Seit Jahresbeginn stieg die Marktvolatilität infolge der Coronavirus-Pandemie rasant an. Als Investoren realisierten, wie weitgehend der Lockdown zur Eindämmung der Virusausbreitung sein wird, sind nahezu alle Anlagen erheblich unter Druck geraten. In dieser extrem schwankungsanfälligen Phase liefern ESG-Bewertungen wichtige Hinweise auf die Spitzenreiter und Nachzügler an den globalen Märkten.

Die These, dass Unternehmen mit guten ESG-Bilanzen und nachhaltigem Management sich in einer Krise besser als der Markt entwickeln, wurde klar bestätigt. Das zeigt eine Performance-Analyse von Fidelity International.

Jürg Rimle ist Schweizer Länderchef bei Fidelity International.

Die Berücksichtigung von ESG bringt Outperformance

Für den Performancevergleich mit mehr als 2‘600 Unternehmen haben die Fidelity-Analysten das firmeneigene ESG-Ratingsystem herangezogen. Die zukunftsgerichteten Ratings stützen sich unter anderem auf die Engagement-Strategie von Fidelity mit rund 15‘000 individuellen Unternehmenstreffen pro Jahr. In den 36 Tagen zwischen dem 19. Februar und dem 26. März fiel der S&P 500 um 26,9 Prozent.

In dieser Phase haben sich Aktien von Unternehmen mit einem A-Rating durchschnittlich um 3,8 Prozentpunkte besser und Aktien von Unternehmen mit einem E-Rating durchschnittlich um 7,4 Prozentpunkt schlechter als der S&P 500 entwickelt. Ausserdem ergab die Untersuchung, dass Anleihen von Unternehmen mit besserem ESG-Rating vom Jahresanfang bis zum 23. März unbereinigt besser abschnitten als der Durchschnitt niedriger bewerteter Wettbewerber.

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Die Anleihen der 149 Unternehmen mit A-Rating erzielten eine durchschnittliche Rendite von -9,23 Prozent, verglichen mit -13,16 Prozent von Unternehmen mit B-Rating und -17,14 Prozent von Unternehmen mit C-Rating. ESG-Ratings und die Wertentwicklung von Unternehmen sind also auch in einer Krise positiv korreliert, wobei ein bemerkenswerter linearer Zusammenhang besteht mehr als verdient.

Gutes ESG-Rating als Indiz für Qualität des Managements

Eine natürliche Reaktion von Anlegern auf derartige Krisen besteht darin, den Investmenthorizont zu verringern und sich zunächst auf das kurzfristige Überleben von Unternehmen zu konzentrieren, wobei längerfristige ESG-Aspekte in den Hintergrund gedrängt werden können.

Diese kurzfristige Perspektive wäre aber tatsächlich kurzsichtig. Was zunächst wie ein wahlloser Ausverkauf aussah, spiegelt implizit auch einen stärkeren Fokus auf ESG-Aspekte wider.

Ergebnisse sind beruhigend

Trotz einiger Vorbehalte, darunter die Entwicklung der Kreditqualität, Beta-Anpassungen und die schnelle Markterholung, sind diese Ergebnisse ermutigend: Es besteht ein grundsätzlicher Zusammenhang zwischen starken Nachhaltigkeitsfaktoren und Renditen, was die Bedeutung von ESG-Analysen als Bestandteil des fundamentalen Researchs unterstreicht.

Die Analyse stützt unsere Überzeugung, dass gute ESG-Ratings ein grundlegendes Indiz für die Qualität des Managements sind. Robustere Unternehmen sind auch im Abschwung besser in der Lage, Chancen zu nutzen und sich für den folgenden Aufschwung gut zu positionieren. Ihren Platz im Zentrum des aktiven Portfoliomanagements haben diese Unternehmen mehr als verdient.

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