Nur noch eine Handvoll Unternehmen halten am Partizipationsschein fest – dafür aber unbeirrt.

Alle paar Monate das gleiche Börsengerücht: Schindler wolle die Einheitsaktie einführen, also ihre ­Partizipationsscheine (PS) in Namenaktien wandeln. Worauf die PS an der Börse jeweils stark zulegen.

Dies ist doppelt unsinnig. Einmal ist es schlicht naiv zu glauben, die Familien Schindler und Bonnard würden sich selbst entmachten. Diese beiden Familien halten rund 69 Prozent der Stimmen. Würden die PS in Namenaktien gewandelt, schrumpfte die Stimmenmacht der Schindlers und Bonnards auf rund 40 Prozent. Und: Falls die Schindler-PS eines Tages doch verschwänden, wäre im Vorfeld der Umwandlung eine Höherbewertung der PS nicht angebracht.

Die Tage nämlich, als die stimmrechtslosen Beteiligungspapiere gegenüber Inhaber- oder Namenaktien einen Kursabschlag von 10 bis 15 Prozent aufwiesen, sind längst vorbei. Ja der Kurs der Schindler-PS liegt sogar minim über jenem der Namenaktien. Und auch die Meinung, dass PS schlechter performen als Aktien, ist eine Mär: Bei Schindler stieg der Kurs der PS über die letzten fünf Jahre um 270 Prozent, die Namentitel verbesserten sich um 268 Prozent.

Partizipationsscheine sind ein Requisit aus alten Tagen. Am 29. April 1963 sorgte die Winterthurer Firma Gebrüder Sulzer für Aufsehen, indem sie die ersten PS schuf. Die Idee schlug ein; als immer mehr Unternehmen den Börsengang wagten, versuchten die bisherigen Besitzer, ihre Kontrolle via stimmrechtslose Partizipationsscheine aufrechtzuerhalten. Ende der achtziger Jahre wurden an den Schweizer Börsen 90 PS gehandelt. Dann gerieten diese Valoren aus der Mode. Heute gibt es noch genau zwölf Firmen, die mit Partizipationsscheinen an der Börse vertreten sind, darunter bekannte Namen wie eben Schindler, Lindt & Sprüngli oder Roche, Letztgenannte mit Genuss­scheinen, einem nahen Verwandten der PS.

Bald wird das stimmrechtslose Dutzend auf elf Vertreter schrumpfen. Die Industriegruppe Metall Zug wird ihre Partizipationsscheine in Namenaktien wandeln. Möglicherweise werden auch eine oder zwei Kantonalbanken ihre PS umwandeln. Die erwähnten drei Konzerne dagegen halten an ihren stimmrechtslosen Papieren fest. In einem Interview antwortete jüngst der Konzernchef von Lindt & Sprüngli, Ernst Tanner, auf die Frage nach der Abschaffung der PS mit einem kategorischen Nein. Diese Struktur bleibe mindestens bis zu seiner Pensionierung erhalten, meinte er. Und Tanner wird frühestens in vier bis sechs Jahren abtreten.

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Frühlingsputz bei Ascom.

An dieser Stelle habe ich schon öfter schweres Geschütz gegen Ascom aufgefahren. Doch nun muss ich eingestehen: Der seit wenigen Monaten als CEO amtierende Riet Cadonau kehrt beim Berner Technologieunternehmen mit eisernem Besen. Mitte März kündigte er an, er wolle im Rahmen des Restrukturierungsprogramms «Vitesse» noch in diesem Jahr vier Geschäftsbereiche verscherbeln. Nur zwei Monate später sind bereits zwei Einheiten und satte Verlustträger über Bord gegangen. Zuerst wurde die im Geschäft mit Elektronikkomponenten aktive Logistics & Plant Services verkauft. Jüngst folgte der Geschäftsbereich Traffic, der sich mit Kommunikationslösungen für den öffentlichen Verkehr befasst.

Für beide Devestitionen wurde kein Verkaufspreis genannt, es dürften wohl einige Millionen Buchverlust angefallen sein. Doch das ist zweitrangig. Riet Cadonau ist zwei Sorgenkinder los, und nun liegen noch die Geschäftszweige Mautsysteme und öffentliche Fernsprechanlagen auf dem Wühltisch. Vieles deutet darauf hin, dass Ascom diesmal den Turnaround tatsächlich schaffen könnte – wenn auch arg gerupft und auf einen Bruchteil alter Grösse verdorrt.

Für einige Finanzanalysten sind die Ascom-Aktien jedenfalls wieder ein Kauf, auch wenn sich das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis für dieses Jahr auf saftige 41 stellt.

Ich bin da zurückhaltender. Weshalb zum Beispiel findet die Zürcher Kantonalbank, falls denn die Ascom-Papiere tatsächlich wieder attraktiv sein sollen, für ihren 25,9-Prozent-Anteil partout keinen Käufer? Ich habe von mehreren Seiten gehört, dass Ascom über die letzten Monate mit verschiedenen Parteien über die Platzierung dieses Aktienpakets gesprochen hat – ohne Erfolg. Liegt es daran, dass es um Ascom halt doch nicht so rosig bestellt ist? Die ZKB selbst, die ihre ungewollte Beteiligung liebend gerne losschlagen würde, sucht zwar selbst ebenfalls einen Abnehmer, demonstriert jedoch urplötzlich Gelassenheit. «Es ist keine Eile angebracht, wir haben Zeit und Geduld», beschied mir ein Sprecher der Zürcher Grossbank.

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An HP kommt kaum ein Investor vorbei

«Sell on good news.» Diese Börsenregel hat wohl jüngst die Aktienkurse von Hewlett-Packard innerhalb von gerade mal zwei Handelstagen um zehn Prozent in die Tiefe geschickt. Die Good News? HP, wie der globale Marktleader für Personal Computers kurz genannt wird, will für 13,9 Milliarden Dollar den amerikanischen IT-Dienstleister Electronic Data Systems (EDS) übernehmen. Gerade der grosszügige Übernahmepreis hat viele Börsianer zum Ausstieg bewogen: HP offeriert auf dem EDS-Börsenkurs ein Aufgeld von nicht weniger als einem Drittel. Ich glaube nicht, dass die Aktionäre diesem Werben widerstehen können.

HP kann sich Grosszügigkeit leisten, klimpern doch rund zehn Milliarden in den Kassen. Was aber weitaus mehr zählt: Die Akquisition ist ein cleverer Schachzug. Das IT-Servicegeschäft bringt vor allem in konjunkturell kühleren Phasen gute Erträge. Auch wird HP neue Kundengruppen erschliessen können. Den Abnehmern von HP-Produkten lassen sich dank der neuen Tochter langfristige Serviceverträge anbieten, während den bisherigen EDS-Kunden die HP-Hardware schmackhaft gemacht werden kann. Zudem erreicht HP durch die Übernahme von EDS eine respektable Masse im Dienstleistungsgeschäft: Der Umsatz in diesem Sektor verdoppelt sich auf rund 38 Milliarden Dollar. Nicht zu verachten ist im Weiteren ein gehöriges Potenzial an Synergieeffekten, das die Finanzanalysten in der Integration von EDS sehen.

HP kann durch den neusten Einkauf den Schwung beibehalten. Denn auch im angestammten Geschäft läuft es rund. Für die ersten drei Monate des Geschäftsjahres 2007/08 meldete der Konzern einen Gewinnanstieg um 37 Prozent, und nach vorläufigen Zahlen ist im zweiten Quartal der Reingewinn um gegen ein Viertel gestiegen. CEO Mark Hurd, der vor drei Jahren die mit wenig Fortune kämpfende Carly Fiorina ablöste, legt denn auch viel Zuversicht an den Tag: Für dieses Jahr prognostiziert er einen Gewinn von rund 3.58 Dollar pro Aktie. Damit weisen die Wertpapiere ein attraktives Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 aus. Für meinen Geschmack dürfen HP in einem international ausgerichteten Aktienportefeuille nicht fehlen. Zumal sich das Dollarrisiko mittlerweile stark abgebaut hat.

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