Die Anleger haben dieses Jahr wenig Grund zu klagen: Die Schweizer Aktien legten im Schnitt um über 20 Prozent zu. Sichere Obligationen sind teuer, und mit einer Rendite von rund 2,3 Prozent auf zehn Jahre bieten sie keine echte Alternative. Auf dem Kunstmarkt werden Rekordpreise bezahlt, und die hiesigen Immobilien sind ebenfalls alles andere als günstig. «Eigentlich sind alle Anlagekategorien mittlerweile hoch bewertet», sagt ein Asset Manager einer Privatbank. Trotzdem muss er für seine Kunden ständig neue Investmentideen bereithaben. Es sei immer noch sehr viel Liquidität im Markt, die irgendwo angelegt werden müsse. Das könnte kurzfristig zu weiter steigenden Aktienkursen führen, erhöht aber zugleich das Absturzrisiko. «Ein steigender Aktienkurs ist das schlechteste Argument für den Kauf einer Aktie», warnte schon Warren Buffett. Viele Privatanleger tun aber genau dies: Sie kaufen ein Wertpapier, weil es zuletzt stark an Wert gewonnen hat.

Jeder möchte die Gewinneraktien im Portfolio halten, und darum werden speziell in den letzten Monaten des Jahres meist diese «Erfolgsaktien» nochmals kräftig eingekauft und schwache Performer aus dem Depot gekippt. Im Jargon spricht man von «Window Dressing». Damit wollen institutionelle Investoren zum Jahresende optisch besser dastehen. Für Privatanleger ist dies allerdings wenig sinnvoll, sind sie doch nur sich selber Rechenschaft schuldig.

Statt Trends hinterherzurennen, lohnt es sich meist, kühl und vor allem flexibel zu bleiben. Richtig beweglich ist man in erster Linie mit genügend Liquidität, also schnell verfügbaren Mitteln. Mit dem 13. Monatslohn erhöht sich für fast alle Angestellten gegen Ende des Jahres jeweils der Barbestand. Auch wenn viel davon bereits verplant ist – etwa für die Steuern –, soll das Bare sinnvoll zwischengelagert oder parkiert werden.

Ein spezieller Lockvogel bietet derzeit PostFinance: Für jeden zusätzlichen Franken an Spargeldern auf dem elektronischen Depositen- oder Sparkonto vergütet sie bis Ende Jahr den doppelten Zins. Man sei sehr erfreut über den Geldzufluss, erklärt PostFinance-Sprecher Marc Andrey. Für maximal drei Monate zahlt die PostFinance auf dem frisch eingezahlten Geld 3 Prozent Zins – beim herkömmlichen Sparkonto vergütet die Post bloss 0,75 Prozent pro Jahr. Das elektronische Sparbuch der Post zeigt steilen Zuwachs, gegenüber 2004 sind die angelegten Gelder um mehr als 50 Prozent auf gut 3,2 Milliarden gestiegen. «Wir wollen für unsere Kunden zur Hauptbank werden und sind sehr an den Zuflüssen interessiert», sagt Andrey. Ähnlich tönt es auch bei den anderen Banken. Doch die Zinskonditionen sprechen eine andere Sprache.

Anzeige

Seit dem Tiefpunkt vor drei Jahren zeigen die kurzfristigen Zinsen in der Schweiz wieder deutlich nach oben. Die Dreimonatszinsen waren 2003 auf das Rekordtief von 0,23 Prozent abgesackt, mittlerweile nähern sie sich der Zwei-Prozent-Marke (siehe Diagramm «Im Steigflug» oben). Die Sparzinsen der Banken liegen trotzdem tiefer als vor drei Jahren. Zurzeit vergüten die beiden Grossbanken UBS und CS ihre Spargelder bloss mit 0,5 Prozent, vor drei Jahren war es noch ein Viertelprozentpunkt mehr. Immerhin doppelt so viel Zinsen wie die Grossen vergütet etwa die Berner Kantonalbank.

Fast alle Banken haben in den vergangenen Monaten ihre Sparzinsen leicht erhöht, als letzte die Credit Suisse. Im Vergleich zum schnellen Anstieg der Nationalbank-Zinsen hinkt aber die Vergütung an die Sparer krass hinterher. Sechsmal in Folge hat die SNB den Drei-Monats-Libor um je 0,25 Prozentpunkte auf 1,75 Prozent heraufgesetzt.

