Die herkulische Aufgabe scheint gelöst zu sein: Roche hat Genentech erfolgreich integriert – zumindest gemessen an der Zufriedenheit der Beschäftigten. An einer Pressekonferenz jedenfalls sagte jüngst Konzernchef Severin Schwan, mehr als 90 Prozent aller Forscher beim Töchterlein in Amerika unterstützten die Fusion. Finanziell jedoch drückt die Übernahme auf die Roche-Kasse. Der für 2009 gemeldete Gewinnrückgang von 22 Prozent oder 2,3 Milliarden Franken ist in erster Linie eine Folge des Rieseneinkaufs. (Lesen Sie dazu auch die Analyse «Ungleiches Paar» über Roche und Novartis.)

Roche liess sich die vollständige Übernahme des 1976 vom Biochemiker Herbert Boyer und vom Investor ­Robert Swanson gegründeten Biotechno­logieunternehmens gut ­50 Milliarden Franken kosten. Das hätten die ­Basler auch billiger ­haben können.

Rückblende: 1990 erwarb Roche für drei Milliarden Franken 60 Prozent der Genentech-Aktien, neun Jahre später den Rest für etwa sechs Milliarden. Nur einen Monat danach wurde ein Fünftel der Papiere über ein Replacement an die Börse gebracht, ­weitere Aktienverkäufe folgten. Bis zum Frühling 2000 brachte Roche so 42 Prozent der Genentech-Valoren ­unters Volk. Die Basler kassierten dafür, falls ich richtig gerechnet habe, gut 14 Milliarden Franken. Hätte ­Roche damals Genentech nicht an die Börse gebracht, wäre auch nie ein Übernahmeangebot für die rest­lichen Aktien nötig gewesen. Die Ersparnis hätte unter dem Strich 36 Milliarden betragen.

Kann man so rechnen? Man kann. Nicht ins Kalkül einbezogen habe ich die delikate Situation von damals, als nach der totalen Übernahme aller Aktien der Massen­exodus bei Genentech drohte. Das IPO verhinderte den Eklat, die Genentech-Leute konnten mittels Abgabe von Aktien bei Laune gehalten werden. Die Basler haben vor zehn Jahren viel Fingerspitzengefühl bewiesen im Umgang mit den Forschern in San Francisco. Und sie tun ­dies auch heute.

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Jedenfalls verspricht die Integration eine gehörige Portion an Synergieeffekten: Der neue Genentech-Chef, Ian Clark, ein einstiger Roche-Manager, soll jährlich für ­eine Milliarde Franken an Einsparungen sorgen. Für die Basler ist Genentech ein Fenster in eine noch ertragsstärkere Zukunft. Und für mich sind die Roche-Aktien ein Versprechen für künftige Kursgewinne.

Steinhart performt. Im März des vergangenen Jahres empfahl ich die Aktien von Holcim. Danach sind die Valoren, wenn auch mit ­zwischenzeitlichen Rumplern, bis Anfang Januar 2010 um nicht weniger als 170 Prozent in die Höhe geschossen, ­haben seither allerdings wieder rund 15 Prozent an Wert eingebüsst.

Das ist eine gute Gelegenheit, wieder einzusteigen. Denn die Titel des Zementherstellers sind nach der ­Superhausse zwar nicht mehr billig, bieten aber immer noch ­einiges an Kurspotenzial. Holcim ist auf dem Weg der ­Besserung. Nach dem schwierigen Jahr 2009 dürfte der Gewinn in diesem und im kommenden Jahr um jeweils gut 20 Prozent steigen. Mit einem für 2011 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp zehn sind Holcim ­attraktiv.

Rieter mit Neustart. Die Wirtschaftskrise hat Rieter arg gebeutelt: Innerhalb von zwei Jahren brach der Umsatz um die Hälfte ein, der Autozulieferer und Textilmaschinenhersteller schreibt tiefrote Zahlen, der Auftragseingang schmolz um ein Viertel. So weit die negativen Nachrichten. Nun scheint das Unternehmen die Talsohle hinter sich gelassen zu haben: Laut dem Management wurde das Tief bereits vor Mitte letzten Jahres überwunden.

Wie weit sich der Industriekonzern tatsächlich gefangen hat, wird indes erst die Jahrespressekonferenz zeigen. Die Börse jedenfalls meint, das Gröbste sei ausgestanden: Die Aktien vermochten seit Anfang dieses Jahres zuzulegen. Auch ­Finanzanalysten versicherten mir, Rieter habe sich aufgefangen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das Winterthurer ­Industrieunternehmen bereits 2010 wieder ­einen Gewinn einfährt.

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Mittelfristig dagegen bieten die Aktien Aufholpotenzial, obgleich das Risiko bei Industriewerten unverändert vorhanden ist. Die Analysten von Helvea setzen bei Rieter das Kursziel auf 400 Franken fest, was gegenüber dem ­aktuellen Kurs einem Gewinn von annähernd 50 Prozent entspräche.

Koreas ganzer Stolz. In den vergangenen Monaten schaute ich mir in den Elektronik­geschäften die Flachbildfern­seher etwas genauer an. Mir war zwar klar, dass die LCD-TV immer billiger werden – das ­enorme Ausmass der Preiserosion ist mir allerdings erst jetzt so richtig bewusst geworden. Viele Fernseh­produzenten, vor allem jene aus Japan, leiden denn auch unter diesem Zerfall der Preise, trotz einer stark steigenden Nachfrage.
Nicht so Samsung Electronics (im Bild der Showroom an der Messe in Las Vegas). Das südkoreanische Vorzeigeunternehmen, das schon im letzten Weihnachts­geschäft mit Rekordumsätzen aufhorchen liess, meldete nun fürs Gesamtjahr 2009 einen gewaltigen Gewinnsprung von 75 Prozent. In diesem Jahr will Samsung im TV-­Geschäft mit neuen Produkten im hochpreisigen Bereich weitere Marktanteile für sich gewinnen. Die Koreaner ­bauen in Samsung Town die flachsten und – zumindest in meinen Augen – schönsten Flachbildfernseher. Das Wachstum vorantreiben dürfte allerdings hauptsächlich die Halbleitersparte: Samsung ist seit 1992 der weltweit grösste Produzent von Speicherchips. Doch auch für die anderen Aktivitäten des Konzerns wird Wachstum prognostiziert, so bei Mobiltelefonen, Computerbildschirmen, Druckern – und sogar bei Kühlschränken.

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Was mir dabei besonders gefällt, ist ein sich zunehmend abzeichnender Machtkampf. Der Technologiekonzern wird kräftig umgebaut und in sieben Firmen aufgeteilt, doch ­alle bleiben unter demselben Holdingdach. Als neuer CEO amtet Gee-Sung Choi, ihm zur Seite steht der ebenfalls frisch zum COO gekürte Lee Jae-Yong. Der erst 41-Jährige gilt als Kronprinz; er ist der Sohn des einstigen (ungekrönten) Samsung-Königs Lee Kun-Hee, der wegen Steuerhinterziehung und Insiderhandel 2008 zurücktreten musste. Lee senior, dessen Vater Samsung gründete, ist Hauptaktionär geblieben.

Machtkampf hin oder her: Die Samsung-Aktien bleiben, ungeachtet der Kursverdoppelung innerhalb eines Jahres, interessant – und ein für dieses Jahr geschätztes Kurs-­Gewinn-Verhältnis von 9,6 lässt auf weiteres Potenzial schliessen.

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Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch