In diesem Sommer stehen zwei sportliche Gross­ereignisse im Blickpunkt: die bereits angepfiffene Fussball-Europameisterschaft und die in Lon-don stattfindende Sommer-Olympiade. Das ist auch die grosse Zeit der Sportartikelhersteller. Auftrumpfen können Marktleader Nike sowie die Nummer zwei, Adidas. Mit einer Nebenrolle begnügen muss sich dagegen die weitaus kleinere Puma. Doch alle drei nutzen die Grossereignisse, um sich zu präsentieren – und dazu nehmen sie viel Geld in die Hand. Adidas-Chef Herbert Hainer hat alleine für die Olympischen Spiele 100 Millionen Euro freigegeben.

Bestens im Schuss sind sie alle. Nach erfreulichen Resultaten für 2011 hat auch das Startquartal dieses Jahres gute Ergebnisse gebracht. Und mittelfristig bleibt der Wachstumstrend in der Sportartikelbranche ebenfalls positiv. Kein Wunder, zählen die Aktien des athletischen Trios seit Jahren zu den Börsenlieblingen. Dies hat andererseits zu hohen Kursen geführt. Die Titel der von Mark Parker auf Trab gehaltenen US-Firma Nike weisen ein geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 22,4 aus und sind damit überbewertet. Der von Franz Koch gezähmte Puma ist zwar mit einem KGV von 16,3 visuell günstiger, doch die Sprungkraft der schwarzen Katze ist in Sachen Ertrag etwas gar schwach. Am besten gefallen mir Adidas. Mit einem KGV von 13,3 bieten die Valoren weiteres Kurspotenzial. Und von 15 Analysten empfehlen 12 die Papiere zum Kauf.

Aufholpotenzial. Nike, Adidas, Puma; diese Marken kennt jedes Kind. Nur unter Sportlern bekannt ist dagegen Asics. Dabei gibt es den japanischen Hersteller von Laufschuhen schon seit 63 Jahren, ein Unternehmen, das seinen Produkten einen wissenschaftlichen Touch verleiht. Aus einem Forschungszentrum in Kobe stammen Innovationen, die Asics speziell bei Laufsportlern zur Kultmarke gemacht haben. Doch während die Aktien der westlichen Konkurrenten mit Rückenwind laufen, wurden die auch in Europa kotierten Asics seit Herbst 2011 auf Eurobasis um über 20 Prozent eingebremst. Da spielt der Japan-Malus eine Rolle, obwohl die von Motoi Oyama trainierte Asics den grössten Teil des Umsatzes ausserhalb Japans kassiert. Die Bank Sarasin jedenfalls favorisiert unter allen Sportartikelaktien die japanischen Asics, gerade weil diese Titel über Gebühr abgestraft wurden.

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Bestens verkabelt. Noch für 2011 hat Komax Rekordzahlen präsentiert. Zunehmend bekommt aber auch die Innerschweizer Technologiefirma die weltweite Abkühlung der Konjunktur zu spüren – wenn auch unterschiedlich. Das Hauptgeschäft mit Kabelverarbeitungsmaschinen läuft dank dem Boom in der Automobil­industrie auf Hochtouren. Dagegen leidet die Solarsparte, wo Komax Anlagen für die Produktion von Panels mit polykristallinen Zellen herstellt, unter der Branchenkrise. Deshalb soll von 285 Arbeitsplätzen voraussichtlich jeder vierte gestrichen werden. Der Bereich Medtech – kundenspezifische Maschinensysteme – spürt die Frankenstärke; in La Chaux-de-Fonds wird deshalb Kurzarbeit eingeführt.

Die Anleger sind verunsichert, die ­Aktien stehen seit drei Monaten stärker unter Druck als der Gesamtmarkt. Nun dürften zwar die beiden Nebensparten 2012 einen Betriebsverlust einfahren, und auf Konzernebene ist mit Ertragsrückgängen zu rechnen. Mittelfristig ­dagegen sind die Aussichten gut. Die von Beat Kälin geführte Komax ist Weltmarktführerin bei Kabelverarbeitungsmaschinen und zeichnet sich durch hohe Innovationskraft, Top-Qualität und eine solide Bilanz aus. Trotz rückläufigem Ertrag werden die Aktien mit einem attraktiven KGV von 9,2 bewertet. Noch besser gefällt mir die Dividendenrendite von 5,3 Prozent. Mein in diesen hektischen Börsentagen schon zum Standardspruch gewordener Rat: Warten Sie mit dem Kauf einige Wochen zu, dann werden die Aktien noch günstiger zu haben sein!

Total verschwiegen. Die ganze Welt kennt die Schreibgeräte von Caran d’Ache.Pablo Picasso malte mit Stiften dieser Marke, die Ex-Präsidenten Ronald ­Reagan und Michail Gorbatschow zogen mit einer Füllfeder aus Genf einen Strich unter den Kalten Krieg. Doch sonst weiss man über Caran d’Ache wenig. Der oberste Geheimniskrämer war Jacques Hübscher; während der 30 Jahre, in denen er die Firma leitete, gewährte er ein einziges Interview – und war von dessen ­Inhalt dermassen enttäuscht, dass er sich nie wieder einem Journalisten stellte.

Nun hat der 76-Jährige seiner Tochter Carole Hübscher Platz gemacht. Sie soll die von den Familien Hübscher, Reiser und Christin kontrollierte Firma zu weiteren Erfolgen führen. Ihre erste Amtshandlung hat den Papa kaum gefreut: Die frischgebackene Präsidentin gab ein ­Interview. Zwar hatte sie viel zu erzählen; bei der Frage nach Umsatz und Gewinn hörte ihre Auskunftsfreude aber auf. Dabei wird ein Teil der Aktien der 1915 gegründeten Caran d’Ache ausserbörslich gehandelt. Die Titel haben über die letzten zehn Jahre zwei Drittel an Wert zugelegt und notieren aktuell auf 7600 Franken. Sind die (höchst selten gehandelten) Namenaktien Serie B damit ausgereizt, oder bieten sie weiteres Kurs­potenzial? Das weiss wohl nur Carole Hübscher, und die schweigt eisern. Eine Frechheit: Wer Aktien handeln lässt, sollte zumindest Kernzahlen veröffentlichen. Freuen Sie sich an den schönen Schreibgeräten, doch lassen Sie die Titel links liegen.

 

Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch