Ein Pensionskassenmanager taugt eigentlich nicht zum Helden. Zu technisch ist seine Arbeit, zu kompliziert sein Vokabular. Doch Josef Bachmann, Chef der Pensionskasse der Beratungsfirma PwC Schweiz, ist – wenigstens in seiner Branche – für viele so etwas wie ein Winkelried, der sich opfert, Prügel einsteckt und so einen neuen Weg für seine Mitstreiter ebnet.

Denn Bachmann plant etwas, an das sich bis anhin noch niemand herangetraut hat: Er will die Altrenten anpassen. Sprich: Er will die garantierten Renten der bereits Pensionierten senken und mit einem variablen Teil ergänzen, der mal höher, mal tiefer ausfällt – je nachdem, was der Finanzmarkt hergibt.

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Die zweite Säule wankt

Ein Tabubruch. Doch ausserordentliche Zeiten erfordern ausserordentliche Massnahmen. Denn die Welt der beruflichen Vorsorge ist aus den Fugen geraten, die zweite Säule wankt. Die Alterung der Gesellschaft hat die rund 1800 Pensionskassen und Sammelstiftungen bereits in den vergangenen Jahren arg strapaziert.

Doch jetzt, gebeutelt durch die lang andauernde Tief- und neu sogar Negativzinsphase, funktioniert das Kapitaldeckungsverfahren definitiv nicht mehr nach Schulbuch.

Runter mit den Rentenversprechen

Das heisst: Heute werden die Renten der beruflichen Vorsorge nicht mehr wie ursprünglich geplant ausschliesslich aus dem selbst angesparten Kapital plus Zinsen und Zinseszinsen bezahlt – zu hoch sind die abgegebenen Rentenversprechen. Also greifen die Pensionskassen immer häufiger in den Topf der Erwerbstätigen.

So findet eine schleichende Transformation der zweiten Säule statt: von einem reinen Kapitaldeckungsverfahren zu einer Mischform von Kapitaldeckungs- und Umlageverfahren, bei dem – wie bei der AHV – die junge Generation die Rente für die Älteren bezahlt.

Ein «Pulverfass»

Die Situation ist alarmierend, einige beschreiben sie als «dramatisch». Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarkttheorie an der Universität Basel, spricht gar von einem «Pulverfass». Ohne drastische Reformen fliege es in die Luft.

Ein Pensionskassenmanager sagt, es gebe eigentlich nur zwei Auswege aus der Misere: Entweder werde das ganze System an die Wand gefahren, oder eine Schweinegrippe-Pandemie sorge dafür, dass ein Grossteil der Rentner früher sterbe. Die meisten seiner Berufskollegen sind weniger zynisch. Sie versuchen vielmehr, das System mit kleinen Eingriffen zu korrigieren respektive gerechter auszugestalten. Ihr Spielraum ist jedoch beschränkt, etliche Parameter sind fix ins Gesetz geschrieben, jedenfalls für das Obligatorium.

Begrenzter Spielraum

So schrauben sie also an jenen Indikatoren, die sie verändern dürfen. Etwa am technischen Zinssatz. Dieser entspricht einer langfristig ziemlich sicher erzielbaren Rendite und dient dazu, die künftigen Leistungen auf den heutigen Wert herunterzurechnen. Dabei folgen Vorsorgeeinrichtungen den Empfehlungen der Schweizerischen Kammer der Pensionskassen-Experten, die jeweils im Herbst einen auf Basis einer Formel errechneten Referenzzinssatz publiziert.

Diese «Obergrenze» haben die Experten seit 2005 mehrmals herunterkorrigiert – von ursprünglich 4,5 auf derzeit 2,75 Prozent. Die meisten Branchenkenner gehen davon aus, dass dieser Diskontsatz im September dieses Jahres weiter gesenkt wird. Gemäss Othmar Simeon, Chef der Personalvorsorgeberatung bei Swisscanto, müsste er gar herunter auf unter zwei Prozent. «Alles andere ist unrealistisch.»

Doch je tiefer der technische Zins, desto höher muss das Vorsorgekapital sein. Das heisst: Senkt eine Kasse den technischen Zins, muss sie das Vorsorgekapital erhöhen, damit die Rechnung der abgegebenen Rentenversprechen wieder aufgeht. Das wiederum senkt den Deckungsgrad.

Der Anlagenotstand der Pensionskassen verschärft sich, die zweite Säule wankt gefährlich. Wie wenig von Ihrer Vorsorge bleibt und was Sie jetzt tun können, lesen Sie in der neuen «Bilanz», ausnahmsweise schon ab Donnerstag am Kiosk oder mit Abo jeweils bequem im Briefkasten.