Die Gold- und Silberpreise haben am Montag die Kursverluste vom vergangenen Freitag ausgebaut. Das gelbe Edelmetall gibt am Montag im frühen europäischen Handel gegen 09.130 Uhr 5,8 Prozent auf 4'605 Dollar nach, Silber verliert 8,7 Prozent 77,7 Dollar. Damit haben beide Metalle die fulminanten Kursgewinne seit Jahresbeginn wieder hergegeben.
«Das ist noch nicht vorbei», erklärte ein ehemaliger Edelmetallhändler gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er fügte hinzu, dass die Zurückhaltung, weitere Risiken einzugehen, die Marktliquidität einschränken würde.
Der starke Preisanstieg bei den Edelmetallen seit Anfang 2026 hatte selbst erfahrene Händler überrascht. Die Edelmetallpreise waren auf Rekordhochs gestiegen, weil Anleger angesichts erneuter Sorgen über geopolitische Turbulenzen, der Währungsabwertung des Dollars sowie Fragen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank verstärkt in Gold und Silber investierten. Eine Kaufwelle chinesischer Spekulanten heizte die Rallye in den letzten zwei Wochen zusätzlich an.
Die Finanzmärkte - von Aktien bis Rohstoffen - können immer wieder überschiessen, was bei dünner Liquidität an den Märkten die Preise schnell nach oben respektive auch nach unten drücken kann. Paul Donovan, Chefökonom CIO Office der UBS, meint in einem Kommentar vom Montag, dass der starke Rückgang der Gold- und Silberpreise wirtschaftlich gesehen eine relativ geringe Bedeutung habe. Zwar werde man versuchen, dies als Reaktion auf fundamentale wirtschaftliche Gegebenheiten darzustellen, doch erscheint es wahrscheinlicher, dass die Angst, etwas zu verpassen, an den Edelmetallmärkten nachgelassen hatte - sogenannter FOMO-Trade oder «Fear of missing out».
«Der Preisanstieg erfolgte über einen zu kurzen Zeitraum, um nennenswerte Vermögenseffekte zu erzielen. Daher wäre eine Korrektur hin zu einem Preis, der eher den wirtschaftlichen Fundamentaldaten entspricht, wirtschaftlich positiv zu bewerten. Dies, weil dadurch eine Fehlallokation von finanziellen Ressourcen vermieden wird», so der Chefökonom von der UBS.
Positiver Ausblick bestätigt
Die Edelmetallpreise dürften sich über die nächsten Tagen und Wochen volatil präsentieren, bis der Markt ein Gleichgewicht bei Angebot und Nachfrage gefunden und sich die Volatilität bei den Optionspreisen zurückgebildet hat. Bei Preiskorrekturen nach oben gilt es deshalb, bei einer zu starken Übergewichtung im Portfolio Gewinne mitzunehmen. Wer auf der anderen Seite zu wenig Exposure hat, kann bei weiteren Schwächephasen zugreifen. Eric Peters, Hedgefonds-Manager und CEO von One River Asset Management, sieht gerade bei den Ausverkaufspreisen einen guten Einstiegszeitpunkt. Gold bleibt für den Hedgefonds-Experten weiterhin ein optimales Absicherungsinvestment.
Die Experten der Deutschen Bank meinen ebenfalls, die Kurskorrektur sei nicht das Ende der Goldrallye. Die Frage sei zwar berechtigt, zumal ein so starker Goldpreisrückgang an einem einzigen Tag wie am letzten Freitag seit 1975 nur zweimal zu verzeichnen war - im Januar 1980 (-13 Prozent) und im Februar 1983 (-12 Prozent). Anzeichen erhöhter Spekulationsaktivität seien seit einigen Monaten vorhanden, jedoch nicht in ausreichendem Masse, um die Goldpreisbewegungen vollständig zu erklären.
Entsprechend würden die thematischen Treiber des Goldpreises positiv bleiben und sich die Gründe der Anleger für ihre Gold- und Edelmetall-Allokationen nicht geändert haben. China bleibe zudem ein wichtiger Treiber der Edelmetallinvestitionen. Der Anstieg der Prämien am Shanghai Gold Exchange Ende letzter Woche sei daher ein wichtiges Indiz für ein verstärktes Kaufinteresse an Gold. Zusammengenommen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass sich die Gründe für unsere positive Prognose gegenüber der letzten Woche nicht geändert haben. Entsprechend bestätigen die Strategen der Deutschen Bank Ihr Kursziel von 6'000 Dollar pro Feinunze in ihrem Rohstoffausblick.
(cash/bloomberg)
Dieser Artikel erschien zuerst bei Cash
