Es gibt Indizien, dass der Exit aus der ultralockeren Geldpolitik in den Industrieländern früher erfolgt, als man gedacht hat. Die Konjunktur läuft besser. In diesem Jahr werden die USA und Japan um rund drei Prozent wachsen, die Schweiz und die Eurozone um zwei Prozent. Monetäre Stützen werden nicht mehr gebraucht. Die Unruhe an den Finanzmärkten nimmt zu, was auch mit der reichlichen Liquidität zusammenhängt. Und noch ein Hinweis: In den führenden geldpolitischen Gremien bestehen ungewöhnlich viele Meinungsunterschiede. In den USA votierte zuletzt eine Minderheit von drei regionalen Notenbankpräsidenten für eine Erhöhung des Diskontsatzes. Tom Hoenig aus Kansas plädiert für eine Anhebung des Leitsatzes auf ein Prozent noch in diesem Sommer. In der Europäischen Zentralbank (EZB) gibt es erheblichen Streit um die Käufe von Staatsanleihen. Dahinter stehen auch grundsätzlichere Überlegungen über die künftige Ausrichtung der Politik. Das zeigt, wie sehr über einen Wechsel nachgedacht und diskutiert wird.

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Bisher waren die Länder, welche die Zinsen erhöhten, weit weg. Den Anfang machte Australien, das seit der Krise bereits vier Erhöhungen vorgenommen hat. Auch Norwegen – nicht geografisch, aber ökonomisch weit entfernt – war früh dran. Dann folgten Schwellenländer wie Indien, Indonesien, Brasilien oder China (mit seinen vielen Mindestreserveerhöhungen). Zuletzt hat Kanada den Leitzins erhöht. Dieses Land gehört immerhin zu den G-7-Staaten und befindet sich in einer ähnlichen ökonomischen Situation wie die USA und Europa. Die Schweiz könnte im Herbst zum Vorreiter für die anderen Industrieländer werden.

Anleger sollten sich darauf vorbereiten. Zinserhöhungen sind eine zweischneidige Sache. Auf der einen Seite belasten sie die Finanzmärkte. Es gibt nicht mehr so viel Spielraum für Kurssteigerungen. Dem Schweizer Franken drohen weitere Aufwertungen. Auf der andern Seite verbessern sich die mittelfristigen Aussichten. Schon oft wurde in den letzten Jahren die Politik des früheren Fed-Chefs Alan Greenspan dafür kritisiert, die monetären Bedingungen für die Krise geschaffen zu haben. So etwas muss jetzt vermieden werden.