An diesen Tagen erhalten gut 30'000 Personen in aller Welt einen besonderen Zustupf: Wie das amerikanische Justizministerium meldet, schüttet der Madoff Victim Fund nun nochmals 488 Millionen Dollar aus. Die Gelder konnten bei diversen Anlegern, Banken und bei der Madoff-Familien eingetrieben werden.

Damit wurden bis dato insgesamt 3,2 Milliarden Dollar an Anleger zurückerstattet, welche Geld auf die Investitionsvehikel von Bernard L. Madoff gesetzt hatten (eine genaue Auflistung findet sich hier). 140'000 Checks seien bereits ausgestellt worden, meldet der Madoff-Opferfonds. Und so blieben zum heutigen Stand rund 800 Millionen Dollar, welche die Investoren abschreiben müssen – sofern nicht noch mehr verschwundene Schätze ans Licht kommen.

Vergleiche mit Swissair und Kings Club

Das sind bemerkenswerte Summen: Denn damit konnten bislang 80,05 Prozent der Madoff-Gelder wieder aufgefunden und zurückerstattet werden (so die exakte Bezifferung der Justizbehörden). Es ist eine Rückgewinnungsquote, welche die Anleger anderer – quasi «seriöserer» oder strafrechlich irrelevanter – Konkurse neidisch machen könnte. Bei der Swissair, um ein Beispiel zu nennen, mussten sich die Gläubiger mit 21 Prozent zufriedengeben.

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Und global gesehen liegen die Recovery Rates nach Firmenkonkursen im Schnitt bei etwa 40 Prozent, wobei die Bandbreite sehr gross ist. Doch 80 Prozent ist hoher Wert, wie er selten erreicht wird.

Insgesamt hatten Anleger, als die Blase Ende 2008 platzte, also rund 4 Milliarden Dollar in Madoffs Anlagevehikeln parkiert. Der ehemalige Präsident der Nasdaq hatte in den Neunziger- und Nullerjahren ein weltweites Schneeball-System errichtet, das erst im Gefolge der Lehman-Brothers-Krise einbrach. Bernard Madoff – einst eine renommierte Persönlichkeit der New Yorker Finanzszene – wurde im Juni 2009 zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt. 

Wirklich der grösste «Scam» aller Zeiten?

Auf gewisse Weise ist nun aber eine andere Blase der Spekulation geplatzt: Als Madoff 2009 vor Gericht kam, wurde ein unermesslicher und historisch einmaliger Gesamtumfang des Schadens vermutet. Die Staatsanwälte und Medien sprachen etwa von 65 Milliarden Dollar.

Nun, ein gutes Jahrzehnt später, wird sogar Madoffs Position als «grösster Ponzi-Betrüger aller Zeiten» strittig. Mit einer Schadenssumme von 800 Millionen Dollar befindet sich der heute 82-Jährige Häftling fast schon in der Liga des European Kings Club: In dieses Schneeballvehikel, errichtet in der Innerschweiz, hatten arglose Geldgeber fast 2,5 Milliarden Franken hineingesteckt – und am Ende rund 500 Millionen abschreiben müssen. 

Für die Madoff-Opfer kommt eine unbekannte Summe hinzu, die von vermittelnden Banken und Vermögensverwaltern in aller Welt aus der eigenen Kasse bezahlt wurden – sei dies aus Kulanz oder sei dies, um Prozesse abzuwenden. Im April 2009 gab beispielsweise der Schweizer Vermögensverwalter Notz Stucki bekannt, Madoff-Geschädigten unter seinen Kunden einen Ausgleich von 120 Millionen Franken zu erstatten. 

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(rap)