Junge Menschen haben für Banken und Vermögensverwaltungen eine herausragende Bedeutung. Das liegt an ihrer Anzahl, aber auch an den Vermögenswerten, die sie besitzen oder bald besitzen werden.

Allein die Millennials, die zwischen 1981 und 1996 geboren sind, machen 1,8 Milliarden Menschen aus, wovon 86 Prozent in Schwellenländern leben. Laut der Bank of America Merrill Lynch stellen die Millennials, auch als Generation Y bezeichnet, bis 2025 drei Viertel der weltweiten Arbeitskräfte.

Die Millennials halten heute schon ein Vermögen von 24 Billionen Dollar. Zusätzlich werden sie in den nächsten Jahren weitere 16 Billionen Dollar erben. Auch in der Schweiz werden jährlich 60 bis 70 Milliarden Franken vererbt.

Kein Wunder, untersucht die Finanzbranche mit grossem Aufwand die Werthaltungen junger Generationen und deren Verhalten bei ­Finanzangelegenheiten. Um ihre Gunst zu gewinnen, müssen Banken und Vermögensverwalter wissen, was junge Leute umtreibt und was sie mit ihrem Geld anfangen wollen.

Die Generation Y unterscheide sich stark von ihren Vorgängergenerationen, sagt Jean-Christophe Labbé, der bei der Genfer Vermögensverwaltung Decalia ­einen speziellen Millennial-Fonds managt.

«Sie ist mehr darauf ausgerichtet, Geld für Erlebnisse wie etwa Live-Musik auszugeben, als ein grosses Vermögen zu besitzen. Sie reist auch mehr als andere Generationen.» Umgekehrt besässen die Millennials weniger oft Wohneigentum oder ein eigenes Auto.

Transparenz ist wichtig

Wenn es um das Investieren von Geld gehe, so Labbé, seien der Generation Y ein einfacher Zugang und Transparenz wichtig. «Millennials sind Digital Natives, da­rum ist hier ein verlässlicher und kundenfreundlicher Digitalzugang zu Finanzdienstleistungen entscheidend.» Weiter achte diese Generation beim Investieren auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung. «Sie ist bereit, einen Teil der Einkünfte ihrer Investments zu opfern, wenn stattdessen strenge Nachhaltigkeitskriterien angelegt werden.»

Ähnlich schätzt Luke Barrs, Portfolio Manager bei Goldman Sachs Asset Management, das Verhalten der Millennials ein. «Diese Generation legt grossen Wert auf Erfahrungen. Sie gibt lieber Geld aus für Reisen, Konzerte, Sportveranstaltungen und Restaurantbesuche als für phy­sischen Besitz.» Bei Anschaffungen seien die Millennials sehr preissensitiv. Die Smartphone-Technologie ermögliche ihnen, Preise rasch zu vergleichen.

Das Anlageverhalten der Millennials unterscheide sich klar von jenem der vorgängigen Generationen, sagt Barrs. «Die Anlageprodukte müssen ihren Interessen entsprechen und mit ihren Werten übereinstimmen.» Vor allem Nachhaltigkeit sei ihnen wichtig. Die Generation Y sei zudem bereit, mehr Risiken bei der Geldanlage einzugehen. «Das hängt natürlich auch von ihrem geringen Lebensalter ab», so Barrs.

Andreas Feller, Leiter des Private Banking Deutschschweiz bei Julius Bär, gesteht den Millennials «einen starken Drang zur Eigenständigkeit» zu. «Sie legen viel Wert auf Lifestyle und Freizeiterlebnisse, sind gleichzeitig aber auch sehr bildungsorientiert und informiert.»

Bei vielem, was diese Generation tue, suche sie nach Identität und Bestimmung. «Ihr Handeln ist stark nach einem Zweck ausgelegt.» Nicht nur als Arbeitnehmende fragten Millen­nials nach der Gemeinnützigkeit der Firma, auch als Investoren seien sie an sozialen Engagements interessiert.

Stark von Werten getrieben

Junge Kunden von Julius Bär seien ­einerseits Leute, die ihr Geld aus unternehmerischer Tätigkeit gewonnen haben, anderseits solche, die Familienvermögen vererbt bekommen haben, erklärt Feller. Erstere seien stark daran interessiert, so zu investieren, dass ein sozialer oder ökologischer Vorteil für die Gesellschaft resultiert, und seien auch bereit, grössere Risiken dafür einzugehen. Bei vererbtem Familienvermögen stehe eher der Vermögenserhalt im Vordergrund. «Bei jungen Leuten spürt man in der Regel einen grossen Respekt vor den Vermögenswerten, die an sie weitergegeben wurden.»

Ebenfalls mit vermögenden jungen Leuten hat es Victor Aerni, Leiter Wealth Management Deutschschweiz bei der Genfer Privatbank Pictet, zu tun. Authentizität und Ehrlichkeit seien ihnen wichtig. «Die jungen Menschen wollen etwas tun, mit dem sie sich identifizieren können», sagt Aerni. Entsprechend sei das thema­tische Investieren für sie wichtig.«Millennials interessieren sich für globale Megatrends und sind insbesondere sehr technologie­affin.»

Aerni erlebt seine jungen Kundinnen und Kunden als solche, die stark von Werten getrieben und oft sehr kritisch sind. «Es sind Leute, die sich gründlich informieren. Saloppe Auskünfte zu Bankgeschäften genügen ihnen nicht. Sie wollen die Kompetenz der Bankberater spüren, mit denen sie zu tun haben.»

Die Wissbegierde sieht auch Peter Zollinger, Leiter Impact Research bei der Globalance Bank, als zentrales Merkmal junger Generationen. «Sie wollen überall viel mehr wissen im Leben, auch bei der Vermögensanlage.» Entsprechend verlangten junge Generationen sowohl nach Informationen zu Chancen und Risiken einer Geldanlage als auch zu den volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen eines Investments.

Das käme der Globalance Bank entgegen, denn diese habe sich auf die Fahnen geschrieben, beim Banking die Stärken der Schweiz mit dem Thema Nachhaltigkeit zu verbinden. Die Kunden sollten wissen, was eine Geldanlage in der realen Welt bewegt. «Entsprechend informieren wir so transparent als möglich», so Zollinger.

Skepsis gegenüber den Banken

Ansonsten stellt Peter Zollinger eine grosse Skepsis junger Leute gegenüber der Bankbranche fest. «Sie haben oft das Gefühl, dass hier nicht für ihre Interessen gearbeitet wird.» Die jungen Generationen würden zudem mehr den Ratschlägen von Freunden und Verwandten vertrauen, als denen von Bankberatern.

Gegen die Zweifel komme man nur mit Transparenz an. «Man muss immer wieder beweisen, dass ihre Anforderungen an eine Geldanlage erfüllt sind. Man muss Verantwortung übernehmen und Rechenschaft ablegen.»

Immerhin: «Die Jungen sind zwar hartnäckiger, aber wenn man ihr Vertrauen einmal gewonnen hat, bleiben sie langfristig als Kundinnen und Kunden erhalten», stellt Peter Zollinger fest.

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