Die BX Swiss fristet als ehemalige Berner Börse hinter der SIX Swiss Exchange traditionell ein Schatten­dasein. Die jährlichen Handelsumsätze der 2018 von der Stuttgarter Börse übernommenen BX macht die Schweizer Börse SIX in ein, zwei ­Tagen. Lucas Bruggeman ist im Februar als neuer Chef der BX Swiss angetreten, um den Abstand zu ­verringern. «Wenn wir alles richtig machen, sollte sich das Handelsvolumen in der kommenden Zeit jährlich verdrei- bis verfünf­fachen.» Schon für das laufende Jahr hat der gebürtige Niederländer eine Steigerung von 300 Millionen auf eine Milliarde Franken geplant.

Das exponentielle Wachstum sollen verschiedenste Schritte möglich machen. Einer ist der Aufbau eines funktionierenden Ecosystems. Teil davon sind verschiedene Aktivitäten, um hochwertigen KMUs den Gang an die Börse zu erleichtern. Derzeit sind 18 Firmen an der BX Swiss gelistet. Gehen Bruggemans Pläne auf, werden es bald deutlich mehr sein. «In drei Jahren hätte ich gerne 100», sagt er.

Vorbild ist Schweden. Dort sind 800 Firmen kotiert. In der ganzen Schweiz sind es keine 280. «Es gibt in der Schweiz Tausende tolle KMUs. Die gehen nicht an die Börse, weil es ihnen zu schwierig und zu teuer erscheint.» Bruggeman will den Prozess verkürzen, ohne dass die regulatorischen Anforderungen leiden. Gelingen soll das mit Hilfe von Partnern und ­ihren Plattformen.

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Lucas Bruggeman: Der neue BX-Chef will den Abstand zum Marktführer verringern.

Quelle: Manuel Kurth
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Anziehungskraft mit eigenen Indizes steigern

Bisher war die Bindung der gelisteten Firmen zur Börse nicht besonders stark. Stellte sich Erfolg ein, wechselte man schnell in Richtung SIX. «Firmen sind an der SIX, weil sie Teil eines Index sind», sagt ­Bruggeman. Er will die Anziehungskraft seiner Börse nun mit eigenen Indizes steigern. «Da der grösste Teil der an der BX gelisteten Unternehmen aus dem Immobilienbereich kommt, werden wir in diesem Jahr auch einen BX-Immobilien­index auf den Markt bringen.»

Die Indizes sind eine wichtige Grundlage für viele Finanzprodukte. Leonteq wird demnächst Strukis an der BX listen. Schwerpunkt der BX ist «deriBX», das Segment für Derivate.

Die Anleger versucht Bruggeman mittels Infos und lebhaften Austauschs an die BX zu holen und dort zu binden. «Ich bin gekommen, um eine Community aufzubauen. Mit der können wir uns von Riesen wie der SIX unterscheiden», sagt Bruggeman. Finanzblogger, YouTube Channels und ein eigener Börse-TV-Kanal auf der Website werden bei BX Swiss in Zukunft eine noch grös­sere Rolle spielen.

Anleger kaufen vor allem Auslandsaktien in Franken

Auch wenn das Angebot grösser ist, als es die Umsätze vermuten lassen, nützen Anleger die BX jetzt vor allem, um ausländische Aktien zu kaufen, die dort in Franken notieren. 65 Prozent des Handelsvolumens entfallen auf dieses Segment. Genau dort spielt der BX ein Problem der SIX in die Hände. Weil die EU die Äquivalenzanerkennung der Schweizer Börse nicht verlängerte, suspendierte die SIX vergangenen Sommer alle Aktien im Handelssegment «Sponsored Foreign Shares» vom Handel.

«Wir sind die einzige Börse in der Schweiz, über die man derzeit Auslandsaktien in Franken kaufen kann. Dadurch hat sich unser Handelsvolumen mit ausländischen Aktien vom vierten Quartal 2019 aufs erste Quartal 2020 verdreifacht», sagt Bruggeman.