Kaum bewegt haben sich dagegen beispielsweise die Zinsen für das Säule-3a-Konto im Vorsorgesparen: Hier gibt es faktisch keinen Wettbewerb, und die Konditionen sind fast identisch (schlecht). Nur Migrosbank, Bank Coop und Raiffeisenbank bieten einen Viertelprozentpunkt mehr als die Grossanbieter.

Wer mit einer Säule-3a-Lösung vorsorgt, kann die jährlichen Einzahlungen vom steuerbaren Einkommen abziehen. Das Geld kann theoretisch jederzeit bezogen oder gezügelt werden, doch in der Realität liegen die Vorsorgegelder jahrelang schlecht verzinst bei den Banken. Wegen des oft zitierten Steuervorteils kümmern sich die Anleger oft zu wenig um die Erträge, und mit den tiefen Zinsen ist langfristig meist nicht mal die Geldentwertung gedeckt. Einen leichten Anstieg gab es immerhin bei den Vergütungen für Kassenobligationen: Wer sein Geld mit Gewissheit drei Jahre nicht anfassen und sich auch sonst um nichts kümmern möchte, kann derzeit immerhin mit zwei Prozent Zins pro Jahr rechnen.

Anzeige

Die flexiblen Sparer müssen sich weiter mit kleinen Brosamen begnügen. Kein Wunder, ist das für die Banken ein sicheres Geschäft. Für ihre treuen Kunden darf es denn auch «es bitzeli mee sii». Bei der Genossenschaft Raiffeisen erhalten die Mitglieder neben Gratiskonto, Museumspass und anderen Vergünstigungen auch mehr Zins für ihr Geld. Die Valiant Bank, die Bank Linth, aber auch diverse Kantonalbanken wie die Berner oder neuerdings die Luzerner zahlen ihren Aktionären auf speziell eingerichteten Konten deutlich höhere Zinsen. Noch vor gut eineinhalb Jahren hiess es in Luzern, das Kosten-Nutzen-Verhältnis spreche dagegen; nun erhalten alle, die mindestens 20 Namenaktien der Luzerner Kantonalbank (LUKB) in einem Depot bei der LUKB halten, auf einem Spezialkonto einen doppelten Zins. Das Zinszückerchen dürfte sich für Banken durchaus lohnen. «Das Aktionärskonto festigt die Beziehung zum Aktionariat, bringt neue Investoren und erhöht die Stabilität im Aktionärskreis», sagt Jürgen Belz, Sprecher der Valiant Bank. Übersetzt heisst dies: Die Aktionäre verkaufen wohl weniger rasch, wenn sich der Kurs einmal nicht so zufrieden stellend entwickelt. Auch sind die Schweizer Bankkunden bekanntlich treu bis träge. Würden viele Sparer ihre Gelder zu Instituten mit besseren Konditionen verschieben, müssten die Banken die Sparzinsen viel rascher dem Markt anpassen.

Rund 80 Milliarden Franken Sparguthaben liegen beispielsweise allein bei der UBS. Laut der Nationalbank-Statistik waren Ende 2005 gut 207 Milliarden Franken in sogenannten Spareinlagen deponiert. Das sind rund 90 Milliarden Franken mehr als noch vor 20 Jahren (siehe «Sparparadies Schweiz» auf Seite 226). Und auch die Menge an «sofort verfügbarem Guthaben» hat in dieser Zeit enorm zugenommen: von 98 auf 290 Milliarden Franken im Dezember 2005. Seither sind die flüssigen Mittel laut provisorischen Zahlen der Nationalbank um gut zehn Milliarden geschrumpft.

Anzeige

Die bescheidenen Zinsen kompensieren nicht einmal die tiefe Inflation, und so ist sogar das Geldparkieren real ein Verlustgeschäft für Kunden. Dies erleichtert es den Banken, ihren Kunden strukturierte Produkte, etwa mit Kapitalschutz, als Alternative zu verkaufen. Bei diesen Kunstprodukten besteht die theoretische Hoffnung, etwas zu verdienen, und seinen Einsatz erhält man als Anleger im Minimum zurück. So kommen die Banken zu zusätzlichem Gratisgeld, mit dem sie ihrerseits arbeiten können. Für die Anleger ist dieser Kapitalschutz allerdings immer mit Kosten verbunden und damit keine echte Alternative in Sachen kurzfristige Liquidität.

