Glencore überlege sich einen Börsengang, Gespräche mit den Banken hätten bereits stattgefunden. Diese Meldung der ­«Financial Times» ging um die Welt. Dabei macht das ­Gerücht seit langem mindestens einmal im Jahr die Runde, nur bislang ohne ein solches Echo. Als ich von Glencore mehr wissen wollte, wurde ich mit dem üblichen «no comment» abgespeist. Weitaus gesprächiger zeigten sich dagegen Bankiers. Aus diesen Kreisen wurde mir berichtet, dass ein Going public für die Baarer zwar eine Option sei, die immer wieder angeschaut werde. Doch von Glencore und da vor allem vom starken Mann, dem VR-Präsidenten und Hauptaktionär Willy Strothotte, ­heisse es dann jeweils, solange man nicht einen ­ungewöhnlich hohen Finanzbedarf habe, beispielsweise um eine Akquisition zu finanzieren, wolle man von einer Publikumsöffnung nichts wissen. Auch habe das Unternehmen keine schwer wiegenden Liquiditätsprobleme.

So viel ist in der Bankenwelt bekannt: Glencore unterhalte Beziehungen zu immerhin rund 60 Instituten. Dennoch hätten mehrere Geldhäuser das Gerücht für bare Münze genommen und für das vermeintliche IPO in Baar ZG ihre Dienste angeboten. Sogar Börsen hätten sich gemeldet und die Vorzüge herausgestrichen, die eine Kotierung der Glencore-­Aktien an ihrem Markt brächte.

Für Investoren wäre es attraktiv, wenn der Rohstoffhändler an die Börse ginge. Doch auch falls sich Glencore ein Going public tatsächlich überlegen würde – der Zeitpunkt wäre denkbar schlecht. Die Marktstimmung ist labil, und die Rohstoffpreise haben sich noch lange nicht erholt. Glencore würde also einen unattraktiven Preis lösen. Amüsiert hat mich die Berechnung in der Zeitung «Sonntag». Danach hat Glencore einen Marktwert von mindestens 144 Milliarden Franken. Abgestellt wird dabei auf den Umsatz, ein bei einem Handelshaus schlechter Massstab. Wie viel Glencore tatsächlich wert ist, lässt sich ohne ­einen Blick in die Bilanz sowieso kaum sagen – doch die Baarer sind verschwiegen. Auf den letztjährigen Gewinn von 5,02 Milliarden Franken sowie ein – grosszügig – geschätztes Kurs-­Gewinn-Verhältnis von zwölf abgestellt, würde sich die Börsenkapitalisierung auf rund 60 Milliarden Franken belaufen. Mindestens.

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Hungrig nach Grösse. Die Glencore-Führung hätte dieser Tage sowieso kaum Zeit, einen Börsengang dieser gewaltigen Dimension vorzubereiten. Denn hinter den Kulissen wird ­geweibelt: Der in Zug ­domizilierte Bergbaukonzern Xstrata holt zum grossen Coup aus und hat der britisch-südafrikanischen Konkurrentin Anglo American ein Übernahmeangebot unterbreitet. Es spricht einiges für eine Fusion. Xstrata-CEO Mick Davis jedenfalls unternimmt ­alles Mögliche, um die sich (noch) zierende Braut vor den Traualtar führen zu können. Davis hat Xstrata von einem ­unbedeutenden Player zu einem der weltgrössten Bergbaukonzerne emporgekauft. In seinem Hunger nach Grösse holt er nun zum Meisterstreich aus.

Der grösste Profiteur dieser Elefantenhochzeit jedoch wäre Glencore. Der Rohstoffhändler kontrolliert mit über einem Drittel der Aktien Xstrata; beim Bergbaukonzern geschieht nichts Wichtiges, ohne dass der Strippenzieher, nämlich der auch hier als Präsident amtierende Willy Strothotte, ­seinen Segen dazu gibt. Glencore vermarktet das Gros der Rohstoffe, die Xstrata aus dem Boden holt. Nach einer Fusion hätte Strothotte auch Zugriff auf die Produkte von Anglo American. Falls die Übernahme denn zustande käme, und da habe ich eben meine Zweifel. Schon beim Versuch einer Fusion von Xstrata mit dem brasilianischen Eisenerzförderer Vale pokerte Glencore wohl zu hoch – die Verlobung ging in die Brüche.

Die Xstrata-Aktien sind böse abgestürzt und haben seit Mitte 2008 zeitweise mehr als 90 Prozent an Wert verloren. In den letzten vier Monaten legten die Papiere wieder deutlich zu. Xstrata sind auf lange Sicht attraktiv, auch wenn die Fusion nicht zustande kommt.

Das Bollwerk hält. Microsoft hat einen weiteren Versuch gestartet, das Bollwerk Google zu stürmen. Seit einigen Wochen hat der US-Softwarekonzern seine neue Suchmaschine Bing im Internet aufgeschaltet. Allerdings muss Bing noch gewaltig aufgemotzt werden, bis die Google-Betreiber Anlass haben, sich ernsthafte Sorgen zu machen. So oder so hat Bing – zumindest vorderhand – keine Auswirkungen auf den Geschäftsgang von Microsoft. Die Aktien haben sich seit März spürbar erholt, bergen aber noch weiteres Kurspotenzial.

Spekulation gefällig? Der zeitweise kräftige Börsenaufschwung seit Anfang März hat nur einen Teil der Biotech-Aktien mitgezogen. Actelion, Bioxell, Newron und Basilea legten zum Teil stark zu, Cytos dagegen mussten zurückstecken. Auch Addex haben leicht an Boden verloren, was mich eher erstaunt. Denn die von einstigen Forschern von Roche und GlaxoSmithKline ins Leben gerufene Biopharma-Firma hat in letzter Zeit einige erfreuliche News vermelden können. So gab CEO Vincent Mutel bekannt, dass der Produktkandidat ADX 10  059, ein Medikament gegen Magensäurerückfluss, mit einem neuen Therapieansatz Erfolge zeitige. Und eine Partnerfirma hat jüngst klinische Studien der Phase I mit dem Wirkstoffkandidaten ADX 71  149 aufgenommen. Dieses Produkt lässt sich wahrscheinlich zur Behandlung von Angstzuständen, Depressionen und anderen Störungen des Zentralnervensystems einsetzen.

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Helvea zollt der jüngsten Entwicklung Beifall. Analyst Olav Zilian empfiehlt die Addex-Aktien zum Kauf und setzt das Kurzsziel auf 59 Franken. Gegenüber dem aktuellen Preis entspricht dies einer Verdoppelung. Dennoch sind diese Papiere nichts für risikoscheue Investoren. Die Genfer Jungfirma wird auch in diesem Jahr kräftig Geld verbrennen, und zwar zwischen 40 und 45 Millionen Franken. Wer dagegen eine interessante Spekulation sucht, kann sich einen Einstieg überlegen. Doch seien Sie sich bewusst: Addex ist ein heisser Ritt. Fällt ein Produkt beim Test durch, sackt der Aktienkurs ab; schneidet ein Medikament gut ab, schiessen die Valoren in die Höhe.