Das Ergebnis überrascht nicht weiter: Dass die Banken eher Mühe haben mit den Negativzinsen der Nationalbank, liegt auf der Hand und ist bekannt. Nun legt ihr Branchenverband eine Studie über die Wirkungen vor – und sie stellt dazu gleich eingangs klar: «Wir haben nicht nur die Banken, sondern die gesamte Wirtschaft im Blick», so die Mitteilung der Bankiervereinigung. Die Geldinstitute seien nah am Puls der Unternehmen und registrierten die Folgen der Negativzinsen sehr genau, sagt Jörg Gasser, der CEO der Bankiervereinigung.

Die Kernaussage: Die Negativzinsen erfüllen ihren Zweck im Jahr 2019 nicht mehr. Die Rahmenbedingungen, die bei der Einführung der Minussätze noch massgebend waren, haben sich verändert. Konkret:

  • Erstens: Der Schweizer Franken sei nicht mehr überbewertet. Handelsgewichtet liegt der Kurs im Bereich seines langjährigen Trends, also auch nahe am Gleichgewichtskurs.
  • Zweitens: Die Preise sind stabil. Deflationsrisiken sind weitgehend gebannt.
  • Drittens: Die Unternehmen haben sich fast fünf Jahre nach Einführung der Negativzinsen vom Frankenschock erholt.

Auf der anderen Seite findet die «SwissBanking»-Studie diverse Risiken und Verzerrungen, die aus den Minuszinsen erwachsen. Sie nennt insbesondere den Immobilienmarkt (sowie die wachsenden Leerstände im Wohnungsbereich). Inbesondere warnt die Studie vor langfristigen Gefahren: Sollte es in einer Rezession im Immobilienmarkt zu einer Korrektur kommen, so wären kaum noch Möglichkeiten, um einzugreifen.

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Weiter würden sich die Probleme bei den Vorsorgewerken verschärfen. Und Fehlinvestitionen wegen des billigen Geldes sorgten dafür, dass an gewissen Stellen der Strukturwandel verschoben wird – beziehungsweise dass übermässige Produktionskapazitäten aufgebaut werden.

«Psychologische Wirkung»

Schliesslich nennt das Paper auch «eine nicht zu unterschätzende psychologische Wirkung auf Firmen und Haushalte» – dies als weitere Gefahr: Anhaltende Negativzinsen würden mit einem «Krisenszenario» gleichgesetzt. Sie wirkten dadurch nicht stimulierend, sondern hemmten die Wirtschaftsaktivitäten und dämpften die Inflation.

Die entscheidende Frage ist für die Bankbranche also, wie die SNB aus dem Krisenmodus herauskommen kann. Negativzinsen seien wie ein Notfallmedikament, so die Bankiers: «Kurzfristig können sie trotz bedeutender Risiken und Nebenwirkungen einen grossen Nutzen bewirken. Langfristig verlieren sie jedoch an Wirkung, während die unerwünschten Nebenwirkungen und die Abhängigkeiten, die eine Absetzung des Medikaments erschweren, immer grösser werden.»

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(rap)