Bitcoin feiert ein Comeback, das die weltgrösste Kryptowährung von den jüngsten Tiefstständen um mehr als 50 Prozent nach oben gebracht hat. Dies lockt wie so oft bei Bitcoin-Rallys himmelhohe Kursziele hervor. 100'000 Dollar sind wieder Gesprächsthema in der Krypto-Szene.

Dabei herrschte bei Bitcoin infolge des abrupten Absturzes vom Rekordhoch bei 64'912 Dollar am 15. April bis vor kurzem noch Katzenjammer. Der Fall des Bitcoin-Preises in Richtung 30'000 Dollar innerhalb weniger Wochen nährte schwere Befürchtungen um die Kryptowährung.

Nun sind die Zeiten vorbei, als von Rückschlagspotenzial bis auf 20'000 Dollar oder einem noch weiteren Preisverfall die Rede war. Inzwischen ist es wieder in Mode, von der Rückkehr zum bisherigen Preishoch zu sprechen und darüber hinweg neue Rekorde zu erwarten.

Rekordanstieg seit Februar

Vier Wochen in Folge hat Bitcoin nun zugelegt, und der Preis geht seinem zweiten Monatsanstieg entgegen. Die Kryptowährung hat den schnellsten 21-Tage-Anstieg seit Februar erlebt. Damals ging es beim Preis das letzte Mal richtig steil in neue Höhen. Am Mittwoch notierte Bitcoin gegen Abend bei 46'690 Dollar.

«Es geht wieder aufwärts», sagte Meltem Demirors, Chefstrategin beim Krypto-Fondsanbieter CoinShares, zur Nachrichtenagentur Bloomberg. Das Schreckgespenst einer strengeren Regulierung deutet sie positiv um. Die neue Aufmerksamkeit der Behörden sähen viele Investoren als positive Nachricht und als positiven Katalysator, weil dies eine Menge Verwirrung und einiges an Unsicherheiten ausräume. «Und ich denke, es zeigt auch, dass die Krypto-Community nicht länger eine esoterische Ecke der Finanzwelt ist», so Demirors.

Galten die neuen Steuerpläne der US-Regierung zur Finanzierung ihres billionenschweren Infrastrukturprogramms jüngst noch als Belastungsfaktor für die Kryptobranche in den USA, so scheinen die Bedenken nun verflogen. Zwar dürfte ein erster Gesetzesentwurf mit deutlich schärferen Vorschriften bezüglich der Besteuerung von digitalen Vermögenswerten eine Mehrheit finden, die Massnahmen seien aber noch nicht in Stein gemeisselt, meinen Marktbeobachter.

Meltem Demirors

Meltem Demirors ist Chefstrategin beim Krypto-Fondsanbieter CoinShares.

Quelle: ZVG

Und: Auch die Hacker, die laut Medienberichten bis zu 600 Millionen Dollar in Kryptowährungen von der DeFi-Plattform Poly Network gestohlen haben, stürzten die Kurse bisher nicht in den Abgrund.

Werden Ether und Bitcoin gleichziehen? 

An Begründungen, weswegen Bitcoin den Kurs vom jetzigen Niveau aus nochmals mindestens verdoppeln wird, mangelt es nicht. Würde Bitcoin bei der prozentualen Performance mit den jüngsten Anstiegen der zweitgrössten Kryptowährung Ether gleichziehen, ginge der Preis auf 100'000 Dollar, äusserte Mike McGlone von Bloomberg Intelligence in einem Fernsehinterview. Und selbst bis zum alten Hoch sei noch «einiges an Raum».

Ether, das auf dem Ethereum-Netzwerk basiert, hat dieses Jahr eine Kursperformance von 320 Prozent hingelegt, während bei Bitcoin das Plus seit Anfang Januar derzeit bei 54 Prozent liegt. Ein mögliches Gleichziehen der beiden grössten Kryptowährungen Bitcoin und Ether wird gerne in den Raum gestellt, weil die beiden «erstgeborenen» Internet-Devisen am weitesten verbreitet sind und auch am ehesten als Kandidaten für ein digitale Reservewährungen betrachtet werden.

Mike McGlone

Mike McGlone von Bloomberg hält 100'000 Dollar pro Bitcoin für keinen Traum.

Quelle: ZVG

Andererseits sind Bitcoin und Ether auch Konkurrenten: Im Dezember 2020 lag die Vorherrschaft von Bitcoin noch bei 73 Prozent, nun nur noch bei 47 Prozent, wie die Website cointelegraph.com schreibt. Ether hat den Anteil an gehandelten Kryptowährungen im selben Zeitraum auf 20 Prozent verdoppelt, teilweise angetrieben durch das Aufkommen der Non-Fungible Token (NFT), die mit der Distributed-Ledger-Technologie des Netzwerkes validiert werden. 

Der Hash-Ribbons-Indikator leuchtet «blau»

Tom Lee von Fundstrat Global Advisors sieht Bitcoin ebenfalls bei 100'000 Dollar - bis Jahresende. Der Mitbegründer des Analysehauses empfiehlt Anlegern eine einfache Regel, die wie oft bei Bitcoin auf Mustern im Kursverlauf basiert: Wenn Bitcoin seinen Durchschnittspreis der letzten 200 Tage übersteige, dann sei es an der Zeit, zu kaufen.

Für Aufsehen hat in den vergangenen Tagen auch der sogenannte Hash-Ribbons-Indikator gesorgt. Dieser basiert auf der «hash rate», die von Krypto-Fans als sehr sichere Richtlinie für den Zustand von Bitcoin gesehen wird. Die hash rate misst, wie viele Berechnungen das Bitcoin-Netzwerk pro Sekunde leistet. Dies deutet auf den Umfang des Bitcoin-Minings hin, was wiederum Aussagen über die Preisentwicklung der Kryptowährung erlauben soll.

Der Hash-Ribbons-Indikator will im Detail ermitteln, ob Miner «kapituliert» haben, oder ob sie wieder aktiv geworden sind. Dies wird mit verschiedenen Farben in einem Chart angedeutet. 

Der Anstieg von 98 Millionen TH/s auf 109 Millionen TH/s (1 TH/s sind 1'000'000'000'000 Hashes pro Sekunde) in den letzten Juli-Tagen und Anfang August haben Fantasien beflügelt. Die Miner haben gemäss dem Indikator die Phase der «Kapitulation» beendet, was im Chart zunächst mit einer Reihe von grünen und dann einem blauen Punkt ersichtlich wird. Mit anderen Worten ist dies ein Kaufsignal für Bitcoin. Nur: Während manche auf den Hash-Ribbons-Indikator schwören und darauf verweisen, dass die Muster bisher immer einen Preisanstieg angezeigt hätten (etwa im Herbst 2020 vor der sehr starken Rally, die bis im vergangenen April anhielt), sagen andere, solchen Aussagen müsse mit einer gewissen Skepsis begegnet werden. 

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