Die Stromgrenze geht mitten durch den Ort. Kriens, Luzernerstrasse. Links die Häuser mit ungerader Hausnummer, rechts die mit den geraden Hausnummern. Links wird der Strom von einem der Grossen im Schweizer Stromgeschäft geliefert, den Centralschweizerischen Kraftwerken (CKW). Pech gehabt: Die Kilowattstunde kostet fast 28 Rappen. Auf der anderen Strassenseite, in den Häusern mit gerader Hausnummer, kostet dieselbe Kilowattstunde 17,6 Rappen, geliefert vom Werk der Stadt Luzern, EWL.

Zehn Rappen mehr oder weniger wirken sich aus. Ein kleiner, sparsamer Haushalt, der nur 3500 Kilowattstunden Strom im Jahr verbraucht, zahlt bereits 350 Franken im Jahr «zu viel» – nur weil er in Kriens zufällig auf der falschen Seite der Luzernerstrasse liegt. Aber deswegen protestieren? Nein. «Man zahlt offenbar, was verlangt wird, den meisten Bürgern ist dieser Preisunterschied gar nicht bekannt», sagt Michael Lutz, der Krienser Energiebeauftragte, der selbst in einem Büro auf der «falschen» Seite der Luzernerstrasse, in der Nummer 15, sitzt. «Bis jetzt ist bei uns keine Reklamation aus der Bevölkerung eingegangen», weiss Michael Lutz und verweist auf langjährige Konzessionsverträge.

So wie Kriens wird die ganze Schweiz in viele kleine Monopole aufgeteilt, rund 1000 an der Zahl. Diese tausend Monopolisten verlangen Tarife, wie es ihnen gefällt. In Neuenburg 29 Rappen pro Kilowattstunde, in Sitten und Lugano weniger als 17 Rappen. In Lausanne mehr als 26 Rappen, in Basel weniger als 18. Das sind Preisdifferenzen zwischen vergleichbaren Ortschaften, die sicher nicht mit topografischen oder andern Besonderheiten erklärt werden können.

Preisvergleiche sind kaum möglich
Die Konsumenten zahlen brav. Würden sie nicht zahlen, würde ihnen der Strom abgestellt; eine Wahl haben sie nicht, noch nicht. Wollen sie nur schon die Rechnung kontrollieren, stossen sie an Grenzen. Das Stadtzürcher EWZ zum Beispiel weist nicht einmal aus, auf welche Monate sich der Rechnungsbetrag bezieht. Kundeninformation? Wird häufig noch als unnötiger Luxus betrachtet. Manche Werke teilen nicht einmal aktiv mit, von wann bis wann die Nacht- oder Wochenendtarife gelten. Zudem sind Grundtaxen, Hoch- und Niedertarife von Ort zu Ort so unterschiedlich geregelt, dass ein Preisvergleich für gewöhnliche Konsumenten gar nicht möglich ist.

Licht in den Tarifdschungel bringt ein unabhängiger, professioneller Energieberater aus Ebikon LU: Werner Geiger. Für seine Internetfirma Enerprice.ch sammelt er seit bald fünf Jahren die Preise aller grösseren Werke, errechnet Durchschnittstarife und weist Differenzen aus, die «auf den ersten Blick irritierend erscheinen», wie der Geschäftsleiter der CKW, Thomas von Weissenfluh, offen zugibt. «Die Logik hinter diesen Tarifunterschieden besteht darin, dass es keine Logik gibt», sagt Werner Geiger, seit längerem auf der Suche nach einer Erklärung. «Es sieht danach aus, dass die Preise durch Historie, Politik und wohl auch viele Zufälle bedingt sind.»

