Hotel-Rating 2003
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Manchmal reicht ein preisgünstiger Overnight-Stopp in einem zentral gelegenen Mittelklassehaus, dann wollen wir uns wieder in edel aufgebrezelten Jugendstilhallen von der Gewöhnlichkeit der Welt erholen. Einmal quengeln wir über den inneren Krawattenzwang, ein anderes Mal fragen wir uns, wohin man als Frau das neue Abendkleid ausführen kann, ohne neben all den Turnschuhträgern overdressed zu erscheinen. Luxus wird nicht mehr durch den Preis definiert, sondern durch die Haltung, die hinter einem Hotel steht. Die einzigartige Atmosphäre, das unverwechselbare Lebensgefühl zählt – und wird zum Schlüssel des Hotelerlebnisses.

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Die besten Hotels fürs Business

Da es bei vielen Hotels ums Überleben geht, kann die Zukunft nicht so aussehen wie die Vergangenheit. Sosehr das zum Teil zu bedauern ist: Es bleibt den Hoteliers keine andere Wahl, als Grenzen zu überschreiten, mit erhöhtem Tempo auf die Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft zu reagieren und neue Kundenbedürfnisse sofort aufzunehmen. Kein anderes Hotel in der Schweiz hat diesen Wandel besser vollzogen als das 137-jährige Victoria-Jungfrau in Interlaken; es führt zum ersten Mal das BILANZ-Rating der Businesshotels an.

So wurde gewertet
Das BILANZ-Hotel-Rating basiert auf fünf Bewertungssäulen. Um die besten Hotels zu ermitteln, hat BILANZ die Ergebnisse der fünf Bewertungskategorien summiert und daraus eine Durchschnittsnote erstellt (in den Ranglisten ersichtlich). Manche Hotels konnten nicht mittels aller fünf Säulen bewertet werden. Auf das Gesamtresultat hat dies keinen Einfluss – die addierten Wertungsränge werden durch die Anzahl berücksichtigter Säulen geteilt.


1. Bewertungssäule:


BILANZ-Hoteltest (doppelt gewichtet)


Die Ergebnisse basieren auf unseren Hotelbesuchen zwischen Juli 2002 und Juli 2003. Die ausschlaggebenden Kriterien finden sich im BILANZ Hotel-Guide 2004.


2. Bewertungssäule:


Aktuelle Wertungen der Fach-Guides


BILANZ rechnet die aktuellen Wertungen des «Michelin Guide Rouge» und des «Gault Millau» sowie die Einschätzung internationaler Publikationen in ein einheitliches Notensystem um.


3. Bewertungssäule:


Umfrage bei Hoteliers (doppelt gewichtet)


Die Ergebnisse basieren auf der im Februar 2003 durchgeführten schriftlichen BILANZ-Umfrage bei 105 führenden Schweizer Hoteliers. Als Bewertungskriterium galt der persönliche Gesamteindruck. Bei der Benotung der Hotels war einerseits die Empfehlungshäufigkeit, andererseits der Wertungsdurchschnitt ausschlaggebend.


4. Bewertungssäule:


Erfahrungen der Travel-Manager


Die Ergebnisse basieren auf einer umfangreichen Telefonbefragung bei Reise- und Event-Managern führender Schweizer Banken und Grossunternehmen. Ausschlaggebend war dabei einerseits die Empfehlungshäufigkeit, andererseits die Beurteilung von sieben qualitativen Kriterien.


5. Bewertungssäule:


Erfahrungen der BILANZ-Leser


Die Ergebnisse basieren auf 1350 Briefen und E-Mails von BILANZ-Lesern. Hotels, die unsere Leser besonders beeindruckt oder genervt haben, erhalten jeweils Plus- respektive Minuspunkte.

