Was bedeutet Geld für Sie?
Mike Schäfer: Geld bedeutet, Möglichkeiten zu haben. Aktiv zu werden, Projekte zu starten. Die Freiheit haben, unser Leben zu gestalten.

Welche Rolle spielt Geld in Ihrer Partnerschaft?
Da unterscheiden wir: Wir konnten vom ersten Date an gut über Geld sprechen. Wir hatten nur zu Beginn einen unterschiedlichen Wissensstand und eine unterschiedliche Finanzkompetenz. Marielle hat im Alter von 18 Jahren ein Aktiendepot von ihren Eltern geschenkt bekommen und ist mit viel Finanzwissen gestartet, ich nicht.

Heute betreiben Sie gemeinsam einen Finanzblog, coachen andere Paare im Umgang mit Geld. Wie hat sich Ihr Umgang mit Geld in der Partnerschaft verändert?
Die ersten Jahre ging es darum, unseren gemeinsamen Haushalt zu organisieren, nachdem wir zusammengezogen waren. Vor allem in den ersten Monaten haben wir viel hin- und hergerechnet, bis uns das zu blöd wurde. Wir entschieden uns für ein Dreikontenmodell: Jeder hat sein eigenes Konto, überweist aber einen Teil auf ein gemeinsames Konto. Und von dort werden die gemeinsamen Ausgaben bezahlt.

Vom gemeinsamen Konto bis zur ausgefeilten Aktienstrategie ist es aber noch ein Schritt.
Das entwickelte sich, weil Marielle immer wieder mit ihrem Depot beschäftigt war und ich dann wissen wollte, was sie da machte. Ich habe dann auch ein Depot angelegt und schliesslich haben wir noch ein gemeinsames eingerichtet.

Sind Ihre Finanzen ein gemeinsames Hobby?
Die Finanzen nicht, da verschaffen wir uns monatlich einen Überblick, dafür braucht jeder von uns 20 Minuten und dann sprechen wir vielleicht nochmal 20 Minuten darüber. Das Investieren in Aktien schon, das würde ich als Hobby bezeichnen.

Wie kann ich mir das vorstellen?
Wir halten gemeinsam ein Einzelaktien-Depot und jeder für sich ein ETF-Depot. Das ETF-Depot ist ein Ersatz für ein Tagesgeldkonto, mit dem wir für eine Immobilie und vor allem unsere Altersvorsorge zurücklegen. Bei den Einzelaktien suchen wir nach Titeln, bei denen der Gewinn uns finanzielle Möglichkeiten schafft, zum Beispiel durch die Zahlung einer Dividende.
 
Was war Ihr grösster Misserfolg? Ich vermute, der Name beginnt mit W…

Wirecard, ja genau. Unser grösster Verlust. Wir sind aber so breit diversifiziert, dass das nicht schwer ins Gewicht fällt.

Ihre eigene Erfahrung bildet die Grundlage für ihren Blog über Familienfinanzen: Marielle und Mike Schäfer schreiben dort als «Beziehungs-Investoren». Mike Schäfer, der als Psychologe mit Grundschulkindern arbeitet, publiziert im August 2020 das Kinderbuch «Mein Geld, dein Geld».

Und der grösste Erfolg?
Hm, Morphosys hat sich sehr gut entwickelt, eine Biotech-Firma. Auch Amadeus Fire, bis zur Corona-Krise jedenfalls. Aber wir bleiben drin. Der Titel erholt sich auch langsam wieder.
 
Wie sparen oder investieren Sie für Ihren Sohn?
Zwei Monate nach seiner Geburt haben wir ein ETF-Depot eröffnet. Monatlich fliessen dorthin 150 Euro. 100 Euro in einen ETF auf den MSCI World und 50 Euro von den Urgrosseltern in einen ETF auf den MDax. Einmalig haben wir von mehreren Geldgeschenken einen DAX-ETF für ihn noch dazu gekauft. Während des Corona-Crashs haben wir den Sparplan für den MSCI World verdoppelt, weil die Kurse so günstig waren. Mit knapp zwei Jahren besitzt unser Sohn damit annähernd 5000 Euro. Auch wenn wir monatlich kleine Beträge einzahlen, bis zum 18. Geburtstag wächst da eine hübsche Summe heran. Und er erhält jetzt schon regelmässig Dividenden, die wir für ihn reinvestieren.

Läuft das Depot auf seinen Namen?
Ja. Damit gehört das Geld ihm, sobald er volljährig ist. Wir werden ihn aber viel früher einbeziehen, vielleicht um das Alter seiner Einschulung herum. Dann werden wir sein Depot mit ihm anschauen und auch mal gemeinsam etwas kaufen oder verkaufen.
 
Kaufen oder verkaufen bei einem ETF, warum?
Wohl eher nicht bei dem ETF-Depot. Wir führen auch noch ein Tagesgeldkonto, dorthin fliesst Geld, das er zu Weihnachten oder zum Geburtstag geschenkt bekommt. Damit können wir dann auch mal einzelne Titel kaufen – das könnten zum Beispiel Disney, Adidas oder Nike sein, eben Aktien von Unternehmen, zu deren Produkten er einen Bezug hat.
 
Was wollen Sie Ihrem Sohn über den Umgang mit Geld vermitteln?
Dass Geld fliesst und dass man es am besten im Fliessen hält. Bunkern und sparen ist widersinnig, da verliert das Geld nur an Wert. Wichtig ist auch, sich selbst zu fragen: Was kann ich mit meinem Geld bewirken? Er soll lernen, Geld für seine Ideen einzusetzen.

Finanzen für junge Familien – die Serie

Geld ist nicht wichtig, solange man welches hat. Die allermeisten Familien müssen mit ihrem Budget haushalten. Worauf es sich bei den Familienfinanzen zu achten lohnt, erläutern wir in dieser Serie.

► Teil 1: So viel kostet ein Kind

► Teil 2: Als Paar sein Geld verwalten

► Teil 3: Als Familie sparen und vorsorgen

► Teil 4: Geldanlage fürs Kind: Wie Eltern es richtig machen