In den Markt für Eigenheime ist dank steigender Nachfrage für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen wieder Leben gekommen. Von Spitzenlagen in bestimmten Regionen und von Steueroasen abgesehen, schlägt sich das in den Preisen allerdings noch nicht allzu markant nieder, wie eine BILANZ-Umfrage bei Immobilienspezialisten quer durch die Schweiz ergab. Das IAZI-Informations- und Ausbildungs-Zentrum in Bülach konstatiert für das vergangene Jahr gesamtschweizerisch eine Verteuerung der Einfamilienhäuser um durchschnittlich 4,2 Prozent, des Stockwerkeigentums gerade mal um 0,9 Prozent. «Damit sollte der Markt für Wohneigentum aber Boden gefunden haben», meint Donato Scognamiglio von der Geschäftsleitung des IAZI. In Zusammenarbeit mit diesen Immobilienexperten bietet BILANZ übrigens die Möglichkeit, den Wert von Wohneigentum schätzen zu lassen.

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Pauschale Aussagen zur Preisentwicklung beim Wohneigentum sind heikel. Wir machten deshalb die Probe aufs Exempel. BILANZ hat zunächst ein Musterhaus in Zumikon ZH und eine Musterwohnung in Küsnacht ZH definiert. Das IAZI wiederum hat mit Hilfe seiner umfassenden Datenbank errechnet, was ebendiese beiden Objekte in den verschiedensten Gemeinden der sieben vom Bundesamt für Statistik aufgeteilten Grossregionen kosten würden.

Im Kanton Zürich liegen die Preise für Einfamilienhäuser gegenüber dem Höchststand von 1990 immer noch um 20 Prozent tiefer. Stockwerkeigentum ist verglichen mit den Boomjahren ebenfalls günstig. Gemessen am Immobilienindex der Zürcher Kantonalbank haben die Preise für Wohneigentum 1999 leicht angezogen: Einfamilienhäuser plus 1,1 Prozent und Eigentumswohnungen plus 0,5 Prozent. Für dieses Jahr rechnete die ZKB kürzlich noch mit einem durchschnittlichen Anstieg der Preise für Einfamilienhäuser von 3 Prozent, für Stockwerkeigentum von wiederum 0,5 Prozent.

«Doch möglicherweise liegt unsere Prognose für die Preisentwicklung bei Einfamilienhäusern schon wieder ein bisschen zu hoch», meint Patrik Schellenbauer, Immobilienexperte bei der ZKB. Denn höhere Hypothekarzinsen wirken dämpfend auf die Immobiliennachfrage. So ist die ZKB-Prognose für 2001 auch nicht unbedingt erstaunlich: gleich bleibende bis leicht rückläufige Preise. Allerdings sind die Preisunterschiede für Wohneigentum im Kanton Zürich enorm.

Im Espace Mittelland sind die Preisunterschiede auf Grund der flächenmässigen Ausdehnung dieser Region mit dicht besiedelten Agglomerationen und nahezu unbewohnten Landstrichen exorbitant. An der Spitze liegt der Kanton Bern mit der Bundeshauptstadt und den umliegenden Gemeinden. «Im Gürtel rund um Bern war die Nachfrage sowohl für Einfamilienhäuser als auch für Eigentumswohnungen im vergangenen Jahr sehr hoch, und die Preise haben leicht angezogen», sagt Thomas Graf, Sekretär des Schweizerischen Verbandes der Immobilien-Treuhänder ( SVIT) in der Sektion Bern.

«Mit Ausnahme von Topstandorten ist kein Anziehen der Preise festzustellen», sagt wiederum Ivo Bracher von der Firma Bracher Haus und Eigentum in Solothurn. Er moniert, dass teilweise immer noch an den Kundenbedürfnissen vorbei gebaut werde. Froh, dass sich die Preise endlich stabilisiert haben, ist Jean-Claude Fatio, SVIT-Vorstandsmitglied der Berner Sektion mit Sitz in Biel. Er ist auch weit hinein in den Jura aktiv. Je nach Region und Lage seien die Preise für Wohneigentum seit Anfang 1990 um 20 bis 30 Prozent eingebrochen und verharrten bisher auf dem niedrigen Niveau. Beim Bau von Einfamilienhäusern laufe gegenwärtig fast gar nichts. In der Stadt Biel und ihrer direkten Umgebung gebe es immerhin eine rechte Nachfrage nach Eigentumswohnungen.