Das organisch gewachsene Grandhotel, das sowohl für Businessreisende als auch für Feriengäste ein Erlebnis ist, paart klassische Raffinesse mit einer Modernität, von der die Schweizer Hotellerie im Allgemeinen weit entfernt ist. Das Ergebnis: Strahlende Mitarbeiter, glückliche Gäste und das neidvoll-ehrfürchtige Schweigen der Konkurrenz, wenn man das Gespräch auf das Direktionspaar Emanuel und Rosmarie Berger bringt. Wären die beiden weniger selbstbewusst und so missgünstig wie manch andere Hotelstars, würden sie vielleicht mit Unmut auf jüngere Kollegen schauen, die in wenigen Jahren hohe Auszeichnungen einheimsen, für welche die Bergers drei Jahrzehnte schufteten. Aber sie gönnen es ihnen von Herzen – zumal sie genau wissen, dass es viel schwerer ist, eine Spitzenstellung zu halten als sie zu erlangen.

Fünfmal Zweiter, einmal Vierter lautet die Bilanz des «Victoria-Jungfrau» in den letzten sechs Jahren. Nur zum Sieg hat es bisher noch nie gereicht. Die besten Noten verdient sich der diesjährige Primus der Schweizer Businesshotels quer durch alle fünf Bewertungssäulen: Das Haus geniesst höchstes Ansehen bei Reiseprofis, Hotel- und Gastro-Testern, Travel-Managern, Hotelierkollegen und BILANZ-Lesern.

Das Erfolgsrezept? Der Mix aus ausserordentlicher Beständigkeit und kontinuierlicher Vorwärtsstrategie. Den nächsten Coup landet das Powerpaar Berger im Herbst, dann wird die Erweiterung des ohnehin schon spektakulären Spas um eine Fläche von drei Tennisplätzen plus ein grosses Aussensolbad vollendet sein.

Auch das Beau-Rivage Palace in Lausanne interpretiert den Grandhotel-Glamour mit modernem Drive und bietet jene Prise Extravaganz, die sonst nicht zur Wesensart der Schweizer Hotelwelt gehört. Die Atmosphäre ist mondän, theatralisch, überwältigend. Trotz dem hohen Aufwand, der hier betrieben wird, geschieht nichts überzogen und Beifall heischend. Im Frühling 2003 kam es zu einem Eklat in der Führungsetage, bei dem der langjährige Hoteldirektor Christian Marich und dessen Nummer zwei, Andrès Oppenheim, den Belle-Epoque-Palast verliessen, was einige Gäste und Mitarbeiter verunsicherte. Mit François Dussart und Kor Dormans wurden inzwischen zwei viel versprechende junge Persönlichkeiten für die Nachfolge gefunden; sie werden alle Register ziehen, um den Spitzenplatz im nächstjährigen BILANZ-Hotelrating zurückzuerobern.

Noch nie lief ein Schweizer Hotel vom ersten Tag an so rund wie das neue Genfer City-Resort La Réserve. Und noch nie hat ein Hotel den Einstieg aus dem Nichts in die Medaillenränge geschafft. Innenarchitekt Jacques Garcia («Costes», Paris) hat alles, was als hoteltypisch auffallen könnte, vermieden. Schon die Lobby-Lounge ermahnt den Eintretenden: Ich bin kein normales Hotel, und du bist hoffentlich auch kein normaler Gast! Gespart wurde an nichts, auch nicht beim Service: Auf 100 Zimmer, zwei Restaurants und das Spa kommen 200 Mitarbeiter. Die Schweizer Spitzenhotellerie hat ein neues Mitglied – die Häuser in der bisherigen Pole-Position müssen sich etwas einfallen lassen. Welcome to the Club!

Zu den besten Hotels der Schweiz zählen sich viele Häuser. Und dass ein Hotelier unsere Kritik als ungerecht und unser Lob als nicht gerecht genug empfindet, erleben wir oft – warum sollten Hoteliers anders reagieren als die Mehrheit der anderen Menschen? Michel Rey, langjähriger Hoteldirektor im Zürcher Baur au Lac, reagierte also ganz normal, als er den fünften Platz im letztjährigen BILANZ-Hotelrating als unzureichend empfand. Heuer kommen wir auf Rang 6.

