Wenn das Bargeld knapp ist, kaufen Sie vielleicht keine neue Sommergarderobe oder keinen Sportwagen, aber die Chancen stehen gut, dass Sie Ihre Rechnung für Strom, Gas und Wasser trotzdem bezahlen.

Das ist ein Grund, warum Versorgungsunternehmen in Zeiten der Marktunsicherheit als Zufluchtsort für Investoren angesehen werden. Hinzu kommt, dass viele Versorgungsunternehmen durch staatliche Vorschriften geschützt sind und Investoren hohe Dividenden zahlen.

Aber für Jay Rhame, der eine drei Milliarden Dollar schwere Vermögensverwaltungsfirma leitet, geht es bei Versorgungsunternehmen nicht nur um Sicherheit. Es geht auch um Wachstum.

Der Drei-Milliarden-Dollar-Vermögensverwalter

Jay Rhame kam 2005 zu Reaves Asset Management. Im Januar 2019 wurde er zum CEO ernannt. Zuvor war er als Analyst in den Bereichen Telekommunikation, Energie und Versorgungsunternehmen tätig. Jay Rhame ist ausserdem Co-Portfoliomanager des Virtus Reaves Utilities ETF und Co-Manager des Reaves Utility Income Fund UCITS. Er ist Mitglied der Portfolio-Überprüfung und des Risikomanagement-Ausschusses. Jay Rhames hält einen einen Bachelor of Arts des St. Mary's College of Maryland.

«Wir freuen uns sehr über den Versorgungssektor», sagt Rhame, der CEO von Reaves Asset Management, einer Firma, die sich auf Investitionen in wesentliche Dienstleistungen konzentriert und ihren Hauptsitz in Jersey City, New Jersey, hat. «Das Potenzial, fast das gesamte globale Stromnetz neu zu gestalten und von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umzustellen, ist möglicherweise ein jahrzehntelanger Trend, von dem die Versorgungsunternehmen profitieren werden.»

Die Kosten für Sonnenkollektoren sind in den letzten zehn Jahren um etwa 80 Prozent, die Preise für Windkraftanlagen laut der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien um bis zu 40 Prozent gesunken. Das werde ein nachhaltiges Wachstum im Versorgungssektor anregen, meint Rhame.

«Der Anreiz, mehr erneuerbare Energien zu bauen, nimmt einfach weiter zu», sagt er. «Die wirtschaftlichen Trends sorgen dafür, dass Sie beginnen können, Vertrauen in das Wachstum der Versorgungsunternehmen in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu haben», so Rhame.

Versorgungsunternehmen bleiben trotz Krise stark

Reaves verwaltet Vermögen im Wert von etwa drei Milliarden Dollar. Traditionell ist etwa ein Drittel der Investitionen des Unternehmens im Versorgungssektor getätigt worden, während die anderen Investitionen in den Kommunikations- sowie den Öl- und Gassektor fallen.

In den vergangenen zwei Jahren habe Reaves viele seiner Öl- und Gasinvestitionen verlagert, sagt Rhame, wegen einer Reihe von Herausforderungen – vom allmählichen Rückgang der Ölnachfrage oder dem Nachfragewachstum bis hin zu den schlechten Renditen der US-Schieferunternehmen – für den Sektor.

Die Versorgungsunternehmen hingegen hätten ihre starken Fundamentaldaten beibehalten, sagt Rhame und schliesst sich damit dem an, was die Analysten von Morgan Stanley in einer im vergangenen Monat veröffentlichten Notiz geschrieben haben.

Die Morgan-Stanley-Analysten sagen voraus, dass – während die Stromnachfrage im Laufe des Jahres um etwa fünf Prozent zurückgehen könnte – «die langfristige Ertragskraft und das Wachstumspotential für US-Versorgungsunternehmen unverändert bleiben».

«Niemand hat die Dividenden gekürzt.»

Jay Rhame

Hinzu kommt, dass, während viele Öl- und Gasunternehmen ihre Dividenden kürzten und ihre Investitionsausgaben drosselten, die Versorgungsunternehmen die Gewinnsaison überstanden, «wobei die meisten Unternehmen ihre Prognosen einhielten», wie Rhame ausführt. Rhame weiter: «Wirklich, niemand hat seine Dividenden gekürzt.»

