Kennen Sie Murphy’s Law? Dieses besagt: «Alles, was nur schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.» An ­diese – nicht allzu ernst zu nehmende – Gesetzmässigkeit muss ich seit einigen Wochen denken, wenn wieder einmal die UBS im Mittelpunkt negativer Neuigkeiten steht. Und das ist viel zu oft der Fall. Geraten Schweizer Geldhäuser ­national und international in die Schlagzeilen, fällt oft der Name Credit Suisse – und weit öfter jener von UBS. Alleine die letzten beiden (Medien-)Ereignisse, das Seilziehen um UBS-Kundendaten zwischen der Finanzmarktaufsicht (Finma) und den USA sowie die ­Ankündigung von US-Präsident ­Barack Obama, die Finanzbranche stärker zu regulieren, haben die Börsenkapitalisierung der Grossbank um Milliarden erleichtert.

Mich erstaunt vor allem, wie pessimistisch die neusten Pläne Obamas an der Börse aufgenommen wurden. Ich habe mit mehreren Finanzanalysten gesprochen, doch keiner konnte mir darlegen, wie stark, ja ob überhaupt Schweizer Grossbanken vom Vorhaben des US-Präsidenten betroffen sind, die Geschäftsaktivitäten der Geldhäuser noch stärker einzuschränken. Dennoch rauschten die UBS-Aktien an einem Tag um vier Prozent nach ­unten, 42 Millionen Titel wechselten die Hand. Der Schweizer Grossbank will es einfach nicht gelingen, aus der Negativspirale schlechter News herauszukommen. Kommt dazu, dass nicht wenige der Imageprobleme hausgemacht sind. Konzernlenker ­Oswald Grübel hat bisher einen guten Job ­gemacht; doch ­seine Absicht, auch für ein verlustreiches Geschäftsjahr Milliarden von Boni auszurichten, zeugt nicht gerade von viel Fingerspitzengefühl.

Die UBS steht wirtschaftlich so gut da wie seit drei Jahren nicht mehr. Nur wird das Trommelfeuer aus den Vereinigten Staaten wohl noch monatelang auf die Bank niedergehen. Die Psychologie der Börse sorgt dafür, dass sich die Aktien der führenden Schweizer Grossbank nicht so rasch zu erholen vermögen.

Neue Lust auf Luxus. «Hallo Frank. Hab Ihren Rat befolgt und im Sommer 2009 Swatch und ­Richemont gekauft. Der Tipp ist aufgegangen. Doch was nun?» Ja, was nun? Seit ich die Aktien der beiden Luxusgüterproduzenten zum Kauf empfohlen habe, sind Swatch um 70 Prozent und Richemont um 55 Prozent gestiegen. Eine tolle Performance, und das nach nur acht Monaten. Wer auf sicher gehen will, sollte die saftigen (Papier-) Gewinne realisieren. Allerdings traue ich beiden Aktien zusätzliches Kurs­potenzial zu. Sowohl Swatch wie Richemont sind weitaus besser durch die Krise gekommen, als selbst Optimisten erwartet haben. Zwar wird 2009 nicht als grandioses ­Geschäftsjahr in die Historie beider Firmen eingehen. Doch luxuriöse Zeitmesser sind wieder gefragt, das Geschäft hat in den letzten Wochen spürbar angezogen.

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Ein Gerüttelt Mass an Risiko. In den ersten Januartagen tat sich Ungewöhnliches an der Schweizer Börse: Die Namenaktien von Evolva schossen um 300 Prozent in die Höhe. ­Evolva? Machen Sie sich nichts daraus, wenn Ihnen der Name nichts sagt. Es handelt sich dabei um einen Basler Kleinst-Pharmahersteller, der durch die Hintertüre an den Markt gekommen ist. Dazu wurde im Herbst 2009 der Unternehmensmantel der abgestürzten Arpida übernommen – und ganz nebenbei auch einige Millionen an Cash. Das vergangene Jahr verlief für die meisten Frischlinge unter den Schweizer Pharma- und Biotechunternehmen schlicht ­katastrophal. Am heftigsten unter die Räder kam Arpida; als die US-Gesundheitsbehörde die Zulassung des von der Reinacher Pharmagesellschaft entwickelten Antibiotikums ­Iclaprim verweigerte, stürzten die ­Aktien ins Bodenlose, das Unternehmen zerfiel innert kürzester Zeit und war letztlich eine leichte Beute.

Die praktisch aus dem Nichts aufgetauchte Evolva wird nach der Kursexplosion mit rund 500 Millionen Franken bewertet – eine Übertreibung sondergleichen. Auch CEO Neil Goldsmith dürfte es etwas mulmig zumute sein, denn die ­gerade mal sechs Jahre alte Firma verfügt lediglich über ein Präparat in der klinischen Entwicklungsphase I. Positiv zu werten ist dagegen, dass das Unternehmen über potenzielle Aktionäre aus der Biotechbranche verfügt; diverse ­Investoren und Fonds halten 86,7 Prozent aller Aktien. Der bescheidene Streubesitz allerdings bewirkt eben die heftigen Kursausschläge. Hände weg von Evolva!

Aufbruchstimmung. Weil die in Südafrika stattfindende Fussball-WM die Blicke der Welt auf sich ziehen wird, hat manch ein Anlageexperte Afrika flugs zum Megatrend für 2010 erklärt. Vergessen geht dabei, dass Aktien des Schwarzen Kontinents bereits im vergangenen Jahr mit Superrenditen glänzten; die besten Afrika-Fonds boten bis zu 80 Prozent an Wertsteigerung. Afrika hat die massiven wirtschaftlichen Probleme der neunziger Jahre überwunden. Laut dem Internationalen Währungsfonds betrug die jährliche Wachstumsrate über die letzte Dekade 7,5 Prozent. Ungeachtet regionaler Unterschiede oder weit verbreiteter Inflation, Korruption und politischer Instabilität wird sich das kräftige Wachstum fortsetzen.

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Wer direkt in Aktien investieren möchte, sieht sich jedoch ungewohnten Problemen ausgesetzt. Von Südafrika abgesehen, ist der Kauf einzelner Titel eine zeitaufwendige und nervige Angelegenheit; die meisten Börsen sind für einen geregelten Handel technologisch nicht gerüstet. Zwar verfügen mittlerweile 23 Länder über einen eigenen Finanzplatz, doch die Auswahl an kotierten Aktien ist meist mager, dafür werden saftige Courtagen und Gebühren eingefordert. Als Ausweg bieten sich Anlagefonds an; nur ist da das Angebot ebenfalls dünn. In der Schweiz werden eine gute Handvoll Fonds angeboten, so DWS Invest Africa, Bellevue Fonds (Lux) BB African Opp, JB EF Northern Africa Fund, JPM Africa Equity, Magna Africa Fund oder Nordea 1 African Equity Fund. Interessant sind auch Zertifikate auf die 2008 geschaffenen Börsenindizes DAX Global Africa sowie S&P Africa 40 Index. Letzterer setzt sich aus den 40 grössten Unternehmen Afrikas zusammen.

Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch