In dem am 11. November neu gegründeten Unternehmen Swiss Marketplace Group (SMG) sind jetzt die bekanntesten digitalen Real-Estate-Marktplätze wie beispielsweise Immoscout24 und Homegate unter einem Dach. Was bedeutet das für die Kundinnen und Kunden?
Wir legen absolut Wert darauf, dass die beiden grössten Immobilienplattformen Homegate und Immoscout24 eigenständige Marken bleiben. Zum einen, weil wir aus den ersten Analysen wissen, dass die beiden Plattformen viel Komplementäres und kaum Überlappungen aufweisen.

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Zum anderen, weil jede Plattform für sich auf eine Markenbekanntheit von deutlich über 80 Prozent kommt. Durch die Softwarelösungen unserer hauseigenen Digitalschmiede Casasoft haben wir schon heute ein ganzes Repertoire an digitalen Services, welche die Profis bei der Vermarktung der Immobilie optimal unterstützen.

Jedoch unterliegt der Immobilienmarkt ein Stück weit dem Paradoxon, das Potenzial noch grösserer Innovation derzeit gar nicht ausschöpfen zu müssen.

Denn selbst wenn Sie, überspitzt gesagt, eine Immobilie lustlos beschreiben und mit verwackeltem Bild präsentieren, wird sich schon ein Käufer oder eine Käuferin finden. Tatsächlich kann der Immobilienmarkt in der Schweiz zunehmend als ausgetrocknet bezeichnet werden – und Immobilien wechseln über unsere Plattformen immer schneller die Besitzerin oder den Besitzer.

Wie wollen Sie zukünftig gegen Google und Facebook bestehen?
Erst vor wenigen Tagen hat das deutsche Bundeskartellamt eine überragende marktübergreifende Bedeutung von Google festgestellt und die privaten Mietinserate von Meta, ehemals Facebook, umfassen schon heute ein Vielfaches des Angebotsvolumens unserer Immobilienportale.

Wenn wir auch in Zukunft mit digitalen Plattformen in der Schweiz Wertschöpfung generieren wollen, dann ist die Gründung der SMG die einzig logische Konsequenz. Wir fühlen uns zudem verpflichtet, auf dem Boden eines Schweizer Wertegerüsts zu agieren und einen Grossteil der damit verbundenen Arbeitsplätze in der Schweiz zu halten.

Welche Synergien ergeben sich mit der Zusammenführung der verschiedenen Marktplätze für die SMG intern?
Die grössten Synergien liegen aktuell beim Human Capital, also bei den klügsten Köpfen hinter den Marktplätzen, die sich aktuell vernetzen und intensiv austauschen.

Das ist eine ganz besondere Situation, denn die meisten Brands waren jahrelang schärfste Konkurrenten und haben nun die Chance, voneinander zu lernen und jeweils hinter die Kulissen des anderen zu schauen. Intern ist das Mindset «Das Beste aus zwei Welten» zum Credo geworden. Wir haben jetzt das gemeinsame Ziel, die ansprechendsten und innovativsten Lösungen für unsere Kundinnen und Kunden zu entwickeln.

Mister Marketplace
 Martin Waeber
Quelle: ZVG

Martin Waeber (50) ist Managing Director der Swiss Market Group (SMG) Real Estate. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Waeber absolvierte eine kaufmännische Ausbildung an der  HWV Freiburg, gefolgt von einem Executive Master of Science in Communications Management an der Universität Lugano und einem an der UCLA Anderson School of Management in California.

Wie hat sich das Suchverhalten in der Pandemie verändert?
In der ersten Welle der Pandemie, die bei vielen Menschen eine Ersterfahrung mit Homeoffice und zugleich Einschränkungen in der persönlichen Mobilität mit sich brachte, haben wir in unseren Daten den starken Wunsch nach dem Extrazimmer oder dem Gang in den eigenen Garten ablesen können.

Ein regelrechter Run auf grössere Wohnungen setzte ein. Dagegen wurden kleinste und kleinere Wohnungen nahezu verschmäht. Da en passant die Preise für Wohneigentum von einem Rekordstand zum nächsten eilten, wurde Wohneigentum für die meisten jedoch unbezahlbar.

Nun, da die Pandemie bald ins dritte Jahr geht, sehen wir weitgehend eine Normalisierung der Nachfrage bei den verschiedenen Wohnungsgrössen. Kleinere Wohnungen werden wieder verstärkt gesucht und haben sich nicht nur von ihrem Nachfrageeinbruch erholt, sie sind sogar noch gefragter als vor dem Ausbruch der Pandemie. Der Trend hin zum Extrazimmer ist nach wie vor intakt, reicht aber nur noch bis zur 4,5-Zimmer-Wohnung heran.

Das ist auch kein Wunder angesichts der Tatsache, dass durch den starken Preisanstieg bei Wohnimmobilien sich immer weniger Menschen diese Raumdimension leisten können. Wer sich vor einigen Jahren noch vier bis fünf Zimmer kaufen konnte, bekommt heute in etwa drei bis vier Zimmer für denselben Preis.

 

«Vielleicht suchen die Menschen 2032 ihr Haus mit der VR-Brille im Metaverse.»

Was erwarten Sie für 2022?
Auch im Jahr 2022 ist mit steigenden Liegenschaftspreisen insbesondere im Kaufsegement zu rechnen. Ob es vielleicht doch zur Trendwende kommt, liegt wesentlich in der Hand der Notenbanken: Die amerikanische Zentralbank hat angekündigt, den Leitzins schneller anzuziehen als geplant. Die Bank von England ist bereits vorgeprescht und hat die Zinsen von 0,1 auf 0,25 Prozent erhöht. Ziehen die Europäische Zentralbank und die Schweizerische Nationalbank ebenfalls die Zinsschraube an, sollten wir uns auch hierzulande auf mögliche Preisrückgänge einstellen.

Wie suchen wir in fünf bis zehn Jahren Immobilien?
Wer die Frage beantworten kann, knackt den Jackpot. Vielleicht suchen die Menschen ihr Haus im Jahr 2032 tatsächlich im Metaverse mit VR-Brille. Grundsätzlich glauben wir, dass derjenige im Markt bestehen wird, der Lösungen bietet, die so digital wie möglich sind. Wir werden ganz vorne dabei sein.

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Florian Fels
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