Das Umfeld in Europa ist kompliziert: Die Verhandlungen über den Brexit befinden sich in der entscheidenden Phase, vor dem offiziellen Austrittsdatum im März 2019 kann jedoch noch viel passieren. Und die italienischen Staatsfinanzen geben Anlass zur Sorge. Zudem haben nationalistische und populistische Bewegungen das Potenzial überall in Europa bei den Europawahlen im Mai 2019 an Macht zu gewinnen.

Zugleich hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Quantative Easing Ende 2018 beendet. Bei den Zinsen kann davon ausgegangen werden, dass diese bis Sommer 2019 unverändert bleiben. Wenn sich Wachstum und Inflation wie erwartet entwickeln, dürfte die EZB die Zinsen aber Ende 2019 leicht anheben.

Im Gegensatz dazu würde die Bank of England die Zinsen wohl gerne anheben, hat diesen Schritt aber bislang aufgrund der Unsicherheit rund um den Brexit gemieden. Hier dürfte erst eine Entscheidung fallen, wenn die zukünftigen Beziehungen zur Europäischen Union klarer werden.

Politische Unsicherheit

Trotz der politischen Unsicherheit und ihrer grossen Bedeutung für die Stimmung: Wenn die Weltwirtschaft stabil bleibt, dürften viele international ausgerichtete europäische Unternehmen davon profitieren.

Vor allem europäischen Banken und zyklischen Industrieunternehmen kämen optimistischere Weltwirtschaftserwartungen entgegen. Derzeit prognostiziert der Internationale Währungsfonds für 2019 ein recht ordentliches Weltwirtschaftswachstum von 3,7 Prozent.

Airbus und Adidas mit attraktiven Bewertungen

Positiv ist auch, dass europäische Aktien in vielen Sektoren niedriger bewertet sind als US-amerikanische Titel. In Europa ist die politische Risikoprämie höher als in den USA, doch es gibt auch Chancen.

Gute Beispiele für günstig bewertete europäische Unternehmen sind der französische Flugzeughersteller Airbus und sowie der deutsche Sportartikelhersteller Adidas, die gegenüber ihren amerikanischen Pendants Boeing und Nike niedrigere Bewertungen besitzen.

Die Unternehmen haben stabile Finanzen und gute Langfristperspektiven. Ihre niedrige Bewertung hat viel mit dem Land, in welchem sie ihren Sitz haben, zu tun. Trotzdem bleibt wichtig, selektiv zu sein, um erfolgreiche Titel in Europa zu identifizieren.

*Robert Lind, politischer Volkswirt bei Capital Group