Wo bleiben die Informationen?
In der Öffentlichkeit wird die Tarifwillkür selten thematisiert. Im März 1997 kritisierte die «NZZ» scharf: «Als Steuerzahler und gefangener Konsument darf man durchaus die Forderung stellen, über die Praktiken der ‹volkseigenen› Elektrizitätswerke auf dem Laufenden gehalten zu werden.» Nur: Auf dem Laufenden gehalten werden wir heute nicht. Auf der Homepage von www.enerprice.ch sind immerhin die drei günstigsten Werke der Schweiz publiziert: Zurzeit sind das für Haushaltskunden das EW Zermatt im Wallis (13,5 Rappen pro Kilowattstunde), das EW Schwanden im Glarnerland (14 Rappen) und das EW Ernen Mühlebach im Wallis (14,5 Rappen). Drei Bergdorfwerke, die sich mit Wasserkraft günstig selbst versorgen.

Im Auftrag von Avenir Suisse veröffentlicht Werner Geigers Enerprice einen Preisvergleich für die 30 grössten Städte der Schweiz (siehe Tabelle «In Sitten halb so teuer wie in Neuenburg» links). Dafür wurde ein Musterhaushalt so definiert (3500 kWh Strombezug pro Jahr, 400 Volt Spannung), dass der Schweizer Städtetest erstmals direkt mit den Statistiken der EU vergleichbar ist.

Resultat: Die Schweizer Haushalte zahlen im Durchschnitt 16 Prozent mehr als die Haushalte der EU, wo der Markt zumindest in Grossbritannien, Skandinavien, Deutschland und Österreich vollständig liberalisiert ist.

Allerdings fliesst der teure Schweizer Strom sehr unterschiedlich durch das Land. Nimmt man die Extremwerte von Sitten bis Neuenburg, gliedern sie sich «einigermassen harmonisch», so Experte Werner Geiger, in die europäische Landschaft ein. Athen ist günstiger, klar, aber die Griechen-Metropole ist auch in Europa für Haushaltskunden eindeutig untere Spitze. Sitten dagegen liegt nicht so weit hinter Helsinki, London, Dublin, Stockholm – und damit nicht so weit hinter Märkten, die seit Jahren liberalisiert sind. Neuenburg dagegen, die teuerste Stadt der Schweiz, ist nur noch knapp günstiger als ganz Italien, wo nach wie vor ein staatliches Monopol für das ganze Land gilt und wo es gleichzeitig die weitaus höchsten Strompreise in ganz Europa gibt.

Einspruch prominenter Linker
Also alles halb so schlimm für die Schweizer Konsumenten, auch wenn sie im Durchschnitt 16 Prozent «zu viel» zahlen? Peter Bodenmann, der berühmte Hotelier von Brig und einstige Präsident der SP Schweiz, freut sich über die jüngsten Schweizer Abstimmungen, bei denen die Stromliberalisierung eine Abfuhr erlitten hat. Der Grund aus Sicht des Wallisers: «In Zürich ist der Strom aus der Steckdose günstiger als in allen vergleichbaren Grossstädten Europas, und das schuldenfreie EWZ liefert jedes Jahr 50 Millionen an die Stadtkasse ab.» Paul Rechsteiner, der Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, bläst ins selbe Horn: «Die Mehrheit hält nichts davon, bei der Elektrizitätsversorgung wie bei den Krankenkassen ständig zu vergleichen und auszuwählen und am Schluss trotzdem höhere Stromrechnungen bezahlen zu müssen.»

Viele Grosskunden würden sich eine Qual der Wahl aber wünschen. Denn am Standort Schweiz wird der Strom zum Kostenfaktor: Zahlen Schweizer Haushalte im Durchschnitt 16 Prozent mehr als in Europa, so berappen die Schweizer Industrie-, Gewerbe- oder Dienstleistungskunden sogar 39 Prozent mehr als in der EU.

Ein Hotel mit 100 Betten, eine mittlere Verzinkerei, eine grosse Bäckerei oder eine Maschinenfabrik mit 100 Mitarbeitern – das sind Betriebe, die im Jahr rund zwei Millionen Kilowattstunden Strom beziehen. In Luzern, Biel, Chur, Lugano, Yverdon und La-Chaux-de-Fonds zahlen sie dafür mehr als 15 Rappen pro Kilowattstunde, in der Stadt Zürich 14,5 Rappen, wogegen es im übrigen Kanton Zürich oder in Freiburg weniger als 12 Rappen sind. Die Elektra Birseck, die das untere Baselbiet versorgt, ist noch ein wenig billiger, aber eben nur ein wenig. Denn in den liberalisierten Ländern Skandinaviens – von Oslo über Stockholm bis Helsinki – zahlen dieselben Kunden weniger als 7 Rappen. In Paris sind es 8 Rappen, in München 9 Rappen pro Kilowattstunde. Elektrizität wird damit zum Standortfaktor: Ein Betrieb mit 2 Millionen Kilowattstunden Strombezug zahlt in Zürich pro Jahr fast 200000 Franken mehr als in Stockholm.

Fazit: Die Schweizer Haushalte werden von Ort zu Ort sehr unterschiedlich, das Schweizer Gewerbe wird dagegen systematisch geschröpft. Während der Markt in ganz Europa liberalisiert wird, ziehen hier zu Lande Monopolisten in staatlichem Gewand ihre Renten ein.

Liberalisierung in kleinen Raten
Einer der hartnäckigsten Gegner einer Strommarktöffnung war denn auch die Stromindustrie selbst. Seit Jahren hat der Verband der Schweizerischen Elektrizitätsunternehmen (VSE) nur ein Ziel verfolgt: die Marktöffnung so lange wie möglich hinauszuschieben. Der VSE war dabei recht erfolgreich. Das Elektrizitätsmarktgesetz (EMG), das voraussichtlich im Juni zur Abstimmung kommt, «ermöglicht den geordneten Strukturwandel auf allen Ebenen», wie das Bundesamt für Energie mitteilt. Im Klartext: Die Liberalisierung wird gedehnt wie ein Gummiband. Für Kunden mit weniger als 10 Millionen Kilowattstunden jährlichem Verbrauch wird sie erst sechs Jahre nach der Verabschiedung des EMG wirksam.

In der Zwischenzeit darf die Strombranche weiterhin ihre Monopolgewinne erzielen. Nicht unbedingt, um sich zu bereichern, aber um Fehler zu korrigieren. Finanzanalysten sprechen von «Stranded Investments», auf Deutsch: von «nicht amortisierbaren Investitionen», oft abgekürzt als NAI. Dieser Ausdruck ist, wie die Erfahrung zeigt, irreführend: Denn die Fehlinvestitionen der Schweizer Stromindustrie entpuppen sich zu einem schönen Teil eben doch als amortisierbar – dank der überhöhten Monopolpreise, die Schweizer Klein- und Gewerbekunden Monat für Monat abzuzahlen haben.

Musterbeispiel dafür ist das Wasserkraftwerk Grande Dixence im Wallis. Die Finanzanalysten der Credit Suisse First Boston schätzen die Stranded Investments auf 615 Millionen Franken. Um diese Fehlinvestition zu kaschieren, wird der Preis des erzeugten Stroms von Grande Dixence künstlich erhöht. Er kostet ab Werk 8 Rappen pro Kilowattstunde, rund doppelt so viel wie auf dem freien Markt. Beglichen wird die Rechnung stillschweigend: Denn Grande Dixence gehört mehrheitlich der EOS (Energie Ouest Suisse), welche wiederum von den Versorgungsbetrieben von Neuenburg, Freiburg, Genf, Lausanne und der Waadt kontrolliert wird. Am Ende dieser Kette stehen also die Kunden in diesen Städten, die – wen wunderts? – nicht nur im schweizerischen, sondern auch im europäischen Vergleich absolute Spitzenpreise zu bezahlen haben.

Obschon diese Fehlinvestition also auf die Kunden abgewälzt wird, ist die politische Wirkung paradox: Die Kunden schlucken das. Ausgerechnet die Westschweizer, die am meisten von einer Liberalisierung profitieren könnten, kämpften am stärksten gegen die Öffnung des Strommarktes.

Das gleiche Prinzip – der schwarze Peter wird vom fehlbaren Investor an den unwissenden Kunden weitergereicht – zeigt sich beim Atomkraftwerk Leibstadt: Hier wurden die Stranded Investments von der Credit Suisse First Boston in einer ersten Studie im Dezember 1997 noch auf 2620 Millionen Franken beziffert, im Juni 2001 aber auf 632 Millionen Franken korrigiert. Denn je länger das Marktmonopol andauert, umso besser amortisiert sich auch eine «Fehlinvestition». Der Mechanismus läuft exakt wie bei Grande Dixence: Die Aktionäre von Leibstadt zahlen einen überhöhten Preis ab Werk (5,9 Rappen statt 4 bis 5 Rappen). Und wer sind diese gemeinnützigen Aktionäre, die so grosszügig derartige Preise bezahlen? Unter anderem die Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW) (12,5 Prozent), die Bernischen Kraftwerke (BKW) (7,5 Prozent), die Westschweizer EOS (5 Prozent), die in ihren Versorgungsgebieten europaweite Spitzenpreise pro Kilowattstunde einziehen.

Oder die ENAG, die Energiefinanzierungs AG. Das ist eine Gesellschaft, die Atomstrom in Frankreich einkauft – im grossen Stil und auf lange Frist. Eine erste Tranche reicht bis 2019, eine zweite Tranche bis 2024. Die Preise wurden Anfang der Neunzigerjahre fixiert, und diese eingegangenen Verträge sind nach heutiger Beurteilung Stranded Investments, die von der Credit Suisse First Boston auf 576 Millionen Franken geschätzt werden. Auch diese Fehlinvestition wird von den Aktionären der ENAG, darunter der CKW (25 Prozent), überwälzt. In der Schweiz haben die Grosskunden diese Praxis durchschaut. «Warum sollen wir für die Fehlinvestitionen der Strombranche geradestehen?», begannen sie sich zu wehren.

Exemplarisch ist der Fall der Swissmetall in Reconvilier BE, die Billigstrom aus Frankreich importieren wollte. Nachdem sich das Berner Elektrizitätswerk (BKW) geweigert hatte, diesen Strom durchleiten zu lassen, gelangte Swissmetall an die Wettbewerbskommission, die im Februar 2000 eine Untersuchung einleitete. Das Verfahren wurde inzwischen eingestellt. Grund: Die beiden Streithähne haben sich gütlich geeinigt. Die BKW als Monopolistin hat eingesehen, dass sie dem Grosskunden entgegenkommen musste. Seither bietet die BKW der Swissmetall Sonderkonditionen, die deutlich unter dem Industrietarif der BKW liegen.

Auch das Berner Inselspital hat sich seit längerem vertraglich mit der BKW geeinigt. Weil es sich hier um eine öffentliche Institution handelt, sind ausnahmsweise sogar Einzelheiten über solche Sonderkonditionen öffentlich bekannt geworden: Das Inselspital zahlt noch 9 Rappen pro Kilowattstunde statt 13 Rappen wie vorher beim Elektrizitätswerk der Stadt Bern.

So bewegt sich der Markt, bevor er liberalisiert ist. Die 114 grössten Kunden in der Schweiz, von denen jeder mehr als 20 Millionen Kilowattstunden im Jahr verbraucht und für die im Elektrizitätsmarktgesetz (EMG) eine «sofortige» Marktöffnung vorgesehen ist, dürften heute bereits von Sonderverträgen profitieren. Damit zahlt die Grosskundschaft, die 12 Prozent des Stroms in der Schweiz verbraucht, wohl annähernd europäische Preise: Die Konditionen sind geheim, eine Markttransparenz gibt es nicht, aber die Grossverbraucher dürften schon heute Preise zahlen, wie sie in London, München oder Frankfurt üblich sind – zwischen 7 und 10 Rappen. «Wildwestmarkt», kritisiert der Basler SP-Nationalrat Rudolf Rechsteiner, ein Befürworter des EMG.

Die mittelgrossen Kunden können von diesem wilden Markt noch nicht profitieren. Immerhin sind erste behutsame Schritte Richtung Marktpreis zu beobachten: «Vor fünf Jahren waren die Preisdifferenzen von Ort zu Ort bei den Industriekunden fast so gross wie bei den Haushaltskunden heute», weiss Strompreisexperte Werner Geiger. Gegenwärtig zeigt der Preisvergleich der 30 grössten Schweizer Städte: Bei den Haushaltskunden schwanken die Tarife zwischen 29 Rappen und 16 Rappen; bei den mittelgrossen Kunden mit 2 Millionen kWh im Jahr ist die Preisspanne schmaler, sie bewegt sich zwischen 18 und 11 Rappen, was im europäischen Vergleich aber immer noch sehr teuer ist.

Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), zu klein für Sonderverträge, leiden denn auch am meisten unter der Macht der tausend Monopolisten. Johann N. Schneider-Ammann, Präsident der Schweizer Maschinenindustriellen Swissmem, ist empört: «Das EMG selbst ist bereits ein Kompromiss, der vor allem den KMU noch während Jahren überhöhte Strompreise zumutet.»

In Zürich will der Stadtrat dem EWZ Sonderverträge mit mittelgrossen Kunden erlauben, die mehr als 60000 Kilowattstunden im Jahr konsumieren. Damit könnte sich die Zahl der Sonderverträge von heute 33 auf rund 3300 erhöhen. Nach einem Referendum von links muss nun aber das Volk entscheiden. «Bisher haben einige politisch geführte Elektrizitätswerke die Wählerstimmen maximiert», vermutet der Energieberater Werner Geiger. Anfang der Neunzigerjahre hat der Gemeinderat von Zürich – nach einem Linksrutsch – für tiefe Haushaltstarife, aber höhere Industrietarife gesorgt. Auch in Chur, Luzern und Lugano verfolgen die Elektrizitätswerke eine «Quersubventionierung der Haushalte», urteilt Geiger, die «rein politischer Natur» ist, wie Kurt Schiess, der Direktor der Industriellen Betriebe Chur (IBC), bestätigt. «Die Tarifhoheit liegt in Chur bei der Legislative, beim Gemeinderat. Je nach politischer Zusammensetzung wurden in den vergangenen Jahren die Haushalte oder das Gewerbe mit Tariferhöhungen beglückt.»

Was passiert, falls das Volk Ja sagt zur Strommarktliberalisierung? Bei den grössten Kunden am wenigsten, denn die zahlen heute schon annähernd europäische Preise. Profitieren würden die KMU: Die Strompreise für mittelgrosse Kunden würden weiter ins Rutschen kommen. Die Haushaltstarife werden nur leicht sinken, am stärksten noch in der Westschweiz. Die kleinsten Kunden werden darum auch weniger reagieren müssen. Es lohnt sich kaum, wegen ein, zwei Rappen pro Kilowattstunde den Anbieter zu wechseln; entscheidend ist, dass sich der frühere Monopolist auf den Markt einstellen muss. Auch in Deutschland haben seit der Liberalisierung erst 3 bis 5 Prozent der Stromhaushalte die Stromgesellschaft gewechselt, die Strompreise sind trotzdem gesunken.

Die Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW) bereiten sich auf die neue Zeit vor. Zum 1. Oktober 2001 haben sie den Haushaltstarif um drei Prozentlein gesenkt. Womit der unsichtbare Preisgraben mitten durch Kriens etwas weniger tief geworden ist.



Erklärungen hier, Schweigen dort
Warum ist der Tarif für Haushalte in einer Schweizer Stadt doppelt so teuer wie in der andern? BILANZ hat die Chefs der Elektrizitätswerke mit den teuersten und den tiefsten Haushaltstarifen mit den Fakten konfrontiert und um eine Stellungsnahme gebeten.

Sitten: 16,30 Rappen pro Kilowattstunde
«Es stimmt: Unser Preis ist relativ tief. Das erklärt sich einerseits durch die Versorgungspolitik der Stadt Sitten, deren Strombeteiligungen eine langfristige Elektrizitätsversorgung sichern. Andererseits erklärt sich der tiefe Preis durch die geografische Lage: Sitten liegt im Herzen der schweizerischen Wasserkraft. Zudem haben wir ein effizientes Versorgungsnetz, das sich vom Tal bis in die Berge verteilt.»
Raphael Morisod, Direktor der ESR (L’Energie de Sion-Région SA)

Lugano: 16,52 Rappen pro Kilowattstunde
«Ja, wir haben sehr interessante Preise. Denn die AIL hat eine Mehrheitsbeteiligung an einer günstigen Elektrizitätsproduktionsgesellschaft. Das Preisniveau im Tessin ist generell tiefer als in anderen Regionen der Schweiz. Zudem verzichtet unsere Eigentümerin, die Gemeinde Lugano, auf Dividenden und verwendet die erzielten Gewinne vielmehr dafür, Amortisationen zu tätigen.»
Nelio Jametti, Direktor der AIL (Aziende Industriali di Lugano SA)

Basel/Riehen: 17,21 Rappen pro Kilowattstunde
«Alle Stromkunden in Basel profitieren von relativ tiefen Preisen, weil die IWB bereits seit mehren Jahren konsequent und kontinuierlich Optimierungs- und Effizienzsteigerungsmassnahmen sowohl bei der Strombeschaffung als auch bei der Stromverteilung durchgeführt hat. Die IWB-Strompreise wurden per 1. April 1999 im Haushaltsbereich um 17,5 Prozent und im Industrie- und Gewerbebereich um 27,5 Prozent reduziert. Das Strompreisniveau in Basel ist deshalb nicht nur im Haushaltsbereich, sondern auch im Industrie- und Gewerbebereich deutlich tiefer als in anderen Regionen. Ein weiterer Grund ist auch die Tatsache, das die IWB mehrheitlich eher dicht bebaute Stadtgebiete versorgen und deshalb im Vergleich zu ländlichen Regionen günstigere Voraussetzungen in der Stromverteilung haben.»
Heinrich Schwendener, Marketingchef der IWB (Industrielle Werke Basel)

Chur: 17,21 Rappen pro Kilowattstunde
«Der tiefe Haushaltstarif der IBC lässt sich zum Teil durch unseren Niedertarif erklären (nur 10 Rappen pro Kilowattstunde). Je nach Niedertarifanteil fällt dann der Durchschnittspreis ebenfalls tief aus. Dazu kommt, dass die IBC keinen Grundpreis verrechnen; dieser wurde anlässlich der letzten Tarifrevision 1992 auf politischen Druck hin aufgehoben.»
Kurt Schiess, Direktor der IBC (Industrielle Betriebe Chur)

Emmen: 27,93 Rappen pro Kilowattstunde
«Das Versorgungsgebiet der CKW befindet sich vorwiegend in topografisch schwierigem Gelände, denken wir nur ans Entlebuch oder ans Napfgebiet. Die Kosten für Bau und Unterhalt des Verteilnetzes sind im Vergleich zu Stadtwerken massiv höher; und dies bei deutlich tieferer Kundendichte. Im Unterschied zu vielen anderen, öffentlich-rechtlichen Elektrizitätswerken müssen die CKW als privatwirtschaftliches Unternehmen zudem Konzessionsgebühren und Steuern bezahlen. Diese Faktoren wirken sich direkt auf den Strompreis aus. Auf Grund von Effizienzsteigerungen sind die CKW jedoch in der Lage, ihren Haushaltskunden seit 1. Oktober 2001 einen Rabatt von 3 Prozent zu gewähren, der in Ihren Zahlen noch nicht berücksichtigt ist.»
Thomas von Weissenfluh, Direktor der CKW (Centralschweizerische Kraftwerke)

Montreux: 28,28 Rappen pro Kilowattstunde
Das Unternehmen hat bis zum Redaktionsschluss trotz mehrmaliger Nachfrage keine Stellungnahme abgegeben.

Neuenburg: 29,00 Rappen pro Kilowattstunde
Das Unternehmen hat bis zum Redaktionsschluss trotz mehrmaliger Nachfrage keine Stellungnahme abgegeben.
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