Wird die weithin gefürchtete KI-Blase diesen Bullenmarkt beenden? Bekanntlich glauben viele, dass die KI-Aktien zu weit und zu schnell gestiegen sind und damit einen Kollaps wie im Jahr 2000 auslösen könnten.
Falsch! Zwar hat sich die Stimmung erwärmt, aber der Anstieg der KI ähnelt kaum der Internetblase der späten 1990er Jahre. Ein einfaches Geheimnis? Die anhaltenden Warnungen vor einer Blase zeigen, dass wir uns nicht in einer befinden.
Ja, der KI-Hype ist allgegenwärtig. Aktien, die am meisten davon betroffen sind – vor allem amerikanische – haben einen rasanten Anstieg erlebt. Die Stärke des Frankens drückt Ihre Renditen nach unten, denn bis Mitte Dezember sind die weltweiten Tech-Werte nur um 7 Prozent gestiegen. Aber in US-Dollar sind sie viel stärker. Technologiewerte sind in diesem Jahr um 22 Prozent gestiegen und haben den Anstieg der weltweiten Aktien um 20 Prozent angetrieben. Unabhängig von der Währung hat sich die Tech-Branche seit 2022 mehr als verdoppelt – und damit auch die Gewinne der globalen Märkte verdoppelt.
Der Gastautor
Ken Fisher ist Gründer und Executive Chairman von Fisher Investments, einer Vermögensverwaltungsfirma, die weltweit Niederlassungen hat und über 362 Milliarden Dollar verwaltet. Fisher zählt zu den einflussreichsten (und auch reichsten) Investmentmanagern der USA.
Im Jahr 2025 investierten die Unternehmen mehr als 337 Milliarden CHF in KI, um Rechenzentren, Chips, Server und vieles mehr zu finanzieren. Auch Regierungen beteiligten sich – wie die Schweiz, die unzählige KI-Initiativen unterstützt. Wilde KI-Prognosen gibt es zuhauf.
Das Klagen der Bären
All das bringt Bären dazu, über Investitionsausgaben zu klagen. Oder über Unternehmen, die sich abmühen, profitable KI-Praktiken zu finden. Einige behaupten, KI werde die Welt tatsächlich verändern – aber erst nach einem Zusammenbruch, der die überbewerteten Aktien erschüttert. Andere erwarten eine Dystopie, in der Maschinen Arbeitsplätze vernichten ... oder uns.
Bären halten es für ein «Risiko», dass einige KI-Firmen mehr Schulden machen und sich «zirkulär» finanzieren. Falsch! Ja, einige KI-Firmen geben Anleihen aus. Aber die meisten grossen Unternehmen verfügen über mehr Barmittel als Schulden.
Zirkuläre Finanzierungen zeigen angeblich die Schwäche der KI-Ökosphäre: Lieferanten investieren in KI-Firmen, die dann deren Produkte kaufen. Aber auf solche Geschäfte entfallen weniger als 4 Prozent der Ausgaben der grossen KI-Firmen.
Beachten Sie stattdessen diese Fakten. Bei den meisten KI-Aktien, die einen Höhenflug erleben, handelt es sich um riesige Unternehmen, deren Gewinne parallel dazu sprunghaft angestiegen sind. Fakt ist: Die meisten expandieren über den freien Cashflow, nicht über Schulden oder die Ausgabe von Aktien. Fakt ist: Ihre Umsätze steigen rasant und der Ausbau der KI schmälert die Gewinne nicht. Im Jahr 2023 lagen die Gewinnmargen der weltweiten Tech-Unternehmen bei durchschnittlich 47 Prozent. Heute? 51 Prozent.
Das ist anders als bei der Blase und dem Bärenmarkt im Jahr 2000. Damals haben sich die profitlosen Internetfirmen endlos in den Konkurs gestürzt. Die einzige echte Parallele: Tech-Aktien sind teuer. Aber entgegen aller Mythen sind die Bewertungen nicht vorhersehbar.
Echte Blasen werden nur selten erkannt
Ein untrügliches Zeichen dafür, dass es sich nicht um eine Blase handelt: So viele Leute sagen, es sei eine! Echte Blasen werden nur selten erkannt, während sie entstehen. Vielmehr sehen die Menschen nur die offensichtlichen Gelegenheiten. Die wenigen Ungläubigen, die vor Blasen warnen, werden vielfach kritisiert.
Ich weiss das. In meinen damaligen Forbes-Kolumnen (noch immer online verfügbar) habe ich eine Blase im Spätstadium vorausgesagt. Hassbriefe gingen ein, in denen es hiess: «Es ist das Internet, Dummkopf.» Und heute? Die meisten halten diejenigen, die sich über Blasen Sorgen machen, für «vernünftig». Das ist bullish.
Technologieaktien können durchaus fallen (oder steigen). Aber ein Absturz allein ist noch keine Blase. Blasen führen zu weit verbreiteten Konkursen und werden wiederum im Vorfeld kaum bemerkt. Sie erinnern sich vielleicht daran, dass der ehemalige Vorsitzende der US-Notenbank Alan Greenspan 1996 vor «irrationalem Überschwang» warnte – mehr als drei Jahre vor dem Platzen der Blase! Nach seiner Rede stiegen die US-Aktien um weitere 174 Prozent, während die US-Tech-Werte um 515 Prozent stiegen (ohne Dividenden)! Selbst der technologiearme SPI stieg um 119 Prozent, bevor er seinen Höhepunkt erreichte.
Mitte der 1990er Jahre überwog die Angst die Gier, genau wie heute. Frühzeitige Verkäufe erwiesen sich als kostspielig – selbst nach dem starken Einbruch des SPI im Jahr 1998 und der anschliessenden Erholung. Die Annahme, dass ein Höchststand kurz bevorsteht, riecht nach Selbstüberschätzung. Lassen Sie sich darauf nicht ein.
Bedenken vor einer Blase fügt der «Mauer der Angst», die Aktien erklimmen, weitere Bausteine hinzu. Begrüssen Sie dies.

