Nach dem starken Anstieg der Renditen im Jahr 2022 sind die Einstiegsmöglichkeiten bei Schwellenländeranleihen so attraktiv wie seit Jahren nicht mehr. Für die Anlageklasse spricht, dass Schwellenländerwährungen real günstiger sind als während der globalen Finanzkrise. Die meisten Länder haben ihre Widerstandsfähigkeit mit relativ starken Kreditkennzahlen im Vergleich zu den Industrieländern unter Beweis gestellt. Entscheidend wird sein, das Exposure in Ländern mit grosser Vulnerabilität bezüglich externen Finanzierungen zu begrenzen.

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Das Hard-Currency-Universum bietet Anlegerinnen und Anlegern mit Anleihen von rund siebzig staatlichen und quasi-staatlichen Emittenten zahlreiche Chancen. Bei High-Yield-Schwellenländeranleihen bevorzugen wir Länder, deren Politik mit stabilen oder sich verbessernden Wirtschaftsaussichten im Einklang steht. Diversifizierte Finanzierungsquellen sind ein Schlüsselfaktor. 

In dieser Kategorie schätzen wir die Elfenbeinküste, Angola, Senegal, die Dominikanische Republik und Paraguay positiv ein. Wir sehen auch Chancen bei notleidenden Krediten, insbesondere in Ländern mit einem starken institutionellen Rahmen, bei denen die Restwerte wahrscheinlich höher sind, als die aktuellen Kurse vermuten lassen. Ghana erscheint in diesem Zusammenhang interessant.

Fokus auf Realrenditen

Drei weitere Faktoren sprechen für eine positive Entwicklung im Jahresverlauf: Inflation, Geldpolitik und Währungsbewegungen. Zwar dürften sich die Anlegenden weiter wegen der Inflation sorgen, sie steht aber mit ziemlicher Sicherheit kurz vor ihrem Höhepunkt oder hat diesen bereits erreicht. Auch wenn die Zentralbanken in den Schwellenländern die Zinsen Anfang 2023 möglicherweise weiter erhöhen werden, verfügen sie über Spielraum, die Erhöhungen zu beenden und die Zinsen schliesslich zu senken, wenn die Inflation zu fallen beginnt.

Ab diesem Zeitpunkt dürften die Realzinsen steigen. Dies könnte der Auslöser für eine positive Entwicklung von Schwellenländerwährungen sein. Denn die um das Kreditrisiko bereinigten prognostizierten Realrenditen sind dort bereits deutlich höher als in den Industrieländern. Schwellenländerwährungen sind mittelfristig fundamental attraktiv, da sie real günstiger sind als während der globalen Finanzkrise und viele Länder einen Leistungsbilanzüberschuss aufweisen.

Über den Autor

Aaron Grehan ist Deputy Head of Emerging Market Debt and Portfolio Manager, EM Hard Currency bei Aviva Investors.

Der Wachstumszyklus könnte nun Schwellenländer begünstigen, insbesondere da China seine Null-Covid-Politik beendet hat. Auch dies dürfte Schwellenländeranleihen stützen. Von erheblicher Bedeutung ist selbstverständlich die Länderauswahl. Länder mit starken Kreditkennzahlen, deren Zentralbanken der Entwicklung einen Schritt voraus sind, wie Mexiko, Brasilien, Peru und die Tschechische Republik, sowie Länder mit starkem Erholungspotenzial wie Indonesien dürften eine Outperformance zeigen.

Starke Unternehmensbilanzen

Auch für Unternehmensanleihen der Schwellenländer könnte dieses Jahr einen Wendepunkt bedeuten. Viele Unternehmen haben ihre Bilanzen in Ordnung gebracht. Die Verschuldung ist auf dem niedrigsten Stand seit einem Jahrzehnt. Gleichzeitig sind die Zinsdeckungsquoten – ein Mass für die Fähigkeit eines Unternehmens, seine Schulden zu bedienen – auf dem höchsten Stand seit 2012.

Angesichts der anhaltenden Ungewissheit über die Entwicklung der US-Zinsen, des Ausmasses der rezessiven Entwicklung, der Gefahr politischer Fehlentscheidungen in China und der Wahrscheinlichkeit eines länger andauernden Konflikts in der Ukraine bestehen jedoch weiterhin Risiken. Anlegerinnen und Anleger sollten Engagements in defensiveren Marktsegmenten wie erstklassigen Finanzinstituten, Technologie, Versorgern, Medien und Telekommunikation sowie Energie in Erwägung ziehen. In zyklischen Sektoren sollten Anlegende besonders selektiv vorgehen.