Die Nordwestschweiz umfasst die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft sowie den Aargau, wo es in eher ländlichen Gebieten massive Preiseinbrüche gegeben hat. «Neue Einfamilienhäuser werden heute unter 500 000 Franken angeboten, vor gut zehn Jahren waren entsprechende Objekte 100 000 Franken teurer», sagt Peter Riechsteiner, Leiter der Immobilienberatung bei der Basler Kantonalbank. In der Region insgesamt habe die Nachfrage sowohl für Einfamilienhäuser als auch für Stockwerkeigentum angezogen. Im Baselbiet ist die Depression nach der Fusion von Ciba und Sandoz jedenfalls überwunden, die Nachfrage nach Wohnungseigentum wieder intakt, und die Preise halten sich auf vergleichsweise hohem Niveau.

In der Zentralschweiz haben die Statistiker die Kantone Luzern, Schwyz, Zug, Obwalden, Nidwalden und Uri zusammengefasst. Trotz der starken Korrektur in den Neunzigerjahren ist die Zentralschweiz hinter Zürich die teuerste Immobilienregion der Schweiz, wobei die Preise enorm differieren Steuervorteile in Schwyz oder Zug ziehen Wohlhabende an, was sich in hohen Preisen für Wohneigentum niederschlägt.

«In der Zentralschweiz war der Rückgang der Preise für Wohneigentum nicht ganz so spektakulär wie in anderen Regionen der Schweiz, weil in der Boomphase die Preissteigerung auch nicht so extrem ausgefallen war», sagt Bernard Kobler, Geschäftsleitungsmitglied der Luzerner Kantonalbank. Sowohl bei Einfamilienhäusern wie auch bei Stockwerkeigentum habe sich das Preisniveau 1999 stabilisiert. Kobler sieht die Immobilienpreise in den nächsten Jahren um ein paar Prozentpunkte steigen, allerdings nur an bevorzugten Lagen.

«Die Bautätigkeit bei Einfamilienhäusern und Stockwerkeigentum ist recht lebhaft, aber nur an gut erschlossenen Lagen», beobachtet Heinrich Tischhauser, Leiter der KB Immoservice, St. Gallen, in der Ostschweiz. Auch die Preise für selbst genutzte Wohnimmobilien haben nach der Feststellung Tischhausers leicht angezogen, liegen aber im Zehnjahresvergleich tief. Hätten bei den Einfamilienhäusern im vergangenen Jahr noch Verkäufe durch Banken das Preisniveau gedrückt, so sei das jetzt ausgestanden.

«Preise tendenziell eher anziehend, aber nicht markant», beschreibt Hans-Jörg Berger, SVIT-Präsident der Sektion Graubünden die Situation in diesem Kanton. Er sieht seit geraumer Zeit eine Abwanderung aus den Agglomerationen. So nehme die Wohnbevölkerung der Stadt Chur kontinuierlich zu.

Einen moderaten Anstieg der Preise für Eigenheime im Kanton Genf beobachtet Martina Glaser, die bei der UBS den Schweizer Immobilienmarkt analysiert. Genf zählt mit den Kantonen Waadt und Wallis zur Genferseeregion. «Genf und Zürich gehören zu den Zugpferden», konstatiert sie. Beide Wirtschaftszentren zögen Arbeitskräfte an, was die Nachfrage nach Wohneigentum stimuliere. Und da sich die Einkommen voraussichtlich weiter verbesserten, werde sich diese Entwicklung fortsetzen.

«Seit einem Jahr ist hier wieder Leben in den Markt gekommen», konstatiert auch Denis Burrus, bei der alteingesessenen waadtländischen Immobilienfirma De Rham an der Verkaufsfront. Die Nachfrage nach Einfamilienhäusern und Stockwerkeigentum könne momentan kaum befriedigt werden. Das kann Christian Andenmatten, offizieller Immobilienschätzer in Sierre, für das Wallis nicht behaupten. Hier seien die Preise für Wohneigentum in den letzten zehn Jahren um 30 Prozent gesunken und liegen noch immer auf diesem Niveau.

Im Tessin, wo die Preise für Wohneigentum im Vergleich zu anderen Regionen noch günstig sind, hat sich der Markt für Wohneigentum schon in den Sechzigerjahren geteilt. Eigentumswohnungen befinden sich weitgehend im Besitz von Ausländern oder Deutschschweizern. Einheimische leben im eigenen Haus oder wohnen zur Miete. «Stockwerkeigentum kompliziert das Leben, das liegt uns Tessinern nicht so», meint Alberto Montorfani, Immobilienexperte bei der Fidinam in Lugano. Nach einer Stabilisierung im Jahr 1999 gehen auch hier die Preise für Einfamilienhäuser jetzt leicht hoch, «vor allem an guten Lagen», wie er betont. Auch hat die Zahl der Baugesuche nach Montorfanis Feststellungen zugenommen. Ob die Projekte aber auch realisiert würden, müsse sich in den nächsten Monaten zeigen: «Angesichts der Hypothekarzinserhöhungen könnte der eine oder andere Bauherr das Handtuch werfen.»