Immer mehr Banken bieten nachhaltige Anlagen an. Bei den Begriffen geht es allerdings mitunter durcheinander wie Kraut und Rüben. Weil das Anleger oft davon abhält zu investieren, hat die Branche ein Interesse daran aufzuräumen.

Die unklaren Begrifflichkeiten schrecken die Investoren ab. Viele finden die Terminologie rund um das Thema Nachhaltigkeit verwirrend, wie aus einem am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung der Grossbank UBS hervorgeht. Ohne ausreichendes Wissen könne nicht mit gutem Gewissen eine Auswahl getroffen werden. Schwierig sei auch, die Wirkung nachhaltiger Anlagen zu messen.

«Übermässiger Investitionsjargon ist ein Problem durch die gesamte Industrie hinweg, ob beim Thema nachhaltiges Investieren oder anderweitig», kommentiert Daniel Kalt, Chefökonom UBS Schweiz, gegenüber AWP.

Das Grundkonzept wird zwar verstanden. Die Begriffe rund um nachhaltige Anlagen sind allerdings nicht klar abgegrenzt. Kaum unterschieden wird zum Beispiel zwischen den verschiedenen Anlagestrategien.

Bedenkliche Unternehmen ausschliessen

So ging es in der Vergangenheit in erster Linie darum, bestimmte Unternehmen aus dem Portfolio auszuschliessen, die nicht mit den Werten des Anlegers übereinstimmen. Inzwischen wenden sich Anleger jedoch vermehrt der «Integration» und dem «Impact Investing» zu, wie es von der UBS weiter heisst. Die Integrationsstrategie zielt darauf ab, Unternehmen mit positiven Grundsätzen etwa zu Umwelt und Soziales in traditionelle Anlageprozesse einzuschliessen.

In der Schweiz war laut Kalt im vergangenen Jahr das Ausschlussverfahren der am weitesten verbreitete Ansatz, gefolgt vom Integrationsverfahren. Das Ausschlussverfahren sei zwar immer noch beliebt, allerdings als einziger Ansatz auf dem Rückgang, sagt der Ökonom. Impact Investing ist in der Schweiz derweil noch vergleichsweise klein.

Impact Investing erklärt der Schweizer Mikrofinanz-Dienstleister BlueOrchard wie folgt: Mit aktivem Engagement in Projekte und Unternehmen soll - zusätzlich zur finanziellen Rendite - etwas bewirkt werden.

Neue Generation will mehr als Rendite

«Anleger, die sich für nachhaltige Anlagestrategien interessieren, sehen sich mit einem dynamischen Angebot und einer Vielzahl von Begriffen konfrontiert», schreibt auch Philipp Müller, Investmentchef bei BlueOrchard, in einem Kommentar. Jüngsten Schätzungen zufolge sind nachhaltige Vermögenswerte in der Schweiz auf mehr als 390 Milliarden Franken angewachsen.

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Zum einen ist der Anstieg politisch und durch Industriestandards bedingt. Und der Vermögenstransfer an eine Generation, deren Anlageziele über den rein finanziellen Ertrag hinausgehen, tut ein Übriges. Der Wettbewerb steigt, und neue Produkte verbreiten sich.

Dem Prädikat «nachhaltig» sei daher bislang viel zugemutet worden: Oftmals seien bewusst Begriffe vermischt worden, ist Müller der Meinung. Im eigenen Interesse tue die Branche etwas gegen «diese Verwässerung und Grünfärberei». Denn Transparenz, klare Begriffe und allgemein anerkannte Standards würden die Hemmungen verringern, zu investieren.

Angebot in der Schweiz noch ausbaufähig

Das Angebot - auch in der Schweiz - ist einer Studie der Universität Zürich zufolge ausbaufähig. «Es sind gute, nachhaltige Anlageangebote im Markt vorhanden. Allerdings sind die Unterschiede gross, und die Bandbreite kann je nach Bank zwischen 5 und 108 Produkten variieren», äussert sich Studienautorin Taeun Kwon in einem Communiqué vom Mittwoch.

Kwon untersuchte mit Kollegen das Angebot für reiche Kunden von 15 europäischen Banken. Darunter fanden sich neben den hiesigen Grossbanken unter anderem Vontobel, die Zürcher Kantonalbank sowie die Privatbank Edmond de Rothschild.

Einige Institute würden versuchen, Nachhaltigkeit in ihr gesamtes Angebotsspektrum zu integrieren. Andere würden ergänzende Produkte anbieten, sagt Kwon. «Aber die wirklich für den Investor interessanten Angebote, die strategisch durchdacht sind und auch eine signifikant positive Wirkung erzielen, sind noch eher selten.»

UBS und CS Branchendurchschnitt

Ausserdem seien die Bankmitarbeiter oft zu wenig gut informiert. «Wir hören vielfach, dass Kunden ihre Bank verlassen, weil der Berater ihnen kein nachhaltiges Anlageangebot machen kann. Dabei wissen wir, dass die Bank solche Produkte anbietet», sagt Kwon.

Am besten abgeschnitten haben zwei auf Nachhaltigkeit spezialisierte Banken: die hiesige Globalance Bank und die niederländische Triodos Bank. Punkto Dienstleitungen hätten sich neben diesen beiden vor allem die Finanzinstitute Lombard Odier und Pictet «gut positioniert».

Die anderen Institute - einschliesslich UBS und Credit Suisse - entsprächen mit individuellen Stärken und Schwächen in etwa dem Branchendurchschnitt.

(awp/ccr)