Warum schliessen wir uns nicht der Meinung des amerikanischen Finanzmagazins «Institutional Investor» an, welches das Nobeletablissement als bestes Hotel im deutschsprachigen Raum bewertet? Weil das «Baur au Lac» zwar die Kunst des traditionellen Gastgewerbes – auf hohem Niveau – nicht verlernt, ihr jedoch seit Jahren nichts hinzugefügt hat. Vor lauter Etepetete und unzeitgemässer Gutbürgerlichkeit sucht man vergebens nach lachenden Mitarbeitern, die ihren Job geniessen und ihre Herzlichkeit auf die Gäste übertragen. Es fehlt der Geist der Erneuerung. Bei aller Kritik: Das «Baur au Lac» ist und bleibt in seiner charaktervollen Art eines der allerbesten Hotels der Schweiz.

Das Designlabyrinth Widder (Rang 9), dessen verspielt moderne Innenarchitektur Mitte der Neunzigerjahre Furore machte, konnte zwar einen überzeugenden neuen Küchenchef gewinnen, läuft aber Gefahr, von attraktiv verjüngten Hotelklassikern und magnetisierenden Newcomern abgehängt zu werden. Nach der Eröffnung des viel versprechenden «Park Hyatt Zürich» (Herbst 2004) und der Totalrenovation des «Dolder Grand» (2005) wird man sich im «Widder» einiges einfallen lassen müssen, um einem Gäste-Exodus entgegenzuwirken.

Ohne grosses Aufsehen, aber mit hohem Qualitätsbewusstsein in kaum zu übertreffender Konstanz entzücken die Genfer Businesshotels Mandarin Oriental du Rhône (5) und Des Bergues (8) sowie das Zürcher Savoy Baur en Ville (10).

Ihnen gemeinsam ist das grosse persönliche Engagement des Managements sowie das Einfühlungsvermögen in den Gast, der nicht mit Regeln und Zwängen eingeengt werden soll, sondern auf den man so weit wie möglich eingeht. In den Augen von Manfred Hörger («Savoy») hat der Hotelier auf der Theaterbühne, die ein Hotel nun mal ist, die Rolle des Beleuchters einzunehmen: «Strahlen muss der Gast. In dem Moment, wo sich der Direktor zur Nummer eins macht, ist alles vorbei.»

Nach einem Renovationsschub in den öffentlichen Räumen meldet sich das Palace Luzern auf Rang 12 zurück: Der Muff wurde ausgelüftet, die Halle lädt endlich zum Verweilen ein, und im ehemaligen Restaurant Mignon entstand das minimalistisch elegante Gourmetlokal Jasper – doch alles, ohne dass sich Stammgäste beleidigt fühlen könnten. Das benachbarte Montana (13) behauptet sich als bestes Vier-Stern-Stadthotel der Schweiz. Kräftig zugelegt haben in diesem Jahr das Allegro in Bern (14), das Swissôtel Métropole in Genf (28), die Villa Castagnola in Lugano (32), das Schloss Hünigen in Konolfingen (35) und das Bristol in Genf (40).

Von den 33 Hotels, die den Einstieg in die BILANZ-Rangliste geschafft haben, erreichte das Viersternhaus Angleterre & Résidence in Lausanne auf Anhieb Platz 15. Es liegt direkt neben dem «Beau-Rivage Palace» an der Seepromenade und ist das perfekte Hotel für trendbewusste Geschäftsreisende, die sich wie im Urlaub fühlen wollen. Die neu gestalteten Zimmer im Berner Bellevue Palace (22) präsentieren sich in wohlproportionierter Banalität – die Stärke des Hauses bleibt der Food-&-Beverage-Bereich, der hier 70 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Das Designhotel Alpha-Palmier in Lausanne (Rang 43) gruppiert sich um einen spektakulär gestalteten Innenhof, im Semi-narhotel am Ägerisee (39) kommt auch während toughen Meetings Ferienstimmung auf.

Bei den Dreisternhäusern neu in vorderen Rängen dabei sind das Hotel Kreuz und Bären in Dürrenroth (Rang 8), das Rüden in Schaffhausen (9), das Seminarhotel am Sempachersee (12) sowie das Balade in Basel (13). Auf Erfolgskurs sind unverändert der Teufelhof in Basel (2), die Domaine de Châteauvieux in Genf Satigny (3) und das Rotschuo in Gersau (4). Mit dem nagelneuen Hotel Greulich (7) hat Zürich endlich ein konsequentes Designhotel in gelungen umgesetzter «Reduced to the max»-Philosophie. Das Hotel-Bijou Florhof am Rand der Zürcher Altstadt behauptet sich klar auf Rang 1 und ist weiterhin das beste Beispiel, dass Genussmenschen auf Geschäftsreisen nicht unbedingt fünf Sterne brauchen.

Die besten Hotels für Ferien

Um uns bewusst zu wiederholen: Ja, das Eden Roc in Ascona ist und bleibt die Nummer eins in der Schweizer Ferienhotellerie (siehe Seite 100). Uns bleibt angesichts dieser Situation nichts als die Aufgabe, immer neue Worte für die Beschreibung dieses Wunders an Konstanz auf höchstem Niveau zu finden. Zwar könnten die beiden Hotelgebäude genauso gut in Miami Beach oder Dubai stehen – doch vor diesem Eindruck bewahren die grandiose Naturkulisse und das Gefühl, hochwillkommen zu sein. Während heute die meisten Fünfsternhäuser von Managern geführt werden, spürt man im «Eden Roc», dass da eine Seele ist, eine Kraft, eine Philosophie, die leidenschaftlich gelebt und perfektioniert wird. Daniel Ziegler, unser «Hotelier des Jahres», ist nicht zu bremsen (siehe Seite 107). Er zieht immer wieder überraschende Trümpfe aus dem Ärmel und sorgt mit Stil, Herz und Geschmack dafür, dass man in seinem Reich nicht bedient, sondern betreut wird.

Das Park Hotel Weggis konnte sich in diesem Jahr von Rang sieben auf zwei vorschieben und wird in keiner unserer fünf Bewertungssäulen schlechter als auf Rang fünf bewertet. Eine solche Einigkeit ist erklärbar durch die Beharrlichkeit von Gastgeber Peter Kämpfer, der das Haus in den letzten vier Jahren mit modernem Drive, differenzierten Dienstleistungen und ehrlicher Gastfreundschaft weiterentwickelt hat. Zudem hat er ein grosszügiges Budget zur Verfügung und ist frei von den Unbilden, mit denen viele Hotelierkollegen zu kämpfen haben: Millionenschulden als Preis für eine teuer erkaufte Selbstständigkeit, eine abseitige Lage, gleichrangige Konkurrenten vor der Tür, ausbeuterische Investoren oder illoyale Mitarbeiter. Kurzum, es besteht in der Szene Einigkeit, dass Peter Kämpfer eine der beneidenswertesten Positionen seiner Branche innehat. Tatsächlich fühlt er sich sauwohl in seiner Haut. Was dem Gast zugute kommt: Im Park Hotel Weggis hat man stets das Gefühl, als gälte es, etwas zu feiern.

Auch im Riffelalp Resort in Zermatt heisst es: Mission accomplie nach zweieinhalb Jahren Öffnungszeit. Das Haus war im vergangenen Winter trotz stolzen Zimmerpreisen praktisch durchgehend ausgebucht, und jetzt schaffte es den Sprung von Rang 10 auf Rang 3. Gastgeber Hans-Jörg Walther beherrscht die Klaviatur der Hotellerie wie kaum ein anderer in der Schweiz – und setzt kräftige Lebenszeichen zur Ankurbelung der Sommersaison.

