Da meldet ein Unternehmen einen voraussichtlichen Verlust von 21 Milliarden Franken – und der Aktienkurs zeigt kaum Ausschläge. Zwar handelt es sich dabei bloss um einen Buchverlust, doch die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist sowieso ein Sonderfall. Hauptzweck ist nicht die Gewinnmaximierung, sondern eine dem Konjunkturverlauf angepasste Geld- und Währungspolitik. Die Leistung von Notenbankchef Philipp Hildebrand wird nicht am Ertragsverlauf gemessen, sondern an der Wirksamkeit der Massnahmen. Nur hat Hildebrand in den letzten Monaten von den Medien viel Kritik einstecken müssen wegen seiner Währungspolitik. Trotz ihrer Sonderstellung verfügt die SNB über kotierte Aktien. Das ist weltweit einzigartig. Speziell ist auch die Zusammensetzung des Aktionariats: Ende 2009 hielten Kantone und Kantonalbanken 53,5 Prozent der Titel, der Rest verteilte sich auf 2225 Private. Grösste Anteilseigner sind mit 6,6 Prozent der Kanton Bern und mit 5,2 Prozent der Kanton Zürich. An dritter Stelle folgt bereits der grösste Privataktionär: Der Deutsche Theo Siegert, Wirtschaftsprofessor in München und Verwaltungsrat beim Zürcher Handelshaus DKSH, besitzt 5050 Aktien, was 5,05 Prozent entspricht. Eigentlich sind die SNB-Aktien Obligationen mit ewiger Laufzeit. Denn weder Gewinn- noch Dividendenfantasie treibt die Kurse. Die Maximaldividende ist auf sechs Prozent des Nominalwerts beschränkt. Seit Jahr und Tag werden 15 Franken ausgeschüttet, das entspricht aktuell einer Rendite von 1,5 Prozent. Die Aktien eignen sich deshalb nur für auf höchste Sicherheit bedachte Anleger. Sonst jedoch zählen SNB-Aktien eher zu den Börsenlangweilern. Es sei denn, Spekulanten verfallen zum Beispiel der wirren Idee, sie müssten den Goldschatz der Nationalbank heben. Das haben sie 1997 und dann nochmals 2007 versucht, worauf die Kurse innert kürzester Zeit steil nach oben schossen. Die vermeintlichen Beutezüge entpuppten sich als Luftschlösser.

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Währungseinflüsse. Ein Leser antwortete auf die Bilanz meiner Aktientipps – mit den von mir 2010 zum Kauf empfohlenen 26 Aktien liess sich eine durchschnittliche Performance von 21,6 Prozent einfahren, das führe ich gerne noch einmal an –, ich hätte meine kritische Haltung gegenüber den Börsen in Deutschland und USA nicht erwähnt. Schliesslich hätten diese Märkte die Schweizer Börse bei weitem überflügelt. Gemessen an den absoluten Zahlen, hat der Leser recht. Während der Schweizer Blue-Chip-Index SMI 2010 rund 1,7 Prozent verlor, legten das US-Börsenbarometer Dow Jones 11,0 und der deutsche DAX 15,7 Prozent zu. Nur habe ich nicht vor den Aktien, sondern vor drohenden Währungsverlusten gewarnt. US-Dollar und Euro standen denn auch im abgelaufenen Jahr massiv unter Druck. Währungsbereinigt bleibt von den Gewinnen der beiden Börsenplätze nichts übrig; auf Frankenbasis reüssierte der Dow Jones gerade mal um ein Prozent, beim DAX blieb sogar ein Minus von gegen drei Prozent. Für dieses Jahr dagegen bin ich zuversichtlicher gestimmt. Der Dollar wie auch der Euro bleiben zwar anfällig für Rückschläge, doch scheinen sie etwas Boden gefunden zu haben.

Knusprige Anlage. Vor diesem Hintergrund erscheinen gerade einige US-Aktien vielversprechend. Dazu zähle ich Kellogg’s. Was die Brüder Will Keith Kellogg und John Harvey Kellogg 1894 beim Herumwerkeln mit vertrocknetem Weizenbrei per Zufall erfunden haben, nämlich Cornflakes, gehört bis heute zu den Kernprodukten des weltweit führenden Getreideflockenherstellers. Das sonst erfolgsverwöhnte Unternehmen blickt auf ein verhageltes Geschäftsjahr zurück. Ein an Schärfe gewinnender Konkurrenzkampf sowie anziehende Rohstoffpreise haben den Ertrag belastet. Weniger Bremsspuren im Gewinn als vielmehr einen argen Imageschaden hinterlassen hat eine schlagzeilenträchtige Rückrufaktion; Kellogg’s musste 28 Millionen Packungen einsammeln, weil die Frühstücksflocken Übelkeit und Durchfall hervorriefen. Dennoch dürften sich die Rückschläge bei Umsatz und Gewinn 2010 in ertragbarem Rahmen halten. Für das laufende Geschäftsjahr attestieren die Analysten der Firma bereits wieder eine leichte Absatzbelebung sowie eine deutliche Ertragserholung. Mittelfristig ist mit einem zwar nicht exorbitanten, dafür aber stetigen Wachstum zu rechnen. Kellogg’s werden sich nie zu Kursheulern entwickeln. Doch wer auf Jahre hinaus eine solide und defensive Anlage sucht, die einen ruhig schlafen lässt, ist mit diesen Papieren gut beraten.

Schotten dicht. Gerüchte sind das Salz in der Börsensuppe. Auch wenn das Gemunkel nicht selten eher wilde Züge annimmt. Wie das seit kurzem zirkulierende Gerücht, wonach die in Glasgow beheimatete Weir Group hinter der Schweizer Industriegruppe Sulzer her sein soll. Die beiden Firmen kennen sich von früher: 2007 wollte Sulzer das Pumpengeschäft der Schotten kaufen, doch die Verhandlungen platzten. Zwar würden die beiden Firmen gut zueinander passen, nur ist Weir um einiges kleiner als Sulzer. Auch scheint mir der (angebliche) Übernahmepreis von 200 Franken pro Aktie etwas hoch. Als das Gerede anfing, notierten Sulzer auf gut 120 Franken. Weshalb sollten die Schotten eine Prämie von satten 67 Prozent offerieren? Zu diesem Preis käme sie die Übernahme auf stolze 6,9 Milliarden Franken zu stehen – gar viel für eine Firma, die einen Umsatz von 2,1 Milliarden Franken einfährt. Sowieso führt kein Weg an Viktor Vekselberg vorbei; der Grossinvestor hält knapp ein Drittel der Aktien. Doch dass der Russe verkaufen würde, wage ich zu bezweifeln. Er bescheinigt Sulzer eine erfreuliche Zukunft und möchte sich als Langfristinvestor profilieren. Auch für mich sind die Valoren des Spätzyklikers attraktiv. Sulzer hat sich in den Krisenjahren gut geschlagen. Das Management um CEO Ton Büchner (im Bild) hat die Hausaufgaben gemacht, sprich die Kosten geschnitten, interessante Übernahmen getätigt und das gewinnträchtigere Servicegeschäft ausgebaut. Über die nächsten zwei bis drei Jahre sind Gewinnzuwächse von je 20 Prozent zu erwarten. Wenn das Übernahmegerücht geplatzt ist und die Aktien wieder nachgeben, bietet sich eine gute Einstiegsgelegenheit.

Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm: bahnhofstrasse@bilanz.ch