Tesla ist an der Börse nun hundert Milliarden Dollar wert. Wie zuversichtlich sind Sie für die Zukunft des US-Konzerns?
Langfristig bin ich für Tesla sehr zuversichtlich, denn das Unternehmen verfügt über einen Vorsprung in dieser zukunftsweisenden Technologie. Die Aktie ist allerdings sehr volatil und ist nach den spektakulären Kursgewinnen anfällig für eine Korrektur. Mit Zukäufen würde ich daher warten, bis sich der Kurs auf tieferem Niveau einpendelt.

Philipp Grüebler

Philipp Grüebler ist Portfolio Manager und Geschäftsführer der Grüebler Vermögensverwaltung AG. Bevor er im Jahr 2000 zur Grüebler Vermögensverwaltung AG stiess, arbeitete er bei UBS und Credit Suisse. 1995 schloss er das Betriebswirtschaftsstudium mit dem Lizenziat ab und 2000 den Chartered Finanicial Analyst (CFA).

Quelle: ZVG

Nachhaltiges Investieren liegt im Trend. Welche Strategie empfehlen Sie Investoren, die ihr Geld ökologisch und sozial verträglich anlegen möchten?
Als einzelner Investor ist es schwierig, die ökologischen und sozialen Implikationen einzelner Titel zu überwachen. Die grossen Anbieter von ETF bieten jedoch entsprechende Index-Produkte zu niedrigen Kosten an. Ich würde daher ihre verschiedenen Ansätze und Produkte vergleichen. Als Anleger sollte man zudem bedenken, dass solche Themen auch zu Marketingzwecken missbraucht werden.

Die USA verdächtigen die Schweiz wieder der Währungsmanipulation. Schränkt dieser Status den Handlungsspielraum der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ein?
Die SNB hat damit  einen Warnschuss vor den Bug bekommen und ihr Handlungsspielraum dürfte kleiner sein, weil sie bei Devisenmarktinterventionen nun vorsichtiger agieren muss. Das Problem ist, dass dies Spekulanten ermutigen könnte, gegen die SNB zu agieren, um eine Aufwertung des Schweizerfrankens zu erzwingen.

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In China verbreitet sich ein neues Virus. Könnte die globale Konjunktur durch den Krankheitserreger Schaden nehmen?
Der neue Virus hat das Potenzial, der globalen Konjunktur zu schaden, weil er sich wie damals SARS in einer wichtigen wirtschaftlichen Region Asiens  ausbreitet. Damals wurde die Wirtschaft Grossstädten aus Angst vor dem Virus über Wochen behindert und kostete China 2003 1 Prozent Wirtschaftswachstum. Heute ist die Situation noch nicht so besorgniserregend: Die Regierung hat aber bereits den öffentlichen Verkehr aus und in die 11 Millionen Stadt Wuhan unterbunden.

Und was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte sonst noch?
Während diese Woche das WEF tagt, wird durch die Verbreitung eines Coronavirus in Asien die Erinnerung an den Ausbruch von SARS geweckt. Noch scheint dieser neue Virus weniger gefährlich zu sein (tiefere Mortalität und weniger ansteckend), doch muss die weitere Entwicklung abgewartet werden. Chinesische Aktien geraten derweil unter Druck.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Kurzfristig wird sich die Schweizer Börse seitwärts bewegen, nachdem sie letzte Woche zulegte. Wichtig für die Börsen werden die Gewinnmeldungen in den kommenden Wochen sein: Übertreffen diese die Erwartungen, können wir mit einem neuerlichen Kursschub rechnen.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Nachdem der SMI im letzten Jahr 26 Prozent gestiegen ist, sind sehr hohe Erwartungen in den Kursen enthalten. Es ist daher wenig wahrscheinlich, dass er 2020 nochmals stark zulegen kann. Ich erwarte daher ein Niveau von 11000 Punkten. Allerdings bieten schweizerische Industriewerte, welche ein tiefes Kurs-Gewinn-Verhältnis aufweisen, Chancen auf Kursgewinne.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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