.» Der Finanzanalyst, dem ich die Frage jüngst gestellt habe, prustet los: «Das war Kovats’ Geschoss.» Er muss meine Ratlosigkeit sogar durchs Telefon gefühlt haben; Mirko Kovats, so erklärt mir der Analyst geduldig, baue angeblich umfangreiche Positionen in Georg Fischer auf, sein Interesse an weiteren Schweizer Firmen habe er ja bereits in BILANZ geäussert.

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«Wir verhandeln mit einem kleineren Maschinenbauer, da wollen wir die volle Kontrolle … Ausserdem beobachten wir diskret ein grosses Unternehmen von ähnlichem Kaliber wie Unaxis; da wollen wir die Mehrheit», hat sich der österreichische Industrielle und Financier in der vorletzten Ausgabe der BILANZ geäussert. Seither brodelt es in der Gerüchteküche. Wobei der Tratsch, Kovats sei hinter dem Schweissanlagenbauer Schlatter her, noch am schlüssigsten ist. Schon eher ins Staunen gerate ich, wenn Börsianer zur Deutung der Kurssteigerungen bei Georg Fischer, Von Roll oder Saurer den «Kovats-Effekt» als Grund anführen. Und vollends absurd wird die Sache, wenn dem Österreicher Übernahmelust auf Firmen wie Tecan, SIG oder Ascom unterschoben wird.

Sicher, Börsengefasel ist kurzweilig, ich klatsche ja auch wonnevoll in diesen Spalten. Heikel wird es jedoch, wenn Anleger den Tratsch unbesehen für bare Münze nehmen, jede Vorsicht über Bord werfen und auf den längst fahrenden Börsenzug aufspringen. Platzen die Gerüchte, zählen gerade Privatanleger zu den Verlierern – beispielsweise können die Schlatter-Aktien, zerstieben die Übernahmehoffnungen, ohne weiteres auf das Dezember-Preisniveau zurückfallen; das wäre ein Kursverlust von 55 Prozent. Erst recht Zurückhaltung angesagt ist bei Georg Fischer. «An diesem Gerücht ist absolut nichts», sagt Kommunikationschef Markus Sauter. Andererseits: Was soll er sonst sagen?

Was kümmert mich meine Rücktrittsankündigung von gestern, denkt sich so mancher Firmenkapitän. Hansjörg Wyss, Gründer und Mehrheitseigentümer des Medizinaltechnikunternehmens Synthes, treibt seit langem dieses Spielchen. Der mittlerweile auch schon 69-Jährige erklärt Jahr für Jahr fast gebetsmühlenartig, dass er endgültig kürzer treten wolle. Doch siehe da, auch ein Jahr später amtiert er jeweils in alter Frische in seiner Doppelfunktion als Präsident und Konzernleiter. Der Einstand von Michel Orsinger als COO nährte bei manchem Investor die Erwartung, dass Wyss an der diesjährigen Präsentation der Jahreszahlen vielleicht doch seinen Abschied erklären würde. Doch falsch gedacht. Wyss sitzt fester im Sattel den je, heisst es aus der Firma. Für wie lange noch? Kein Kommentar.

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Kein Kommentar auch zu Gerüchten, der Branchenriese Johnson & Johnson wolle Synthes schlucken. Nicht zum ersten Mal macht dieses Gerücht an der Börse die Runde – und treibt den Kurs nach oben. Auch wenn es nicht kommuniziert wird, ist für mich eines klar: Der Patron will sein Lebenswerk partout nicht verkaufen. Wyss hat eine Tochter, die keine Ambitionen auf die Leitung des Unternehmens hegt. Sein Synthes-Paket, das einem Wert von über neun Milliarden Franken entspricht, wird deshalb bei seinem Ableben wohl an eine Stiftung gehen. Ich erwarte, dass sich die Übernahmefantasie bald verflüchtigt. Dennoch sind die Synthes-Titel attraktiv. Mit einem für dieses Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 28 sind die Medtechpapiere jedoch satt bewertet; sie eignen sich deshalb nur für langfristig denkende Anleger.

Ihr Frank Goldfinger

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