Der Schweizer Investor kommt an den Aktien der einheimischen Grossbanken nicht vorbei. So zumindest habe ich es als junger Redaktor bei der «Finanz und Wirtschaft» gelernt – übrigens gab es damals noch vier Grossbankentitel, nämlich SBG, SBV, SKA und Volksbank. Doch die Bankenkrise, welche die Credit Suisse tief in die Bredouille gestossen und die UBS an den Rand des Ruins getrieben hat, liess diese Anlegerregel zur Makulatur werden.

Über viele Monate wurden die Bankvaloren gemieden. Seit Anfang März allerdings sind die CS-Papiere wieder gesucht, sie legten gegen 140 Prozent zu. Die UBS-Valoren haben sich zeitweise im Wert verdoppelt, verloren danach allerdings wieder deutlich an Boden. Die beiden Grossbanken lassen sich kaum noch miteinander vergleichen. Das zeigt sich gerade am aktuellen Geschäftsgang. Jüngst hat CS-Chef Brady Dougan ­gute Zahlen vorgelegt; im zweiten Quartal stellte sich der Reingewinn auf 1,6 Milliarden Franken, der ­Zustrom von Kundengeldern ist ungebrochen gross. Das zweitgrösste Geldhaus der Schweiz wird von überall mit Lob überschüttet; die Finanzzeitschrift «Euromoney» wählte Credit Suisse zur weltbesten Investmentbank, und die Deutsche Bank ortet im Schweizer Konkurrenten einen der Gewinner der Bankenkrise.

Die UBS dagegen hat bestenfalls das Allergröbste überwunden. Zwar ist CEO Oswald Grübel mit Leib und Seele dabei und scheut sich auch nicht, harte und damit wenig populäre Entscheide zu treffen. Doch gegen mächtige Gegenspieler kommt auch ein Grübel nicht an; und dazu zähle ich die USA, die Zugriff auf 52  000 Kundendaten fordern. Solange dieses Kapitel nicht geschlossen ist, kann das führende Schweizer Institut nicht zum Tagesgeschäft zurückkehren. Zumal dieses wenig Positives bringt. Die UBS wird am 4.  August die Zahlen für das zweite Quartal veröffentlichen; bekannt ist bislang lediglich, dass ein erneuter Verlust resultieren wird.

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Wer auf lange Sicht investieren will, hält sich an CS. Wer das Risiko und damit die Spekulation liebt, kauft UBS. Und wer sich zwischen diesen Stossrichtungen nicht entscheiden kann, legt beide Aktien ins Depot.

Ölige Schwankungen. Bocksprünge vollführt der Ölpreis. Zwar ziehen die Rohstoffpreise generell an, die Schwankungen beim Rohöl fallen jedoch ins Auge. Mit Fundamentalfaktoren lässt sich dies nicht erklären; wegen der schwachen Konjunktur bleibt die Nachfrage tief. Für die Preisausschläge sind vielmehr heftige Spekulationen verantwortlich. Öl war bei Zockern schon immer ein begehrtes Spielzeug. Seit sich Zertifikate einer steigenden Beliebtheit erfreuen, haben auch Kleinanleger die heissen Ölgeschäfte entdeckt. Die US-Regierung will nun die Spekulationen am Rohstoffmarkt eingrenzen; allerdings ist mir schleierhaft, wie solchem Gehabe, speziell im Ölmarkt, die Spitze gebrochen werden soll.

Vorsicht vor risikoreichen Ölwetten. Wer sich einen Totalverlust nicht erlauben kann, sollte seine Hände von solchen Spielchen lassen.

Nr. 1 Europas. 8,6 Millionen Fluggäste wurden zu ihren Erfahrungen mit 190 Flughäfen befragt. Sie wählten den Flughafen Zürich zum besten in Europa und zum ­viertbesten weltweit. Eine makellose Leistung der Flughafenbetreiberin Unique. Auch sonst schlägt sich das Unternehmen gut. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um 6,5 und das Ebit um 2,1 Prozent. Im ersten Semester dieses Jahres dagegen hat sich die Luftfahrtkrise auch in Kloten verstärkt ­bemerkbar gemacht; es wurden 3,8 Prozent weniger Passagiere und 8 Prozent geringere Flugbewegungen gemessen. Flughafenchef Thomas Kern sieht noch in diesem Jahr eine Kehrtwende.

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Dem Flughafen Zürich läuft es besser als einst befürchtet. Dessen ungeachtet kann ich mir den Höhenflug der Aktien nicht erklären: Die Titel stiegen innerhalb dreier Wochen um ein Viertel im Wert an. Im Juli hat das Bundesgericht eine Beschwerde von Unique gutgeheissen, womit der Pistenausbau nach Westen realistischer wird. Doch alleine aus dieser Richtung kann der Kursschub nicht gekommen sein. Auch die Investoren sind verunsichert, was sich unschwer an Angebot und Nachfrage ablesen lässt: In der letzten ­Juliwoche stand dem Geldkurs von 258 Franken ein Briefkurs von 320 Franken gegenüber, und dies bei einem bezahlten Preis von 288 Franken. Lassen Sie die Papiere links liegen, bis sich der Himmel aufgeklärt hat.

Unerklärliche Stärke. Seit geraumer Zeit gibt auch der Kursverlauf der Aktien von Ems-Chemie Rätsel auf. Über die letzten vier Monate haussierten die Papiere um gut 40 Prozent. Am Geschäftsgang kann es nicht liegen. Die Gruppe, die etwas über die Hälfte des Umsatzes mit dem Verkauf von polymeren Werkstoffen an die Automobilkonzerne erzielt, musste im ersten Halbjahr 2009 herbe Einbrüche wegstecken. Der Umsatz fiel um 35 Prozent, der Betriebsgewinn Ebit schrumpfte um gegen 50 Prozent. Und dass Konzernchefin Magdalena Martullo eine vergleichsweise hohe operative Gewinnmarge und einen leicht besseren Cashflow melden konnte, vermag da nur am Rande zu trösten.

Wer kauft in grossem Umfang Ems-Aktien? Dies habe ich Börsenhändler, aber auch Finanzanalysten, ja sogar den sonst bestens informierten Portfoliomanager einer Privatbank gefragt. Doch niemand wusste etwas. Einer äusserte zögernd die Vermutung, Christoph Blocher könnte hinter den Käufen stecken. Nun verfügt der einstige Ems-Patron zwar über das ­nötige Kleingeld für millionenschwere Käufe. Aber ich glaube nicht, dass er als Grosskäufer auftritt und damit den Frieden im Hause Blocher gefährden will. Denn seine drei Töchter, welche die Mehrheit an der Ems-Chemie halten, würden eine Rückkehr ihres Vaters ins Aktionariat wohl kaum goutieren.

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Bleibt also die Frage, weshalb die Ems-Chemie-Valoren trotz dem garstigen Umfeld so hoch notieren. Mit einem für dieses und das kommende Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 beziehungsweise 17 sind die Titel jedenfalls heillos überbewertet. Wenn die Investoren realisieren, dass in der Automoilindustrie das dicke Ende erst noch kommt, dürften die Ems-Titel eins aufs Dach bekommen.

Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ.
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