Hinter der neuen Generation von wegweisenden Hotels, gross oder klein, stehen überwiegend Unternehmer mit unerschöpflichen Geldquellen. Sie setzen sich Denkmäler, erfüllen sich Bubenträume, schaffen sich ganzjährig belebte Wohnpaläste. Die Schweizer Luxushotellerie könnte ohne ihre immer zahlreicher werdenden Mäzene nicht im internationalen Wettbewerb mithalten; es braucht die «Spinner», die mit spektakulären Neu- und Umbauten etwas bewegen wollen und die traditionellen Betriebe aus ihrem Halbschlaf reissen. So entsteht ein Druck, dass andere mitziehen und damit zur Attraktivität des Schweizer Tourismus beitragen. Mit bestem Beispiel voran gehen die visionären Hotelbesitzer Karl-Heinz Kipp («Eden Roc»), Thomas Straumann (Grand Hotel Bellevue, Gstaad), Michel Reybier («La Réserve», Genf) oder die Familien Rahe (Haus Paradies, Ftan) und Landolt («Riffelalp Resort», «Beau-Rivage Palace», Lausanne). Dank dem Millionenpower engagierter Financiers wie Martin Denz (Park Hotel Weggis) oder Jürg Oprecht (Lenkerhof, Lenk) melden sich einst verblasste Ferienorte wie Weggis oder Lenk in die heutige Zeit zurück.

Es ist brutal: Unabhängige Hotels, die sich aus eigener Kraft rechnen müssen, haben fast keine Chance mehr. Längst packt jeden Banker die Panik, wenn ein Hotelier Kredit will – die Wirtschaftsflaute und die Stärke des Schweizerfrankens sorgen seit dem letzten Sommer zudem für massive Ertragseinbrüche und Rentabilitätsprobleme. Umso bemerkenswerter sind die erfolgreichen inhabergeführten Hotels, die dank einzigartigem Betriebskonzept, individueller Gastlichkeit und kontinuierlichen Investitionen aus erwirtschafteten Eigenmitteln den Vorstoss in die top zwanzig der BILANZ-Charts erreicht haben. Es sind dies das Gstaad Palace (9), das Ferienart Resort & Spa in Saas-Fee (12), das Walther in Pontresina (14) und das Waldhaus in Sils Maria (17). Unser Aufsteiger vom letzten Jahr, das Beatus in Merligen (11), konnte noch einen Rang gutmachen, ebenso das Ermitage-Golf in Schönried (20) – hinter beiden Häusern stecken die überaus charmanten Herren Heiner Lutz und Laurenz Schmid, die den Titel «Hotelbesitzer des Jahres» verdienen (siehe Seite 108).

Die drei wichtigsten Schweizer Feriendestinationen in Sachen Hotels sind Ascona, St. Moritz und Zermatt. Das Wallis scheint seine Formkrise überwunden zu haben. Allein Zermatt ist mit neun Hotels in der BILANZ-Bestenliste vertreten, darunter die edlen und extrem erfolgreichen Bed-&-Breakfast-Häuser Coeur des Alpes (Rang 2 in der Kategorie Drei-Stern- und Unique-Hotels) und Apparthotel Zurbriggen (11). Zahlreiche Zermatter Hotels nutzten die letzten Jahre zu einem Update, ohne das bisherige Erfolgsprogramm zu revolutionieren – eine Entwicklung, die am deutlichsten im Mont Cervin (18) und im Romantikhotel Julen (22) zu spüren ist.

Anders das Engadin: Der erhoffte Innovationsschub durch die WM blieb aus. Der angekündigte frische Wind, den das renovierte Kempinski Grand Hotel des Bains (Rang 46) versprach, stellte sich als Lüftchen heraus – es fehlt die Eleganz im Detail, der Mut zur grossen Geste. Einzig das Kulm St. Moritz (8) und das Suvretta House (13) verteidigen den einstigen Ruf hier mit einem breiten Freizeitangebot sowie einem nicht mehr ganz taufrischen Traditionalismus in verlässlicher Qualität. Die Kräfte des Beharrens, in der globalen Wirtschaft ohne Überlebenschance, sind in der Engadiner Luxushotellerie nach wie vor stark.

