Die Aktien von Schweizer Biotech-Unternehmen haben dieser Tage einen schweren Stand. Dies hat sich beim völlig verpatzten Börsengang von Arpida oder bei der Verschiebung des IPO von Speedel gezeigt, wie ich im letzten «Inside Bahnhofstrasse» beschrieben habe. Da war es fast schon wohltuend, dass die kleine Cytos Biotechnology gute Resultate für die Entwicklung eines Nikotin-Impfstoffs in der klinischen Testphase II melden konnte. Die Ergebnisse wurden bewusst am 14. Mai veröffentlicht, einem Samstag. So hätten sämtliche Anleger den gleichen Informationsstand, wenn die Börse nach dem langen Pfingstwochenende den Handel wieder freigeben würde. Aber eben: hätten. In Tat und Wahrheit sind die Aktienkurse bereits am 13. Mai um rund zwölf Prozent haussiert.

Wieder einmal haben einige Insider mehr gewusst als das Gros der Anleger. Cytos-Chef Wolfgang Renner will nichts wissen von einem Informationsleck, die Börse SWX klärt dennoch einen möglichen Insiderhandel ab. Ich verspreche mir nichts davon. Am Dienstag danach, dem ersten Handelstag nach Veröffentlichung der Resultate, stürzten Cytos um über 20 Prozent ab. Das ist einmal auf eine gewisse Ernüchterung zurückzuführen; nach dem ersten Jubel wurde realisiert, dass die aus einem Spin-off der ETH Zürich entstandene Firma eine Ergänzungsstudie durchführen muss. Ich bin aber auch überzeugt, dass die Insider ihre raschen Spekulationsgewinne vom Freitag sofort realisierten.

Das Beispiel Cytos hat gezeigt, welch hohe Volatilitäten und damit Risiken Biotech-Aktien bergen. Dabei messe ich Cytos ein gerüttelt Mass an Reizen zu. Die in Schlieren ansässige Gesellschaft steckt zwar noch im Forschungs- und Entwicklungsstadium. Doch ist die Pipeline der ausgesprochen innovationsfreudigen Firma mit gegen 30 Präparaten gut gefüllt. Allerdings muss sich der Anleger bewusst sein, dass die ersten Produkte frühestens 2010, wohl eher 2012 im Markt lanciert werden. Bis dann kann noch viel geschehen. Die Cytos-Aktien sind nur etwas für risikofreudige Anleger, die sich auf einige Jahre hinaus engagieren können.

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Es gibt weltweit Dutzende von Exotenbörsen, die sich einer gerade mal regionalen Beachtung erfreuen und kaum je in einem Weltindex Aufnahme finden. Wer anderseits sogar einen eigenen, global anerkannten Länderindex erhält, erhebt sich über die Masse der Allerweltsbörsen, wird in der internationalen Anlegerschar geadelt. Diesen Ritterschlag erhält nun Kuwait: Die US-Firma Dow Jones, die den berühmten Dow Jones Index berechnet und als Medienhaus auch das «Wall Street Journal» herausgibt, hat vor wenigen Tagen erstmals den Dow Jones Kuwait Index veröffentlicht. Dieser kapitalgewichtete Börsenindex umfasst 118 Unternehmen.

Halten Sie sich nicht zurück – auch ich konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Nach einer kurzen Recherche im Internet jedoch wich das Lächeln dem Staunen: Die Börse des Emirats boomt, und dies seit Jahren. So hat sich der Kuwait KIC General Index über die letzten fünf Jahre mehr als vervierfacht. Dabei ist der Aktienmarkt in Kuwait-Stadt kein Zwerg: Die Börsenkapitalisierung beläuft sich immerhin auf 110 Milliarden Franken, Kuwait ist damit hinter Riad zweitgrösster Börsenplatz der Region.

Die Hausse dürfte noch längere Zeit anhalten. Dafür sprechen der hohe Ölpreis und damit eine Akkumulation von Kapital in dieser Ecke der Welt, der positive Wirtschaftsverlauf, tiefe Zinsen sowie gute Unternehmenserträge. Investoren aus dem Westen konnten bisher von dieser Entwicklung kaum profitieren. Das soll sich mit dem Dow Jones Kuwait Index ändern; dieser erlaubt es den Finanzhäusern, Anlageinstrumente zu kreieren wie Länderfonds, Indexfonds oder auf dem Index basierende Finanzprodukte wie Indexzertifikate. Solche Anlageinstrumente sind interessant zur Beimischung ins Depot. Warten wir ab, was da kommt. Ich bleibe dran.

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Ihr Frank Goldfinger

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