«Brummis auf der Bremse», überschrieb ich Ende 2012 meine Kolumne. Seither hat sich bei den beiden führenden Schweizer Transportfirmen einiges getan – hin zum Positiven. So ist der Umsatz bei Panalpina im vergangenen Jahr zwar nur mässig gewachsen, dafür konnten wieder schwarze Zahlen geschrieben werden – wenn auch nach Rückstellungen und Abschreibern nur knapp. Für Cheflogistiker Peter Ulber ist klar: «Bei der Profitabilität gibt es immer noch viel Verbesserungspotenzial.» Immerhin zeigen die ersten Zahlen für das laufende Geschäftsjahr, dass Panalpina weiterhin an Fahrt aufnimmt.

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Konkurrent Kühne + Nagel hat für 2013 anständige Zahlen vorgelegt; bei einem schwachen Umsatzwachstum ist der Ertrag um gut ein Fünftel gestiegen. Detlef Trefzger, der seit knapp einem Jahr am Steuer von Kühne + Nagel sitzt, sieht das Unternehmen auf Kurs. «Wir setzen auf Kontinuität in der Strategie», meinte er im Frühling. Die Zahlen für das erste Halbjahr 2014 geben ihm recht; einer erneut mageren Umsatzentwicklung stehen deutliche Ertragsfortschritte gegenüber.

Beide Gesellschaften geben wieder mehr Gas. Und dennoch sind sie noch weit entfernt von einem anständigen Tempo, das auch bei den Aktienkursen für Aufwind sorgen würde. Für meinen Geschmack ist einfach zu wenig Drive in den Papieren der Transporteure. Kommt dazu, dass deren Valoren hoch bewertet sind; Kühne + Nagel weisen für dieses Jahr ein geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 21,6 auf, Panalpina kommen sogar auf 29,7.

Mini-Buffetts

Das US-Investmenthaus Berkshire Hathaway liefert seit langem Top-Resultate. So auch für das vergangene Jahr: 330 000 Mitarbeiter erwirtschafteten einen um zwölf Prozent höheren Umsatz von 182 Milliarden Dollar, der Gewinn kletterte sogar um ein Drittel auf 19,5 Milliarden. Die Börsenkapitalisierung stellt sich mittlerweile auf stolze 317 Milliarden. Nur sind die A-Aktien gutbetuchten Anlegern vorbehalten, kostet ein einziges Papier doch mehr als 190 000 Dollar. Seit 1996 gibt es immerhin B-Titel, auch «Baby-Berkshires» genannt; diese sind für knapp 130 Dollar zu haben. Und dann werden ja auch noch diverse Optionen sowie Zertifikate angeboten.

Die Aktien besitzen längst Kultstatus. Doch ist Berkshire respektive deren legendärer Chef Warren Buffett tatsächlich so gut, wie das die Anleger meinen? Über die letzten zehn Jahre haben Berkshire 114 Prozent an Wert zugelegt, während der vom 83-jährigen Investor als Vergleichsmassstab herangezogene S&P 500 rund 80 Prozent gewann. Buffetts guter Riecher für gewinnträchtige Anlagen zeigt sich langfristig noch deutlicher: Seit 1984 hat der S&P 500 um das Zwölffache zugenommen, mit den Aktien Berkshire Hathaway aber war das 138fache zu verdienen. Auch wer nicht auf derart lange Zeiträume setzen will, kann sich an die Baby-Valoren halten.

Sturzflug

Ich staune immer wieder, wie leichtsinnig sich einige Investoren auf Abenteuer einlassen. So haben sich gleich mehrere Leser über die schweren Kursverluste bei Bravofly beklagt. Die Valoren des Flug- und Reisevermittlers kamen vor gut drei Monaten an die Börse; seither haben sie gegenüber dem Ausgabepreis fast die Hälfte an Wert verloren! Für mich war der Absturz des Newcomers nur eine Frage der Zeit, denn der Ausgabepreis war viel zu hoch angesetzt. Überrascht hat mich lediglich, dass der Sturzflug bereits so kurz nach dem Going public eingesetzt hat. Doch offensichtlich waren die IPO-Leadbanken UBS und CS nicht bereit, die Aktien nach der Kotierung zu stützen.

Bei Bravofly stimmt kaum etwas; das Unternehmen ist eine zu kleine Nummer, das Geschäftsmodell simpel, die Aussichten wenig berauschend. Um im Internet eine Reiseagentur zu eröffnen, braucht es weder viel Kapital noch Know-how. Deshalb nimmt der Konkurrenzkampf an Härte zu. Zudem haben die Airlines den Web-Reisebüros den Kampf angesagt; sie bieten zunehmend die billigsten Flüge über die eigene Homepage an. Auch die Hoteliers sind es müde, einen Teil ihrer sauer verdienten Gewinne an die Internet-Agenturen abführen zu müssen. Immer mehr Herbergen garantieren bei Buchung über ihre Website den tiefsten Preis. Vor diesem Hintergrund nimmt sich die jüngste Mitteilung der Firma, wonach sich der Wettbewerb «plötzlich verschärft» habe, fast wie ein Witz aus. Zwar sind die Aktien nach den schweren Verlusten angemessen bewertet. Dennoch glaube ich nicht, dass Bravofly eine Erfolgsstory wird.

Tito Tettamanti übrigens hat auch bei Bravofly sein feines Gespür für Rendite bewiesen: Der Tessiner Investor baute beim Börsengang seine Beteiligung von 3 auf 0,2 Prozent ab. Aufgegangen ist die Rechnung auch für Firmengründer und Altaktionäre. So stammte die Hälfte der beim IPO ausgegebenen Aktien aus den Taschen von VR-Präsident Fabio Cannavale und weiteren Personen.

Nebenjob

Die Personalie hat in der Schweiz kein Echo gefunden. Erstaunlich, denn es handelt sich dabei um Glencore-Steuermann Ivan Glasenberg. Dieser nämlich sitzt seit kurzem im Verwaltungsrat von Pirelli. Der (eingebürgerte) Schweizer erhielt den Job beim italienischen Reifenproduzenten dank Rosneft; der russische Erdölkonzern ist seit März mit 13,1 Prozent grösster Aktionär bei Pirelli. Rosneft wiederum ist mit Glencore dick im Geschäft; der Baarer Rohstoffkonzern hat den Russen einen Kredit von zehn Milliarden Dollar eingeräumt und sich damit Erdöllieferungen auf fünf Jahre gesichert.

Für Glasenberg ist die Aufgabe bei Pirelli ein Schoggi-Job. Denn seit der weltweit fünftgrösste Reifenhersteller das Kabelsegment abgestossen hat und sich auf Pneus konzentriert, läuft das Geschäft rund. Nach einem ertragsstarken ersten Quartal ist für dieses und das kommende Jahr mit Ertragsfortschritten von leicht über zehn Prozent zu rechnen. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,3 für 2014 und 11,5 für das folgende Jahr lässt weiteres Kurspotenzial zu. Dabei haben sich die Pirelli-Aktien über die letzten drei Jahre im Kurs bereits knapp verdoppelt. Über dieselbe Periode sackten übrigens die Glencore-Valoren um ein Viertel ab.

*Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch.