Seit zwei Jahren befindet sich der Goldpreis in einem Aufwärtstrend, der Anlegern satte Renditen beschert. Extrem niedrige Zinsen und eine beispiellose Geldflut führender Notenbanken im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie sorgen auch zuletzt für Nachfrage. Die meisten Experten rechnen daher auch 2021 mit einer Fortsetzung des Aufwärtstrends. Für einige Analysten sind auch neue Rekordpreise im Handel mit dem gelben Edelmetall möglich.

Dämpfer im Herbst

Zu den Experten mit einer besonders optimistischen Erwartung zählen Analysten der deutschen Commerzbank. Sie gehen davon aus, dass der Goldpreis bis Ende 2021 auf 2100 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) steigen könnte. Damit würde das Rekordhoch übertroffen, dass der Goldpreis im vergangenen Sommer bei 2075 Dollar erreicht hatte. Nach dem beispiellosen Höhenflug im Zuge der Coronavirus-Krise, musste der Goldpreis im Herbst allerdings einen Dämpfer einstecken und wurde kurz vor dem Jahresende an der Börse in London nur noch bei 1880 Dollar gehandelt.

Generell rechnen Fachleute 2021 mit einem weiteren Anstieg des Goldpreises. Die meisten der von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten erwarten, dass der Goldpreis in zwölf Monaten über dem aktuellen Niveau gehandelt wird. Allerdings rechnen sie Ende 2021 im Mittel nur mit einem Goldpreis von 1900 Dollar je Feinunze.

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Einer der stärksten Preistreiber wird nach wie vor in der extrem lockeren Geldpolitik führender Notenbanken gesehen. Selbst wenn die Coronavirus-Krise dank wirksamer Impfstoffe im Verlauf des Jahres 2021 eingedämmt werden kann, bleibt die Geldpolitik der Notenbanken noch auf lange Sicht extrem locker und die Schuldenberge führender Industriestaaten hoch. «Eine Änderung der ultra-expansiven Geld- und Fiskalpolitik erwarten wir trotz der bevorstehenden Impfungen nicht», sagte Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank.

Darüber hinaus müssen Anleger noch viele Jahre mit einer Fortsetzung der Nullzinspolitik der Zentralbanken rechnen. Damit bleibt Gold, welches keine Zinsen für die Investoren abwirft, weiterhin eine vergleichsweise lukrative Alternative für künftige Anlageentscheidungen. Zumal eine Reihe von Ökonomen für 2021 eine Rückkehr der Inflation erwarten.

Hochzeiten und Fernreisen als Treiber

Unmittelbar nach dem Abflauen der Coronavirus-Krise wird mit Nachholeffekten gerechnet, beispielsweise bei Ferienreisen. Die starke Nachfrage dürfte allerdings auf ein zu geringes Angebot in vielen Bereichen des Dienstleistungssektors treffen. Als Resultat wird eine deutlich stärkere Preisentwicklung erwartet. Gold könnte dann wieder verstärkt als Inflationsschutz genutzt werden.

Aber auch die Notenbanken selbst dürften nach Einschätzung von Experten wieder stärker als Käufer auf dem Weltmarkt in Erscheinung treten und ihre nationalen Goldreserven aufstocken. Nach zwei Jahren mit extrem hohen Goldkäufen hatte sich das Interesse der Zentralbanken 2020 merklich abgekühlt.

Als starker Preistreiber am Goldmarkt gilt aber vor allem die Nachfrage durch Finanzinvestoren. Laut einer jüngsten Umfragen des Branchenverbandes World Gold Council (WGC) habe es in den ersten drei Quartalen 2020 einen Rekord-Zufluss bei den mit physischem Gold hinterlegte Wertpapieren (Gold ETFs) gegeben. Der Verband bezifferte das Kaufvolumen auf rund 1000 Tonnen.

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Dagegen leidet die Schmucknachfrage nach wie vor unter den Folgen der Corona-Krise. Nach einem herben Einbruch im Frühjahr meldete der WGC zwar eine Erholung in den Sommermonaten, allerdings habe die Nachfrage im Zeitraum Juli bis September immer noch ein Drittel unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums gelegen.

Allgemein wird mit einer Fortsetzung der Erholung bei der Schmucknachfrage gerechnet. Experte Fritsch erwartet vor allem in China und in Indien einen deutlichen Anstieg der Verkaufsmenge. In beiden Ländern war die Nachfrage zuletzt durch die Folgen der Corona-Pandemie und rekordhoher Preise in den Schmuckgeschäften ausgebremst worden.

«Angesichts unzähliger wegen der Corona-Pandemie verschobener Hochzeiten hat sich zudem ein beträchtliches Nachholpotenzial aufgebaut, sollte sich das öffentliche Leben mit einem Impfstoff wieder halbwegs normalisieren», sagte Fritsch.

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(awp/tdr)