Umwelt: Das langfristige Engagement bleibt intakt

Wenn man über die Auswirkungen der COVID-19-Krise auf die Umwelt nachdenkt, lautet die erste Schlussfolgerung häufig, dass sie positiv sind. Die Industrietätigkeit und der Kohleverbrauch für die Energieerzeugung sind erheblich zurückgegangen. 

Jennifer Wu ist Global Head of Sustainable Investing und Vincent Juvyns ist Global Market Strategist beim J.P. Morgan Asset Management.

Diese kurzfristigen Vorteile für die Umwelt gehen jedoch mit einem erheblichen Verlust an Dynamik im langfristigen Kampf gegen den Klimawandel einher. Auf politischer Ebene glauben wir jedoch, dass die Massnahmen im Kampf gegen die Klimaerwärmung nur aufgeschoben worden sind.

Soziale Faktoren: COVID-19 vergrössert und verstärkt die Ungleichheit

Die COVID-19-Krise verstärkt die Ungleichheit innerhalb der Gesellschaften und zwischen den Ländern. Abgesehen von den kurzfristigen Folgen erwarten wir auch bedeutende längerfristige Auswirkungen. Einerseits, einen stärkeren Abbau von Arbeitsplätzen aufgrund der zunehmenden Digitalisierung.

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Ein anderer Trend besteht im stark gestiegenen Interesse an virtueller Gesundheitsfürsorge und insgesamt am Gesundheitssektor. Beratung, fortgeschrittene robotergestützte Chirurgie, Virtual-Reality-Technologien und Gentherapien werden die Gesundheitsbranche verändern und können neue Anlagemöglichkeiten eröffnen.

Zusätzlich werden sich die Lieferketten verändern, Waren und Dienstleistungen werden in vielen Volkswirtschaften stärker lokal beschafft. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein breites Spektrum sozialer Faktoren wahrscheinlich die Ungleichheiten in den Gesellschaften verschärfen und die Lohnstückkosten erhöhen wird, was auch das Tempo der wirtschaftlichen Erholung und die Rentabilität der Unternehmen beeinflussen könnte.

Governance: COVID-19 zeigt den Wert guter Unternehmensführung

Der plötzliche Ertragsverlust in vielen Sektoren, zusammen mit der Notwendigkeit, Wertschöpfungsketten und Methoden der Interaktion mit Mitarbeitenden und Kunden vollständig und schnell neu zu organisieren, hat sich für viele Unternehmen als disruptiv erwiesen.

Sie müssen aktuell nicht nur die Krise bewältigen, sondern auch sicherstellen, dass sie sich weiterhin auf die langfristige Nachhaltigkeit des Unternehmens konzentrieren und das richtige Gleichgewicht zwischen den Rechten der Aktionäre und denen anderer Stakeholder sowie zwischen kurz- und langfristigen Prioritäten finden.

Fazit

Die COVID-19-Krise verdeutlicht, dass ESG-Faktoren kein vages Fernziel sind, sondern etwas, das die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen unmittelbar stärkt. In einer Zeit, in der die Staaten ihren Schwerpunkt und ihre finanziellen Anstrengungen auf das Krisenmanagement ausrichten müssen, liegt es an privaten Anlegern, dass ihre langfristigen Ersparnisse dazu beitragen, langfristige ESG-Ziele zu unterstützen. In jeder Krise gibt es auch Chancen, und für Anleger ist die COVID-19-Krise eine einzigartige Gelegenheit, ihr ESG-Engagement zu verstärken.

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