Wer sich nicht mit schwierigen Parkplätzen und tiefen Zinsen zufrieden geben will, kann sich immerhin noch einige Alternativen überlegen. So lohnt es sich allenfalls, Steuern vorauszuzahlen oder überschüssiges Cash in wahre Werte zu verwandeln. Logischerweise haben auch diese Alternativen ihre Vor- und Nachteile (siehe «Spenden oder Spendieren» links).

Klassischerweise empfehlen die Banken für kurzfristige Anlagen sogenannte Geldmarktfonds. Allerdings sind auch hier die Resultate ernüchternd: Nach Abzug der Managementspesen schaffen die erfolgreichen Frankenanleger gut ein Prozent pro Jahr. Als einziger Geldmarktfonds in Schweizer Franken schaffte der VP Bank Cash & Geldmarktfonds in den vergangenen drei Jahren eine Gesamtperformance von mehr als zwei Prozent. «Kein Geld zu verlieren, ist das oberste Motto bei den Moneymarkt-Fonds», sagt Alexandre Ris, Chef der Fixed Income Funds bei Pictet. Das schafften nicht alle Anbieter. Der UBP-Fonds etwa kam in den vergangenen drei Jahren nicht aus dem Minus (siehe «Franken-Geldmarktfonds im Überblick» unten).

Anzeige

Die tiefen Zinsen für kurzfristige Anlagen machten es in den vergangenen drei Jahren schwierig, nur schon die Managementkosten herauszuschlagen. Statt den im Prospekt offiziell möglichen Gebühren von 0,5 Prozent pro Jahr verlangte Pictet beispielsweise 2003 nur noch ein Zehntelprozent an Management Fees. Mittlerweile liegt die Entschädigung laut Ris bei 0,13 Prozent, und wer den Geldmarktfonds direkt bei Pictet kauft, zahlt zumindest keine zusätzliche Ausgabegebühr.

Bei den meisten anderen Anbietern kosten der Kauf und der Verkauf von Geldmarktfonds mindestens ein halbes Prozent – das macht die Gefässe als kurzfristige Anlage nochmals unattraktiver. Deutlich höhere Zinsen locken bei Geldmarktanlagen in Euros und Dollars. Von den knapp 140 Milliarden an «Verpflichtungen» aus Geldmarktpapieren lauten gemäss der Nationalbank mehr als 100 Milliarden auf US-Dollars. Ein Grossteil dieser Gelder dürfte ausländischen Kunden zustehen; wer seine Ausgaben und Investments in Franken bezahlt, ist mit US-Geldmarktpapieren schlecht beraten. Anfang Jahr lag der Dollar noch bei gut 1.32 Franken, gegenwärtig ist der Greenback deutlich weniger wert. Kein Wunder, schafften es die US-Geldmarktfonds für Frankenanleger bisher nicht, eine positive Performance zu erreichen. Die kurzfristigen Währungsschwankungen sind unberechenbar und beeinflussen die Erträge viel stärker als die eigentlichen Zinsen.

Etwas anders präsentiert sich das Bild im Euroraum. Dort locken auch kurzfristig höhere Zinsen, und die Einheitswährung entwickelt sich gegenüber dem Franken ausgesprochen stark. So überrascht es wenig, dass zwischen Top- und Flop-Fonds keine grosse Differenz besteht.

Anzeige

Umgerechnet in Franken, erreichte der West AM Compass in den vergangenen zwölf Monaten immerhin knapp sechs Prozent Rendite, auch hier schneidet der US-Fondsspezialist Fidelity schlecht ab. Vor allem wer sein Geld länger im Euroraum parkieren will, ist bei Fidelity wohl unterdurchschnittlich zufrieden. Nur dank Währungsgewinnen resultierte eine Gesamtperformance von gut fünf Prozent (siehe «Euro-Geldmarktfonds im Überblick» links).

Für kurzfristige Anlagen bleibt der Euro aber eine Alternative, die höheren Zinsen rechtfertigen das relativ kleine Währungsrisiko. Schliesslich unternimmt die Nationalbank vieles, um die wichtige Handelswährung nicht zu stark schwanken zu lassen.