Seit dem Abgang der amerikanischen Management-Company Rosewood im Frühling 2003 droht das Badrutt’s Palace weiter in die Bedeutungslosigkeit abzugleiten, und das einst so strahlende Saratz in Pontresina (27) lässt sich im freien Fall erleben, weil nicht investiert wird, was investiert werden sollte. Einzig die Dreisternhotels Bellavista in Surlej (4), Chesa Rosatsch in Celerina (5) und Misani in Celerina (6) setzen neue Massstäbe im Engadin und begeistern mit einem einzigartigen Lebensgefühl sowie heiter stimmenden Restaurants. Wer Antennen für spontane Ferienerlebnisse und eine gewisse Imperfektion im Service akzeptieren kann, liegt in diesen Häusern richtig.

Wenn ein Hotel mehr ist als ein Hotel, nämlich eine Institution, dann sind seine Überlebenschancen nach einem Direktorenwechsel äusserst prekär. Nachdem Franz Reichholf die Nachfolge des legendären Hans Leu angetreten hatte, hätten wir nicht darauf gewettet, dass es ihm in zwei Jahren gelingen würde, aus dem Albergo Giardino in Ascona (4) wieder eine der führenden Adressen im Land zu machen. Inzwischen ist das theatralisch inszenierte Landhaus in sonnigen Farben durchrenoviert und um ein spektakuläres Spa erweitert. Die Qualität und Varietät der Freizeitanimation ist top, die einst rosarot-überkandidelte Freundlichkeit ist einer natürlichen Gastfreundschaft gewichen, die hochgelobte Küche konnte nochmals zulegen.

Nicht nur in der Formel 1 bedeutet Stillstand der Entwicklung Rückschritt, auch in der Hotellerie gilt diese Regel. Das Castello del Sole in Ascona (5) kann unter der neuen Leitung noch nicht mit wirklich frischen Ideen und einer Auflockerung der sehr zurückhaltenden Atmosphäre aufwarten. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass es im «Sonnenschloss» bald einen Schub gibt und die gepflegte Beschaulichkeit mit einem Hauch von südlicher Lebensfreude und souveräner Natürlichkeit aufgelockert wird. Auch im Quellenhof (7) scheint die Zeit mehr oder weniger stillzustehen, und bei aller Untadeligkeit kommt alsbald das Gefühl gepflegter Langeweile in luxuriöser Kur-Ambiance auf. Trotz bereits erfolgten Verbesserungen im Gastronomie- und Wellnessbereich wünschen wir der Bastion von Bad Ragaz etwas mehr Dynamik und eine Öffnung zu einem jüngeren, internationalen Publikum.

Die meisten Hoteliers haben es selbst in der Hand, am Ball zu bleiben. Als sich etwa das Trois Couronnes in Vevey zur Jahrtausendwende auf ein Schattendasein in der Schweizer Hotelwelt einzurichten schien und wir das Haus als «müden, alten Kasten am Rande des Zusammenbruchs» beschrieben, glaubten wir niemals, dass sich das denkmalgeschützte Grandhotel in so kurzer Zeit erfolgreich einem trendbewussten Publikum öffnen und nun auf Rang 20 der besten Stadthotels auftauchen würde. Aber das 160-jährige Haus wurde mit neuem Komfort in Form gebracht, Traditionen wurden mit einem sehr zeitgemässen Gespür für moderne Accessoires verbunden, und das japanisch schlicht gestylte Spa macht diskret klar, dass wir das Jahr 2003 zählen. Wenn nun noch der Eingangsbereich plangemäss saniert und die letzten alten Zöpfe abgeschnitten werden, hat das «Trois Couronnes» alle Chancen, bald in der Champions League mitzuspielen.

Nachmachbar? Ja, natürlich. Schon der Versuch ist so viel wert wie Gold.

Claus Schweitzer
Reisespezialist und ständiger Mitarbeiter der BILANZ