Erneuerbare Energien geben dem Versorger-Sektor Rückenwind

Für Rhame stellt Wachstum der wichtigste Faktor für das Gesamtrenditepotenzial eines Unternehmens dar, weshalb er davon ausgeht, dass billige erneuerbare Energien wahrscheinlich dem Versorgungssektor zugutekommen werden.

«Es ist beinahe billiger, eine nagelneue Wind- und Solarenergie-Anlage zu bauen, als ein bestehendes Kohlekraftwerk zu betreiben», sagt er. «Wenn Sie ein Energieversorger sind, können Sie Ihr bestehendes Kohlekraftwerk abschalten, ein brandneues Wind- oder Solarkraftwerk bauen und tatsächlich das Geld der Kunden sparen», sagt er.

«Es ist eines der ersten Male, dass Regulierer und Versorgungsunternehmen auf derselben Seite stehen.»

Jay Rhame
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Versorger verlangen oft Tariferhöhungen, wenn sie neue Kraftwerke bauen wollen, führt Rhame weiter aus. Wenn diese Kraftwerke Energie aus fossilen Brennstoffen erzeugen, «sieht das die Politik nicht gerne.» Die Geschichte ändert sich, wenn diese Tariferhöhungen an den Bau von Kraftwerken mit erneuerbaren Energien gebunden sind.

«Es ist eines der ersten Male, dass Regulierer und Versorgungsunternehmen auf derselben Seite stehen», meint Rhame. Alles, was sie tun, ist, die Kosten zu senken und die Luft sauberer zu machen», sagt er. Jetzt gehe es weniger um Politik als um Wirtschaft. Und so sei eine ziemlich aufregende Zeit in diesem Sektor angebrochen.

Versorgeraktien: Die Top-3-Auswahl von Rhame

Rhame konzentriert sich auf Unternehmen, die einen nachhaltigen fünf- bis zehnjährigen Wachstumsplan haben. «Wachstum mehr als der reine Ertrag war uns immer sehr wichtig», sagt er.

Die grösste Beteiligung des Unternehmens ist NextEra Energy mit Sitz in Florida, der grösste Stromversorger der Welt. Das Unternehmen habe von seinem Wachstum im Bereich der erneuerbaren Energien profitiert, sagt Rhame, und seine Grösse sei Kostenvorteilen gewichen.

Rhame glaubt, dass der Gewinn pro Aktie von NextEra in den nächsten Jahren im hohen einstelligen Prozentbereich wachsen könnte.

CMS Energy aus Michigan ist auch «ein echter Favorit» von Reaves, sagt Rhame. Das Unternehmen verfüge über reichlich Kohleaktiva, die es durch erneuerbare Energien ersetzen könne, was die Steuersätze senken werde. Noch wichtiger sei, dass CMS «eines der besten Management-Teams der Branche bei gleichzeitiger Kostenkontrolle» habe.

Schlussendlich setzt Rhame ausserdem auf Neuenglands Eversource. Wie CMS habe das Versorgungsunternehmen ein «hervorragendes Managementteam», das in der Lage sei, die Kosten zu kontrollieren – und das werde sich als nützlich erweisen, da Eversource stärker in die Offshore-Windenergie investiere.

Eversource wird auch von der Übernahme einer Erdgas-Tochtergesellschaft des Energiekonzerns NiSource für 1,1 Milliarden Dollar Anfang dieses Jahres profitieren, die nach einer Reihe von Erdgasexplosionen im Jahr 2018 erfolgte.

«Wir glauben, dass Eversource in der Lage war, eine ziemlich gute Akquisition zu tätigen, zumindest zu einem guten Preis», sagt Rhame. «Sie haben das Potenzial, das Unternehmen wirklich gut zu führen, und wir könnten dadurch einen kleinen Auftrieb erhalten.»

Dieser Artikel zählt zum Abo-Angebot des «Business Insider Prime». Das Original wurde aus dem Englischen übersetzt.

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