Ökonomen erwarten unter der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde fast einhellig eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik. Nach einer am Freitag veröffentlichten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters rechnen 94 Prozent der befragten Ökonomen damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) unter ihrer Führung den Kurs ihres Vorgängers Mario Draghi beibehalten wird.

Die ehemalige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) steht seit Monatsbeginn an der Spitze der EZB. Eher skeptisch sind die Experten allerdings, ob es Lagarde gelingen wird, die 19 Euro-Staaten zu abgestimmten Haushaltsmassnahmen zur Stützung der schwächelnden Wirtschaft zu bewegen. 60 Prozent der befragten Volkswirte rechnen nicht damit.

Einlagesatz für Banken wird im zweiten Quartal 2020 gesenkt

Die EZB hatte die Euro-Länder zuletzt immer wieder dazu aufgerufen, im Kampf gegen die Konjunkturflaute mehr zu tun. Lagarde forderte Länder mit Etatüberschüssen wie Deutschland dazu auf, diese Spielräume zu nutzen und etwa in die Infrastruktur zu investieren.

Die Volkswirte rechnen laut Erhebung mehrheitlich zudem damit, dass die EZB ihren Einlagesatz im zweiten Quartal 2020 auf minus 0,6 Prozent von derzeit minus 0,5 Prozent senken wird. In der vorangegangenen Umfrage war dies noch im ersten Quartal erwartet worden. Seit 2014 ist der Einlagesatz negativ. Damit müssen Banken Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der EZB überschüssige Gelder parken.

Die Ökonomen gehen darüber hinaus davon aus, dass die EZB an ihrem Leitzins von aktuell 0,0 Prozent noch bis mindestens Ende 2021 nicht rütteln wird. Bereits seit März 2016 liegt er auf diesem Niveau.

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(reuters/gku)