Doch dann nimmt man staunend zur Kenntnis, dass Schweizer Architekten in den letzten Monaten gleich reihenweise Projekte rund um die Welt zugesprochen bekommen haben. Schweizer Architektur als erfolgreiche Exportindustrie – das ist für mich in diesem Ausmass neu. Es ist verblüffend, zu welchen Leistungen dieser Wirtschaftszweig fähig ist.

Als Kind war ich stolz, den Namen des Brückenbauers Ammann zu kennen, der aber längst in den USA arbeitete. Auch dass der grosse «Franzose» Le Corbusier aus La Chaux-de-Fonds stammte, war mir schon früh geläufig. Doch dann hörte für mich als Laie die Reihe der Grosstaten im internationalen Bauen auf.

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Die neuere Zeitrechnung hat dann mit Mario Botta begonnen, der bis heute weltweit von Erfolg zu Erfolg eilt. Bald danach ist der Stern von Herzog & de Meuron aufgegangen, die inzwischen über 150 Mitarbeiter beschäftigen und jüngst mit dem Olympia-Stadion in Peking einen weiteren «Big Fish» an Land ziehen konnten, nachdem sie bereits in München den Stadion-Zuschlag erhalten hatten.

Ebenfalls für Schlagzeilen sorgen Burckhardt+Partner, die auch in Chinas Hauptstadt ein Grossstadion bauen können. Und noch manch andere Architektur-Unternehmer wären anzuführen, welche im Ausland eindrückliche Projekte realisieren. Etwa Diener+Diener oder Peter Zumthor, um nur die bekanntesten zu nennen.

Mit dieser Interior-BILANZ gehen wir nicht auf die «Big Players» ein, beschreiben aber den einheimischen Humus, auf dem diese globalen Leistungen erst gedeihen können. Sie bestimmen, in welcher Qualität und welchem Stil gebaut, ausgebaut und umgebaut wird. Ohne Sie als lokale Nachfrager qualitativ hochstehender Architektur wäre alles nichts. Die besten Architekten und Designer würden auswandern, und die mitgefeierten Ausbildungsstätten würden über kurz oder lang massiv an Niveau verlieren.

Wir zeigen Ihnen überzeugende Leistungen mit Schwerpunkten im Engadin und im Tessin, wo überall Bauherren und Baufrauen Kunden sind, welche ihre Architekten zu Höchstleistungen motivieren. Darüber hinaus finden Sie reihenweise Objekte der Begierde, mit denen sich schöner wohnen und kochen lässt.

Doch stets sollten wir beherzigen, was Helmut A. Gansterer auf Seite 66 schreibt: «Jede übertriebene Reinheit in Stil und Farbe ist lächerlich.»

Ich wünsche Ihnen bei Ihrem nächsten Bau- oder Wohnvorhaben viel eigenen Geschmack.
Medard Meier

Die Lifestyle-BILANZ Interior wurde von Hanspeter Eggenberger (Redaktion), Anja Binkert (Gestaltung) und Susanne Märki (Bildredaktion) realisiert.