Wer vor zweieinhalb Jahren im Dezember 2020 für 1000 Euro in den Bitcoin eingestiegen wäre, hätte seine Anteile vor einem guten halben Jahr für mehr als 3000 Euro wieder verkaufen können. Ein Gewinn von satten 2000 Euro und eine 200-prozentige Rendite in ziemlich kurzer Zeit – ein Traum für jeden, der versucht, sein Vermögen anzulegen und zu vermehren.

Viele Kryptoanleger, die früh investiert haben, dürften sich jetzt allerdings ärgern, dass sie vor sechs Monaten, als der Bitcoin seinen Höchststand hatte, nicht verkauften.

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Denn die 1000 Euro, die damals in den Bitcoin geflossen sind, sind jetzt wieder nur noch 1000 Euro wert. Der Kurs hatte eine ziemlich steile Fahrt nach oben hingelegt und befindet sich jetzt auf einem ähnlich schnellen Weg nach unten.

 

Hasler

Finanzanalyst Peter Thilo Hasler ist kein Freund von Kryptowährungen, durch den aktuellen Crash sieht er sich bestätigt.

Quelle: LinkedIn

Das gilt allerdings nicht nur für den Bitcoin. Der Token von Ethereum, kurz Ether und die zweitwichtigste Kryptowährung am Markt, legt einen noch rasanteren Absturz hin und befindet sich nur knapp über der 1000-Dollar-Grenze. Doch brechen jetzt die Kryptowährungen komplett ein? Platzt die vermeintliche «Kryptoblase»? 

Nein, meint Finanzexperte und Analyst Peter Thilo Hasler – zumindest noch nicht. Denn die Verunsicherung der Anleger sei noch nicht gross genug, sagt er im Gespräch mit «Business Insider».

«Kryptos ähneln Briefmarkensammlungen. Sie haben keinen Wert, sondern nur einen Preis.»

Erst, wenn blanke Panik herrsche, werde die Blase platzen. Früher oder später, so ist sich Hasler sicher, werde dies aber auf jeden Fall passieren, weil dies, ähnlich einem Naturgesetz, immer passieren würde.

«Wir werden zukünftig noch schnellere Kursverfälle sehen und in zehn Jahren spricht niemand mehr über Kryptos», ist Hasler überzeugt. «So wie wir heute nur den Kopf schütteln, wenn wir lesen, was im 17. Jahrhundert für Tulpenzwiebeln bezahlt worden ist.»

Zwei Argumente, warum Kryptowährungen einbrechen könnten

Was macht den Analysten da so sicher? Im Grunde sind für ihn zwei Dinge ausschlaggebend. Kryptowährungen müssten sich entweder als Vermögensspeicher oder als Währung etablieren. Keines von beidem sieht Hasler gegeben – mit einer kleinen Ausnahme.

Bitcoin und Ether sind keine sicheren Vermögensspeicher, weil laut Hasler ihr Kurs viel zu risikobehaftet ist. Zum anderen ist er der Meinung, dass sie schlichtweg keinen Wert hätten.

«Im Gegensatz zu anderen Wertpapieren generieren Kryptowährungen keinen Cashflow. Auch für die Zukunft sehe ich nicht, wie sie einen Nutzen generieren könnten», erklärt Hasler.

Was er damit genau meint, verdeutlicht er an einem Beispiel. Ein Unternehmen generiert Cashflows, für die Anleger einen bestimmten Betrag zu zahlen bereit sind. Damit hat auch die Aktie eines Unternehmens immer einen bestimmten Wert. Wächst das Unternehmen, weil es erfolgreich wirtschaftet, wächst auch der Wert des Unternehmens – und die Aktie steigt.

Kryptos hingegen ähneln Briefmarkensammlungen. Sie hätten keinen Wert, sondern nur einen Preis. Preise aber seien von Stimmungen und neuen Informationen – etwa einem Tweet von Elon Musk – abhängig, die man als Aussenstehender nicht vorhersagen könne.

«Wenn man es genau betrachtet, haben sie sogar einen negativen Wert: der sich aus dem enormen Energieverbrauch speist», argumentiert Hasler.

Aber auch als Währungen könnten sich Haslers Ansicht nach Kryptos nicht durchsetzen. Lange galten sie in Krisen – sowie andere Währungen auch – als sicherer Hafen. Dieses antizyklische Verhalten zu fallenden Kursen hat sich jetzt jedoch verändert. Viel mehr fallen die Kryptowährungen mit den anderen Wertpapieren, allerdings deutlich stärker.

«Verhalten sich nicht wie normale Währungen»

Ein wesentliches Kriterium einer Währung ist aber ihre Wertaufbewahrungsfunktion. Die ist Haslers Einschätzung nach bei Kryptowährungen nicht gegeben. «Wenn Kryptowährungen sich in einem Jahr dritteln, wird sichtbar, dass sie sich nicht wie normale Währungen verhalten.»

Zudem gebe es viele technische Hindernisse, die Kryptowährungen für den alltäglichen Gebrauch unbrauchbar machten.

Eine Ausnahme macht Hasler allerdings. Stablecoins, deren Preis an andere Währungen gebunden sind, hätten durchaus eine Existenzberechtigung: «Sie könnten beispielsweise dabei helfen, Zahlungen aus dem Ausland, die über Banken abgewickelt werden, schneller und günstiger abzuwickeln. Aber ob das das ganze Bohei rechtfertigt?»